Karies unter der Krone im Röntgenbild: Erkennen, Grenzen und Therapie
Karies unter einer Kronenversorgung (Sekundärkaries) ist eine häufige, aber oft schwierige Diagnoseaufgabe. Dieser Artikel erklärt, wie Zahnärzte Karies unter Kronen im Röntgenbild erkennen, welche Grenzen die Bildgebung hat und welche ergänzenden Untersuchungen und Behandlungsschritte möglich sind.
Was versteht man unter Karies unter der Krone (Sekundärkaries)?
Sekundärkaries bezeichnet kariöse Zerstörung am Zahn unter bereits bestehenden Versorgungen wie Kronen oder großen Füllungen. Meist beginnt sie an fehlerhaften Kronenrändern, an Spaltstellen oder unter schlecht sitzenden Kronen, wo Bakterien eindringen können. Klinisch fällt sie oft spät auf, weil die Krone selbst keine Schmerzen verursacht — das Problem sitzt darunter.
Warum ist die Diagnostik schwierig?
- Die Krone überdeckt die Zahnstruktur, sodass visuelle Inspektion allein nicht zuverlässig ist.
- Viele Kronen (Metall, Verblendkeramik mit Metallunterbau) sind röntgendicht und überlagern das darunterliegende Dentin auf den Aufnahmen.
- Karies unter Kronen kann lange symptomlos bleiben und ist im Frühstadium radiologisch oft kaum erkennbar.
Welche Röntgenaufnahmen werden eingesetzt?
Zahnärzte nutzen verschiedene Aufnahmetechniken, um Karies unter Kronen zu identifizieren:
- Bissflügelaufnahme (Bitewing): Gut für approximale Kariessuche und Kronenränder im Seitenzahnbereich. Liefert meist die beste Übersicht über Kronenrandkaries.
- Periapikale Aufnahme: Zeigt den kompletten Zahn bis zur Wurzelspitze, sinnvoll bei Verdacht auf tiefere Läsionen oder Wurzelbeteiligung.
- OPG (Panorama): Grobe Übersichtsaufnahme, weniger sensibel für kleine Ränder oder initiale Karies.
- CBCT: Dreidimensionale Darstellung; kann helfen, ist aber oft durch Metallartefakte (bei Metallkronen) gestört und verursacht höhere Strahlenexposition. Nicht routinemäßig zur Kariesdiagnostik unter Kronen empfohlen.
Wie sieht Karies unter der Krone im Röntgenbild aus?
Karies erscheint röntgenologisch als röntgenaufhellende (radiolucente) Zone im Zahnsubstanzbereich. Unter Kronen ist sie allerdings nur dann eindeutig zu sehen, wenn
- die Läsion groß genug ist, um durch das Kronenmaterial sichtbar zu werden, oder
- die Karies über den Kronenrand hinaus in den Bereich des freiliegenden Zahnes reicht, sodass ein konventionelles Röntgenbild sie erfasst.
Bei komplett röntgendichten Kronen (vollmetallische Kronen, stark opake Verblendungen) können frühere Läsionen verborgen bleiben. Viele Quellen betonen, dass Sekundärkaries oft erst im fortgeschrittenen Stadium auf dem Röntgenbild ersichtlich wird (proDente, Zahnnotizen).
Limitierungen und Artefakte
- Metallische Kronen erzeugen Artefakte, die Befunde überlagern und falsch negative Ergebnisse zur Folge haben können.
- Feinste Grenzdefekte oder initiale Demineralisierungen sind radiologisch oft nicht detektierbar.
- Röntgenbilder zeigen keine mikrobiologische Aktivität — sie liefern nur Strukturinformation.
Ergänzende klinische Untersuchungen
Weil das Röntgenbild allein nicht verlässlich ist, kombiniert der Behandler es mit anderen Methoden:
- Inspektion mit Lupen/OP-Mikroskop: Aufdecken von Randspalten, Verfärbungen oder Materialdefekten.
- Parodontalsondierung: Sondierungstiefen am Kronenrand können auf Undichtigkeiten oder Randdefekte hinweisen.
- Thermische und elektrische Vitalitätstests: Zur Abklärung, ob der Nerv betroffen ist.
- Transillumination/Dye: Sichtbarmachung von Rissen oder kariösen Bereichen.
- Probebohrung / Aufbohren der Krone: In unklaren Fällen wird die Krone entfernt oder aufgebohrt, um den Zahn direkt zu beurteilen — oft die sicherste Methode.
Behandlungsoptionen
Die Therapie hängt vom Ausmaß der Schädigung ab:
- Kleine Kronenrandläsionen: Entfernen der kariösen Substanz und erneute Adaptation oder Ersatz der Krone/Neuanfertigung.
- Tiefer gehende Karies: Falls das Dentin stark betroffen ist, kann eine aufwendige Rekonstruktion (Stiftaufbau, neue Krone) oder eine Wurzelkanalbehandlung notwendig werden, wenn der Nerv irreversibel geschädigt ist.
- Ausgeprägte Zerstörung: Manchmal ist der Zahn so stark geschädigt, dass eine Extraktion und prothetischer Ersatz (Implantat, Brücke) die beste Option ist.
Vorbeugung
- Regelmäßige Kontrollen (inkl. Röntgen nach Empfehlung des Zahnarztes).
- Optimale Mundhygiene: gründliches Reinigen der Kronenränder, Interdentalbürsten, Zahnseide oder Superfloss.
- Fluoridierung und professionelle Zahnreinigung zur Reduktion von Kariesrisiko.
- Prüfung der Kronenpassung bei Einsetzen: enge Randadaptation reduziert Sekundärkaries.
Fazit
Karies unter Kronen ist ein häufiges und oft unterschätztes Problem. Das Röntgenbild liefert wichtige Hinweise, hat aber klare Grenzen — besonders bei röntgendichten Kronen. Eine verlässliche Diagnose entsteht durch Kombination aus Röntgendiagnostik, klinischer Untersuchung und gegebenenfalls dem Entfernen oder Aufbohren der Krone. Bei Unsicherheit sollte der Zahnärztin/der Zahnarzt den Zahn sorgfältig kontrollieren und die passende Therapie (Erneuerung der Krone, endodontische Behandlung oder andere Maßnahmen) empfehlen.
Weiterführende Informationen: Sekundärkaries: Das unbekannte Risiko unter der Krone, Röntgen - proDente, Röntgenbefund und Diagnostik (Fachliteratur).