CBCT verstehen: 3D-Zahn- und Kieferdiagnostik — Anwendungen, Risiken und Kosten
CBCT (Cone Beam Computed Tomography) hat die Diagnostik in Zahnmedizin, Kieferchirurgie und HNO revolutioniert. In diesem Artikel erfahren Sie verständlich, wie CBCT funktioniert, wann es sinnvoll ist, welche Vor‑ und Nachteile es hat und worauf Sie bei Kosten und Sicherheit achten sollten.
Die Cone-Beam-Computertomographie (CBCT, auch DVT) erzeugt hochauflösende 3‑D‑Bilder von Kopf-, Hals- und Kieferbereichen und liefert deutlich mehr Informationen als klassische 2‑D‑Röntgenaufnahmen. Dank kurzer Aufnahmezeit und fokussierter Strahlenführung ist sie insbesondere in der Zahnmedizin, Oral‑ und Kieferchirurgie sowie in einigen orthopädischen und HNO-Anwendungen unverzichtbar.
Wie funktioniert CBCT?
Bei der CBCT rotiert ein kegel- oder kegelförmiger Röntgenstrahl um den Patienten und erfasst ein Volumen (im Gegensatz zur schichtweisen Aufnahme bei konventionellen CTs). Aus einem einzigen Rotationsdurchlauf wird ein 3‑D‑Volumen rekonstruiert, das multiplanare Schnitte, 3‑D‑Modelle und Messungen in hoher Auflösung ermöglicht.
Technische Merkmale
- Kegelstrahl (cone beam) statt fächerförmigem Strahl
- Volumetrische Aufnahme in einer Rotation
- Hohe räumliche Auflösung (speziell für Knochenstrukturen)
- Kurze Untersuchungszeit (Sekunden bis wenige Minuten)
CBCT vs. konventionelles CT: Was ist der Unterschied?
Beide Verfahren liefern 3‑D‑Bilder, unterscheiden sich aber in Aufbau, Auflösung und Strahlenverhalten:
- Auflösung: CBCT bietet oft bessere Detailauflösung für kleine Knochenstrukturen wie Zahnwurzeln.
- Strahlendosis: In vielen Fällen ist die Dosis der CBCT geringer als bei Mehrschicht-CTs, abhängig vom Scanprotokoll.
- Weichteildarstellung: Konventionelles CT ist überlegen bei der Darstellung von Weichteilen und inneren Organen.
- Kosten & Verfügbarkeit: CBCT-Geräte sind speziell für dental-orale Anwendungen optimiert und häufig in Zahnarztpraxen vorhanden.
Weiterführende Informationen finden Sie bei Wikipedia und bei Herstellern wie GE Healthcare.
Wofür wird CBCT eingesetzt?
Die wichtigsten Einsatzgebiete sind:
- Zahnmedizin: Implantatplanung, Endodontie (Wurzelkanäle), Parodontologie, komplizierte Extraktionen
- Kieferchirurgie: Beurteilung von Frakturen, Lagebeziehungen von Zähnen und Nerven
- Orthodontie: Analyse von Zahnstellung und Kieferrelationen
- HNO: Diagnostik der Nasennebenhöhlen, Sinus‑Chirurgie
- Orthopädie (begrenzte Anwendungen): Extremitäten mit Bedarf an hochauflösender Knochenbildgebung
Vorbereitung und Ablauf einer CBCT-Untersuchung
- Aufklärung: Ziel der Untersuchung und mögliche Risiken werden erläutert.
- Positionierung: Patient sitzt oder steht; Kopf wird fixiert, Metall (Schmuck, Brillen) entfernt.
- Aufnahme: Gerät rotiert — Aufnahmezeit meist 5–40 Sekunden je nach Volumen und Gerät.
- Datenrekonstruktion: Software erstellt multiplanare Schnitte und 3‑D‑Modelle.
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzfrei und schnell.
Strahlenbelastung & Sicherheit
CBCT hat eine niedrigere oder vergleichbare Strahlendosis gegenüber konventionellen CTs, variiert aber stark nach Volumengröße (FOV), Auflösung und Gerät. Moderne Geräte ermöglichen dosiseffiziente Protokolle. Dennoch gilt der ALARA‑Grundsatz (as low as reasonably achievable): CBCT nur bei begründetem diagnostischem Nutzen einsetzen.
Schutzmaßnahmen
- Nur notwendige Region scannen (FOV begrenzen)
- Kinder möglichst vermeiden oder spezielle Kinderprotokolle wählen
- Schutzkleidung wie Schilddrüsenschutz bei Bedarf
Vorteile und Nachteile
Wichtige Vorteile:
- Detaillierte 3‑D‑Darstellung kleinster Knochenstrukturen
- Präzise Messungen für Implantat- und Operationsplanung
- Kurzzeitige, oft kostengünstigere Untersuchung im Vergleich zum CT
Häufige Nachteile:
- Begrenzte Weichteildarstellung
- Reststrahlenexposition — Abwägung notwendig
- Artefakte bei metallischen Füllungen/Implantaten
Kosten, Erstattung und Dauer
CBCT-Scans kosten in Deutschland je nach Praxis, Region und Umfang in der Regel zwischen etwa 80 und 300 Euro. Bei medizinischer Indikation (z. B. komplexe Weisheitszahnentfernung, Implantatplanung) kann eine teilweise Übernahme durch die Krankenkasse oder Zusatzversicherung möglich sein — immer vorher mit der Praxis und dem Versicherer klären.
Wann ist CBCT nicht sinnvoll?
- Für Routineröntgen ohne komplexe Fragestellung
- Bei Patienten, bei denen Strahlenexposition unbedingt minimiert werden muss und alternative bildgebende Verfahren ausreichen (z. B. Ultraschall für Weichteile)
Tipps zur Wahl der Praxis / des Anbieters
- Achten Sie auf Erfahrung mit dentaler 3‑D‑Diagnostik und die Verwendung moderner Geräte.
- Fragen Sie nach dem verwendeten FOV und dem geschätzten Dosiswert.
- Bestehen Sie auf eine verständliche Befundbesprechung; fordern Sie digitale Bilder (DICOM) an, falls eine Zweitmeinung nötig ist.
Ausblick: KI, Fusion und digitale Workflows
Die Kombination von CBCT-Daten mit Intraoral-Scans, CAD/CAM‑Planung und KI-gestützter Analyse verbessert präoperative Planungen und chirurgische Guides. Zukünftige Entwicklungen zielen auf niedrigere Dosen, bessere Weichteilkontraste und automatisierte Befundung ab.
Fazit
CBCT ist ein leistungsfähiges, mittlerweile weit verbreitetes bildgebendes Verfahren, das besonders in der Zahn‑ und Kieferdiagnostik klare Vorteile bietet. Entscheidender Faktor bleibt die indikationsgerechte Anwendung unter Berücksichtigung von Strahlenschutz, Kosten und klinischem Nutzen. Bei Unklarheiten lohnt sich immer eine Beratung durch die behandelnde Praxis oder eine Zweitmeinung.