Wenn die Erkältung auf die Zähne schlägt: Ursachen, schnelle Hilfe und wann zum Arzt
Zahnschmerzen während einer Erkältung sind unangenehm und verunsichernd. In diesem Ratgeber erkläre ich, warum Husten, Schnupfen und Sinusitis Schmerzen im Kiefer oder an den oberen Backenzähnen auslösen können, wie Sie schnell Linderung finden und wann eine zahnärztliche oder HNO-Abklärung nötig ist.
Woran liegt es, dass Zähne bei einer Erkältung schmerzen?
„Zahnschmerzen von Erkältung“ sind häufig keine direkte Zahnerkrankung, sondern meist Folge einer Entzündung oder einer Druckveränderung in den Nasennebenhöhlen (Sinusitis). Besonders die oberen Backenzähne (Mahlzähne und Prämolaren) haben ihren Zahnhalteapparat dicht unterhalb der Kieferhöhle. Eine entzündete oder verstopfte Kieferhöhle kann daher Schmerzen in diesen Zähnen als "referred pain" verursachen.
Hauptursachen im Überblick
- Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung): Druck und Entzündung der Kieferhöhle reizen die Nerven, die auch Zähne versorgen.
- Erhöhter Druck beim Niesen/Husten: Verstärkte Druckschwankungen können empfindliche Zähne triggern.
- Zähneknirschen (Bruxismus): Stress und schlechter Schlaf bei Erkältung können zu vermehrtem Knirschen führen und Zahnschmerzen auslösen.
- Schon vorhandene Zahnprobleme: Karies, Risse im Zahn oder eine beginnende Wurzelentzündung können durch die Erkältungssymptome wahrnehmbarer werden.
- Allergische Schwellung: Allergien oder virale Reaktionen können Schleimhäute anschwellen lassen und Druck auf Nerven ausüben.
Typische Symptome — wie Sie unterscheiden, ob es die Nebenhöhlen sind
- Dumpfer drückender Schmerz in den oberen Backenzähnen, oft beidseitig oder wechselnd
- Verschlechterung bei Vorbeugen oder Druck auf die Wangen
- Begleiterscheinungen wie verstopfte Nase, gelblicher Nasenausfluss, Fieber oder Gesichtsdruck
- Keine punktuelle Empfindlichkeit auf heißen oder kalten Reize (wie bei freiliegendem Dentin) — stattdessen eher ein allgemeines Druckgefühl
Sofortmaßnahmen zu Hause (erste Hilfe)
Bei mäßigen Schmerzen können folgende Maßnahmen schnell Erleichterung bringen:
- Schmerzlindernde Medikamente: Paracetamol oder Ibuprofen entsprechend Packungsangabe (bei Unklarheiten Rücksprache mit Arzt).
- Dampf-Inhalation: Mehrmals täglich 5–10 Minuten (Vorsicht bei Kleinkindern).
- Nasensprays/Dekongestiva: Kurzfristig verstopfte Nase entlasten (nicht länger als empfohlen nutzen).
- Warme Kompressen: Auf die betroffenen Wangen auflegen, um den Druck zu lindern.
- Salzwasser spülen: Gurgeln oder Spülen kann lokale Reizungen reduzieren.
- Flüssigkeitszufuhr, Ruhe und Schlaf: Unterstützt das Immunsystem.
Was der Zahnarzt oder HNO untersucht
Wenn die Schmerzen trotz Hausmitteln anhalten oder stärker werden, sind Untersuchungen sinnvoll:
- Zahnarzt: Blickdiagnose, Klopftest (Perkussion), Vitalitätstests, Röntgenaufnahme (Opg, ggf. periapikales Röntgen) zur Abklärung von Karies oder Abszessen.
- HNO-Arzt: Endoskopische Untersuchung der Nasen- und Nebenhöhlen, ggf. Bildgebung (z. B. CT/CBCT) zur Darstellung einer Sinusitis.
Wann sind Antibiotika oder andere Medikamente nötig?
Antibiotika helfen nur, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt — z. B. bakterielle Sinusitis oder dentale Abszesse. Virale Erkältungen sprechen nicht auf Antibiotika an. Ihr Hausarzt oder HNO-Arzt entscheidet nach Symptomen, Dauer und Befund. Kortison nasal oder systemisch kann bei starker Schwellung der Schleimhaut helfen, wenn vom Arzt verordnet.
Unterscheidung: Zahninfektion vs. Sinusitis
Manchmal ist es schwierig zu unterscheiden. Hinweise, die für eine echte Zahnursache sprechen:
- Lokalisierbarer, stechender Schmerz an einem Zahn (z. B. bei Kälte oder beim Beißen)
- Schwellung über dem Zahn, Eiter oder Fistel
- Nachweisliche Karies oder defekte Füllungen
Spricht die Behandlung der Nebenhöhlen nicht auf die Beschwerden an oder besteht ein lokaler Zahnbefund, ist eine zahnärztliche Behandlung (z. B. Wurzelbehandlung oder Abszessbehandlung) nötig.
Prävention: So reduzieren Sie das Risiko zukünftiger Schmerzen
- Regelmäßige Zahnarztkontrollen: Frühzeitige Erkennung von Karies und Rissen.
- Gute Mundhygiene und Fluoridprodukte.
- Behandlung von Bruxismus (Aufbiss-Schiene bei Zähneknirschen).
- Bei wiederkehrender Sinusitis HNO-Abklärung und ggf. Allergietests.
- Rauchen vermeiden und Luftfeuchtigkeit zuhause erhöhen — trockene Schleimhäute sind anfälliger.
Wann sofort zum Arzt oder Zahnarzt?
- starke, anhaltende Schmerzen trotz Schmerzmitteln
- sichtbare Schwellung im Gesicht oder im Mund
- Fieber über 38,5 °C oder Ausbreitung der Schwellung
- Eiter, Fistelbildung oder Zahnlockerung
- Schmerzen länger als eine Woche nach Abklingen der Erkältung
Weiterführende Informationen und Quellen
Verlässliche Informationen zu Sinusitis und zahnmedizinischen Zusammenhängen finden Sie z. B. bei der AOK: Zahnschmerzen bei Erkältung: AOK, oder in zahnärztlichen Ratgebern. Bei Unsicherheit sprechen Sie mit Ihrem Haus-, HNO-Arzt oder Zahnarzt.
Fazit
Zahnschmerzen im Rahmen einer Erkältung sind oft durch eine Beteiligung der Nasennebenhöhlen bedingt und lassen sich mit konservativen Maßnahmen gut lindern. Bleiben die Beschwerden bestehen, sprechen auf Behandlung nicht an oder zeigen sich klare Zahnsymptome, ist eine fachärztliche Abklärung wichtig — nur so lässt sich eine zugrundeliegende Zahn- oder Sinus-Erkrankung sicher behandeln.
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