TENS und Kiefer: Wie elektrische Stimulation Kieferschmerzen lindern kann
TENS ist eine schonende Methode, die bei Kieferschmerzen und CMD-Erkrankungen zur Muskelentspannung eingesetzt wird. Dieser Artikel erklärt, wie TENS am Kiefer wirkt, wann es sinnvoll ist, welche Ergebnisse zu erwarten sind und worauf Sie bei Anwendung und Elektrodenplatzierung achten sollten.
Was ist TENS und wie wirkt es am Kiefer?
TENS steht für transkutane elektrische Nervenstimulation. Bei der TENS-Therapie werden über Elektroden kurze, schwache elektrische Impulse durch die Haut geleitet. Diese Impulse beeinflussen die Schmerzweiterleitung und können muskuläre Verspannungen reduzieren. Im Bereich des Kiefers wird TENS häufig eingesetzt, um überanstrengte Kaumuskeln zu entspannen, Schmerzen bei Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) zu lindern und die neuromuskuläre Balance wiederherzustellen.
Wann hilft TENS am Kiefer?
TENS kann angezeigt sein bei:
- Kieferschmerzen durch Verspannungen der Kaumuskulatur
- CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) mit Muskelhypertone oder -schmerzen
- Zähneknirschen (Bruxismus) in Kombination mit anderen Therapien
- Vorbereitung zur myozentrischen Bissregistrierung (bei manchen kieferorthopädischen/behandlungsplanenden Verfahren)
Wichtig: TENS behandelt Symptome (Schmerz, Spannung) — die ursächliche Diagnostik bei anhaltenden Beschwerden sollte durch Zahnärzt*innen oder eine spezialisierte CMD-Praxis erfolgen.
Wie läuft eine TENS-Behandlung für den Kiefer ab?
- Anamnese und Untersuchung: Ärztin/Zahnärztin oder Physiotherapeut prüft, ob TENS geeignet ist.
- Elektrodenplatzierung: Meist werden Elektroden auf den M. masseter, M. temporalis oder in der Nacken-/Kieferregion positioniert (genaue Punkte je nach Befund).
- Einstellung des Geräts: Frequenz, Intensität und Dauer werden individuell gewählt. Bei Kieferschmerzen sind häufig niedrige bis mittlere Frequenzen üblich.
- Behandlungsdauer: 20–40 Minuten pro Sitzung sind typisch; mehrere Sitzungen können sinnvoll sein.
- Nachsorge: Kombination mit Physiotherapie, Entspannungsübungen oder Schienentherapie verbessert oft die Ergebnisse.
Elektrodenplatzierung: Worauf kommt es an?
Die richtige Platzierung der Elektroden ist entscheidend. Häufige Anordnungen sind:
- Über dem M. masseter (seitlich am Unterkiefer) — häufig zwei Elektroden pro Seite.
- Über dem M. temporalis (seitlich oberhalb der Schläfe) — zur Entspannung der Schläfenmuskulatur.
- Gerade Anordnung entlang der Nacken- oder Trapezmuskulatur, wenn dort Spannung die Kiefersymptomatik mitbeeinflusst.
Nutzen Sie die Herstelleranleitungen oder lassen Sie sich die Platzierung vom Behandler zeigen. Falsch positionierte Elektroden reduzieren die Wirksamkeit oder können unangenehm sein.
Effektivität und wissenschaftliche Lage
Studien zeigen, dass TENS kurzzeitig Schmerzen lindern und Muskelspannung reduzieren kann. Bei CMD ist die Evidenz gemischt: Manche Arbeiten berichten über spürbare Entspannung und erleichterte Bissregistrierung durch neuromuskuläre Relaxation, andere sehen nur begrenzte Langzeiteffekte. TENS ist deshalb oft Teil eines multimodalen Behandlungsplans (z. B. Physiotherapie, Aufbiss-Schiene, Verhaltenstherapie).
Für vertiefende Literaturrecherche siehe PubMed: Publikationen zu TENS und temporomandibulären Beschwerden.
Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
TENS gilt allgemein als sicher, Nebenwirkungen sind selten und meist gering (Hautreizungen an den Elektrodenstellen, kurzzeitiges Kribbeln). Wichtige Kontraindikationen:
- Patienten mit Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator (Gefahr von Interferenzen)
- Schwangerschaft (insbesondere nicht am Bauch/unterem Rücken; konsultieren Sie die behandelnde Ärztin)
- Offene Wunden, Hautinfektionen an den Klebestellen
- Epilepsie (bei bestimmten Parametereinstellungen Vorsicht geboten)
Bei Unsicherheit vorher ärztliche Abklärung einholen.
TENS zu Hause oder nur in der Praxis?
Es gibt freiverkäufliche TENS-Geräte für den Heimgebrauch. Für Kieferspezifische Anwendungen empfiehlt sich jedoch die Erstbehandlung und Elektrodenanweisung durch Fachpersonal (Zahnarzt/Physiotherapeut). Ein strukturiertes Therapieprogramm mit dokumentierten Parametern (Frequenz, Intensität, Dauer) und regelmäßiger Kontrolle führt meist zu besseren Ergebnissen als alleinige Selbstanwendung.
Praktische Tipps für Anwender
- Haut vor dem Aufkleben reinigen und bei Bedarf Haare entfernen, damit die Elektroden haften.
- Mit niedriger Intensität beginnen und langsam steigern, bis ein angenehmes Kribbeln spürbar ist, aber kein Schmerz.
- Elektroden regelmäßig wechseln bzw. Klebe-Eigenschaft prüfen, um Hautirritationen zu vermeiden.
- Kombinieren Sie TENS mit Entspannungsübungen, Wärmeanwendungen und ggf. Physiotherapie.
Wann zum Arzt oder Spezialisten?
Suchen Sie fachliche Abklärung bei:
- Anhaltenden oder zunehmenden Kieferschmerzen
- Einschränkungen der Kieferöffnung (Sperre)
- neu auftretenden neurologischen Symptomen (Taubheit, Lähmungszeichen)
- wenn TENS keine Besserung bringt oder die Beschwerden wiederkehren
Weiterführende Quellen und Links
- Kiefergelenkserkrankungen und Therapien (Dr. Gehrke)
- Praktische Hinweise zur Elektrodenanlage (BiteBlog)
- Wissenschaftliche Studien (PubMed)
Fazit
TENS kann ein hilfreiches, nebenwirkungsarmes Instrument zur kurzfristigen Linderung von Kieferschmerzen und zur Entspannung überaktiver Kaumuskulatur sein. Besonders wirksam ist es, wenn TENS als Teil eines umfassenderen Therapieplans bei CMD angewendet wird. Lassen Sie sich vor der Anwendung beraten und die Elektrodenplatzierung zeigen — so erzielen Sie die besten Ergebnisse.
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