Warum tut der Oberkiefer weh bei Erkältung? Ursachen, Behandlung und wann zum Arzt
Zahnschmerzen im Oberkiefer während einer Erkältung sind häufig und beunruhigen viele Menschen: Steckt ein Zahn dahinter oder ist es die Nebenhöhlenentzündung? Dieser Artikel erklärt, warum der Oberkiefer schmerzt, was hilft und wann Sie zum Zahnarzt oder HNO-Arzt sollten.
Warum treten Zahnschmerzen im Oberkiefer bei einer Erkältung auf?
Bei Erkältungen schwellen Schleimhäute der Nase und der Nasennebenhöhlen (vor allem der Kieferhöhle = Sinus maxillaris) an. Die Kieferhöhle liegt direkt über den Wurzeln der oberen Backenzähne. Druck, Entzündung oder Sekretansammlungen in der Kieferhöhle reizen Nervenfasern oder drücken auf die Zahnwurzeln — das führt zu ziehenden, dumpfen oder pulsierenden Schmerzen im Oberkiefer, die sich wie echte Zahnschmerzen anfühlen können.
Wichtige Mechanismen kurz erklärt
- Räumliche Nähe: Wurzelspitzen der oberen Backenzähne können sehr nahe an der Kieferhöhle liegen.
- Nervliche Verbindung: Beide Regionen werden vom zweiten Ast des Trigeminusnervs (N. maxillaris/V2) versorgt — Schmerz kann fehlinterpretiert werden (referred pain).
- Druck und Entzündung: Schleimansammlung oder Druck in der Kieferhöhle überträgt sich auf die Zähne.
Typische Symptome: Wie unterscheidet sich sinusbedingter Schmerz von echtem Zahnschmerz?
- Sinusbedingter Schmerz: meist dumpf, drückend, verstärkt bei Vorbeugen oder beim Druck auf die Wange; oft mehrere oberere Zähne gleichzeitig betroffen.
- Zahnursache (odontogen): stärker lokalisierbar, scharfer, pochender Schmerz an einem einzelnen Zahn; Schmerz bei Druck (Beißen) oder Empfindlichkeit gegenüber Kälte/Hitze.
- Begleiterscheinungen bei Erkältung/Sinusitis: verstopfte Nase, gelb-grüner Nasenausfluss, Fieber, Kopfschmerzen, Druckgefühl im Gesicht.
Was können Sie selbst tun? Erste Hilfe bei Zahnschmerzen durch Erkältung
Bei milden Beschwerden helfen meist konservative Maßnahmen, um Druck und Entzündung zu reduzieren:
- Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen nach Packungsangabe (bei Zweifeln Rücksprache mit Arzt).
- Nasenspülungen mit isotonischer Kochsalzlösung zur Schleimlösung und Druckentlastung.
- Inhalation mit heißem Wasserdampf oder warme Kompressen auf die betroffene Wange.
- Abschwellende Nasensprays (kurzfristig, z. B. 3–5 Tage) können die Belüftung der Nasennebenhöhlen verbessern — nicht dauerhaft verwenden.
- Viel trinken, Ruhe und ggf. abschwellende Maßnahmen wie orale Dekongestiva (bei Bedarf und sofern keine Kontraindikationen vorliegen).
Wann ist ein Arztbesuch oder Zahnarztbesuch notwendig?
In vielen Fällen bessern sich sinusbedingte Zahnschmerzen nach einigen Tagen. Sie sollten jedoch einen Arzt oder Zahnarzt aufsuchen, wenn eines der folgenden Kriterien zutrifft:
- starke, anhaltende Schmerzen, die nicht auf einfache Schmerzmittel ansprechen;
- einzelner Zahn ist sehr schmerzhaft, reagiert auf Kälte/Hitze oder auf Druck (beißen);
- sichtbare Schwellung im Gesicht oder im Mund, Eiter, Fieber oder Allgemeinzustandsverschlechterung;
- Symptome dauern länger als 10–14 Tage oder verschlechtern sich nach zunächst kurzer Besserung.
Was macht der Hausarzt/HNO-Arzt?
- Untersuchung der Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen; ggf. Kortison-Nasenspray zur Abschwellung und Entzündungsreduktion.
- Nasenspülungen, Inhalationen und gegebenenfalls kurzzeitige abschwellende Nasensprays.
- Antibiotika nur bei Verdacht auf bakterielle Sinusitis (z. B. anhaltend eitriger Ausfluss, hohes Fieber, schwere Verschlechterung) — nicht routinemäßig bei jeder Erkältung.
- Bei wiederkehrenden oder komplizierten Fällen Überweisung zum HNO, evtl. Bildgebung (Röntgen, CT) zur Abklärung.
Was macht der Zahnarzt?
Wenn ein Zahn die Ursache ist oder nicht ausgeschlossen werden kann, prüft der Zahnarzt:
- klinische Untersuchung (Perkussion, Kältetest, Mobilität),
- Röntgenaufnahmen (Periapikalaufnahme, OPG) — bei unsicherer Situation ggf. CBCT zur Darstellung der Wurzelspitzen und Kieferhöhle,
- Behandlung einer möglichen Wurzelentzündung (Wurzelkanalbehandlung) oder bei zerstörtem Zahn Extraktion.
- Bei odontogener Sinusitis (Zahninfektion hat in die Kieferhöhle geführt) arbeiten Zahnarzt und HNO oft zusammen.
Welche Komplikationen sind möglich?
- Unbehandelte Zahnwurzelentzündungen können zu Abszessen oder zu einer odontogenen Sinusitis führen.
- Ausgedehnte, unbehandelte Infektionen können schmerzhaft sein und in seltenen Fällen zu schwerwiegenderen Entzündungen führen — daher zeitnahe Abklärung wichtig.
Vorbeugung: Was reduziert das Risiko?
- Regelmäßige Zahnarztkontrollen und frühzeitige Behandlung von Karies oder Rissen,
- bei Erkältung Nasenspülungen und frühzeitige Behandlung von Nasennebenhöhlenbeschwerden,
- gute Husten- und Nieshygiene sowie ausreichend Flüssigkeitszufuhr,
- Impfungen (z. B. gegen Grippe) können schwere Atemwegsinfekte seltener machen.
Kurz zusammengefasst — was Sie jetzt tun sollten
- Bei leichten, diffusem Oberkieferschmerz: konservative Maßnahmen (Nasenspülung, Inhalation, Schmerzmittel) ausprobieren und beobachten.
- Bei starkem, punktuellem Zahnschmerz, Schwellung, Eiter oder anhaltenden Beschwerden: zeitnah Zahnarzt aufsuchen.
- Bei ausgeprägten Nasennebenhöhlen-Beschwerden, hohem Fieber oder Sehstörungen: HNO-Arzt oder Hausarzt kontaktieren.
Bei Unsicherheit: lieber einmal früher abklären lassen. Eine klare Diagnose (sinusbedingt vs. dental) schützt vor unnötigen Behandlungen und verhindert Komplikationen. Wenn Sie möchten, kann ich noch eine kurze Checkliste für Ihr Telefonat mit dem Arzt oder Zahnarzt erstellen.
Weiterführende Informationen (allgemein): AOK: Zahnschmerzen bei Erkältung
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