Zahn schmerzt beim Draufbeißen: Ursachen, schnelle Hilfe und Behandlungsmöglichkeiten
Plötzlich schmerzt ein Zahn beim Draufbeißen — stechend, pulsierend oder nur bei Kontakt. Das ist nicht nur unangenehm, es kann ein Zeichen für verschiedene Zahnerkrankungen sein. Dieser Ratgeber erklärt die häufigsten Ursachen, was Sie sofort tun können und wann Sie dringend zum Zahnarzt sollten.
Warum tut ein Zahn beim Draufbeißen weh?
Wenn ein Zahn beim Draufbeißen schmerzt, ist meist der Zahnnerv, das Zahnfleisch oder die umliegenden Strukturen betroffen. Häufige Ursachen sind:
- Karies: Tiefe Löcher können den Zahnnerv reizen oder freilegen.
- Pulpitis (Zahnnerventzündung): Entzündet sich der Nerv, reagieren Zähne stark auf Druck und Temperatur.
- Zahnfraktur oder Mikroriss: Ein Riss kann nur bei Belastung schmerzen.
- Defekte Füllung oder Krone: Fehlende oder schadhafte Restaurationen führen zu Druckempfindlichkeit.
- Periapikale Entzündung / Abszess: Eine Entzündung an der Wurzelspitze verursacht oft heftigen Druckschmerz und Schwellung.
- Parodontitis oder Zahnbettentzündung: Zahnfleisch und Haltefasern reagieren auf Druck.
- Überempfindlichkeit: Freiliegende Zahnhälse können bei Druck oder beim Kauen schmerzen.
- Trauma / Prellung: Ein Schlag oder harter Biss (z. B. Kirschkern) kann den Zahn prellieren.
- Probleme mit wurzelbehandelten Zähnen: Eine erneute Entzündung der Wurzelspitze kann Druckschmerz verursachen.
Wie erkennt der Zahnarzt die Ursache?
Beim Termin prüft der Zahnarzt die Beschwerden genau: Lage des schmerzenden Zahns, Schmerzqualität (stechend, pochend), Auslöser und Begleitsymptome (Schwellung, Fieber). Übliche Untersuchungen:
- Visuelle Kontrolle und Abtasten
- Perkussionstest (leichtes Klopfen)
- Temperaturtests (kalt/warm)
- Röntgenaufnahmen (z. B. OPG oder Zahnfilme) zur Darstellung von Karies, Frakturen oder apikalen Entzündungen
- Vitalitätstest des Zahnnervs
Weiterführende Diagnostik stellt die exakte Ursache fest und leitet die passende Therapie ein.
Sofortmaßnahmen bei Schmerz beim Draufbeißen
Bis zum Zahnarztbesuch helfen diese Maßnahmen, die Schmerzen zu lindern und eine Verschlechterung zu vermeiden:
- Vermeiden Sie harte, klebrige oder sehr heiße/kalte Speisen auf der betroffenen Seite.
- Spülen mit warmem Salzwasser (1 Teelöffel Salz auf 200 ml warmes Wasser) – beruhigt das Zahnfleisch und reduziert Bakterien.
- Äußere Kühlung (nicht direkt auf den Zahn) bei Schwellung: Kühlpack 10–15 Minuten, dann Pause.
- Schmerzmittel: Bei stärkeren Schmerzen können Ibuprofen oder Paracetamol gemäß Packungsangabe helfen. Bei Unsicherheit Rücksprache mit Arzt/Apotheker.
- Keine eigenen Reparaturen: Verwenden Sie keine scharfen Gegenstände oder Klebstoffe aus dem Internet – das kann alles verschlimmern.
- Bei eitriger Schwellung, Atem- oder Schluckbeschwerden sofort Notaufnahme aufsuchen.
Welche Behandlungen sind möglich?
Die Therapie hängt von der Ursache ab:
- Karies: Entfernen der kariösen Substanz und neue Füllung oder Inlay.
- Pulpitis: Bei reversibler Pulpitis reicht oft eine Füllung; bei irreversibler Pulpitis ist eine Wurzelbehandlung nötig.
- Zahnfraktur: Kleine Risse können mit Füllungen oder Schienungen versorgt werden; tiefe Frakturen erfordern oft Krone oder Extraktion.
- Defekte Füllung/Krone: Austausch oder Reparatur der Restauration.
- Abszess: Behandlung der Infektion (Wurzelbehandlung, Inzision/Drainage) und ggf. Antibiotika.
- Parodontaltherapie: Reinigung der Zahnfleischtaschen und gegebenenfalls chirurgische Maßnahmen.
- Wurzelbehandelte Zähne: Revision der Behandlung oder Wurzelspitzenresektion bei persistierender Entzündung.
Wann sollten Sie sofort zum Zahnarzt?
Suchen Sie umgehend professionelle Hilfe, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
- Starke, anhaltende Schmerzen, die nicht auf Schmerzmittel reagieren
- Schwellung im Gesicht oder im Mundraum
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl
- Eiterbildung oder Mundgeruch
- Probleme beim Atmen oder Schlucken
Vorbeugung: So reduzieren Sie das Risiko für Druckschmerz
- Regelmäßige Zahnarztkontrollen (mind. einmal jährlich)
- Gründliche Mundhygiene: zweimal täglich Zähneputzen, tägliche Interdentalreinigung (Zahnseide/Interdentalbürsten)
- Fluoridreiche Zahnpflege und bei Bedarf Fluoridbehandlungen
- Zucker- und säurearme Ernährung
- Bei Knirschen: Aufbissschiene zur Entlastung
- Schutz bei Sport: Mundschutz verwenden
Häufige Fragen (FAQ)
Kann ein Zahn schmerzt beim Draufbeißen von Stress kommen?
Indirekt ja: Stress kann zu Zähneknirschen (Bruxismus) führen, wodurch Zahnhaltefasern und Füllungen überlastet werden und Druckschmerz entstehen kann.
Muss immer eine Wurzelbehandlung gemacht werden?
Nein. Nur wenn der Nerv irreversibel geschädigt ist, ist eine Wurzelbehandlung nötig. Bei frühen Stadien oder oberflächlicher Karies reichen oft restaurative Maßnahmen.
Ist es gefährlich, Schmerzen zu ignorieren?
Ja. Unbehandelte Ursachen (z. B. Karies, Abszess) können sich ausbreiten, zu Zahnverlust oder systemischen Infekten führen. Eine frühzeitige Untersuchung verhindert Komplikationen.
Weiterführende Informationen
Vertiefende Informationen zu Ursachen und Therapien finden Sie z. B. bei der DAK: Pulpitis vorbeugen und behandeln (DAK) oder in Praxisinformationen wie bei Fair Doctors und Casa Dentalis.
Fazit
Wenn ein Zahn beim Draufbeißen schmerzt, steckt häufig eine behandelbare Ursache dahinter. Kurzfristige Selbsthilfemaßnahmen können Linderung bringen, ersetzen aber nicht die zahnärztliche Abklärung. Je früher die Ursache festgestellt wird, desto besser die Chancen auf eine einfache und dauerhafte Lösung.
Haben Sie starke oder länger andauernde Beschwerden? Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin bei Ihrem Zahnarzt – schnelle Hilfe schützt vor Folgeschäden.
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