Wie lange dauern Zahnschmerzen bei Erkältung? Ursachen, Dauer und was hilft
Zahnschmerzen während einer Erkältung sind unangenehm und verunsichern viele: Ist es nur die Erkältung – oder steckt ein Zahnproblem dahinter? Dieser Ratgeber erklärt, wie lange die Schmerzen typischerweise dauern, welche Ursachen dahinterstecken und wann Sie zum Arzt oder Zahnarzt sollten.
Wie lange dauern Zahnschmerzen bei Erkältung?
Zahnschmerzen im Verlauf einer Erkältung sind häufig keine „echten“ Zahnprobleme, sondern sogenannte übertragene oder referierte Schmerzen – oft verursacht durch eine Entzündung oder Verstopfung der Kiefer- bzw. Nebenhöhlen (Sinusitis). Typische Dauerangaben:
- Bei einfacher Erkältung (virale Infektion): die Schmerzen klingen in der Regel innerhalb von wenigen Tagen bis etwa 7–10 Tagen ab, parallel zur Abnahme der Nasenverstopfung.
- Bei akuter Kieferhöhlenentzündung (Sinusitis maxillaris): kann der Schmerz 1–3 Wochen andauern; in manchen Fällen bessern sich die Symptome erst nach mehreren Wochen.
- Bei chronischer Sinusitis: können Beschwerden über Wochen bis Monate bestehen (Definition: >12 Wochen).
Wichtig: Halten die Zahnschmerzen länger als 10–14 Tage an, verschlimmern sie sich nach einigen Tagen deutlich oder treten zusätzliche Warnzeichen auf (starke Gesichtsschmerzen, Schwellung, Fieber), sollte ärztliche Abklärung erfolgen.
Warum tut der Zahn bei einer Erkältung weh?
Hauptgründe sind:
- Referred pain (übertragener Schmerz): Die Nervenversorgung von Oberkieferzähnen und Kieferhöhle ist eng verbunden. Druck oder Entzündung in der Kieferhöhle kann als Zahnschmerz wahrgenommen werden.
- Druck durch verstopfte Nebenhöhlen: Schleimansammlungen und Schwellung der Schleimhaut erhöhen den Druck in der Kieferhöhle und reizen Zahnnerven.
- Tieferer Infekt oder eitrige Sinusitis: Wenn Bakterien beteiligt sind, kann der Druck stärker und länger anhaltend sein.
- Bestehende Zahnprobleme: Eine bestehende Karies, Zahnwurzelentzündung oder defekte Füllung kann durch Erkältungssymptome zusätzlich schmerzempfindlich werden – dann handelt es sich um zwei Probleme gleichzeitig.
Typischer Verlauf: Tag für Tag
Ein typischer Verlauf könnte so aussehen:
- Tag 1–3: Erkältung beginnt, Nasenverstopfung/Schleimaufbau; erstes Ziehen im Oberkiefer.
- Tag 3–7: Druck und Schmerzen können zunehmen, besonders beim Vorbeugen oder bei stark verstopfter Nase.
- Tag 7–10: Bei viraler Erkältung oft deutliche Besserung und damit Rückgang der Zahnschmerzen.
- >10 Tage: Anhaltende oder zunehmende Schmerzen können Hinweis auf eine ausgeprägtere Sinusitis oder eine bakterielle Zweitinfektion sein – ärztlich abklären lassen.
Was hilft kurzfristig gegen die Zahnschmerzen?
Maßnahmen zur Linderung, die meist schnell wirken:
- Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen nach Packungsanleitung (bei Unsicherheit Rücksprache mit Arzt/Apotheker).
- Nasalspülungen: Kochsalzlösungen (Nasenspülungen oder Sprays) reduzieren Schleim und Druck in den Nebenhöhlen.
- Inhalation/Steam: Inhalieren mit heißem Wasserdampf löst Sekret und kann Druck mindern.
- Wärme: Warme Kompressen auf die betroffene Wangenpartie legen.
- Abschwellende Nasensprays: Kurzfristig (max. 3–5 Tage) sinnvoll; längere Anwendung kann zu einer Verschlechterung führen.
- Viel trinken & Ruhe: Unterstützt die Genesung der Schleimhäute.
Wann ist ein Arzt oder Zahnarzt nötig?
Suchen Sie ärztliche Hilfe, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
- Die Schmerzen dauern länger als 10–14 Tage ohne Besserung.
- Starke, einseitige Gesichtsschmerzen oder eine sichtbare Schwellung im Wangen- bzw. Zahnfleischbereich.
- Fieber über 38,5 °C oder allgemeine Verschlechterung des Allgemeinzustandes.
- Deutliche Rötung/Schwellung am Zahnfleisch um einen bestimmten Zahn (Hinweis auf Zahnabszess).
- Neu auftretende Einschränkungen wie Sichtstörungen oder Schwellung, die das Auge betrifft (Notfall!).
Allgemein kann zunächst der Hausarzt oder HNO-Arzt die Nebenhöhlen beurteilen; bei eindeutig lokalem Zahnproblem ist der Zahnarzt der richtige Ansprechpartner.
Wann werden Antibiotika empfohlen?
Antibiotika sind bei unkomplizierten viralen Erkältungen nicht sinnvoll. Bei Verdacht auf eine bakterielle Sinusitis (z. B. anhaltende oder sich verschlimmernde Symptome nach 10 Tagen, hoher Fieber, eitriger Ausfluss, stark einseitige Schmerzen) kann eine ärztliche Untersuchung erfolgen; nur dann sind Antibiotika gerechtfertigt. Ebenso benötigt ein Zahnabszess in der Regel zahnärztliche Behandlung (Wurzelbehandlung oder Inzision) und ggf. Antibiotika.
Vorbeugen: Was reduziert das Risiko für Erkältungs-Zahnweh?
- Regelmäßige Nasenspülungen bei Neigung zu Schnupfen und Sinusitis.
- Gute Mundhygiene und regelmäßige Zahnarztkontrollen, damit kein verdecktes Zahnproblem akut wird.
- Frühzeitiges Behandeln von wiederkehrenden Sinusitis-Beschwerden (HNO-Abklärung).
- Vermeidung von Reizstoffen (Rauchen, starke Duftstoffe), die Schleimhäute zusätzlich reizen.
Kurze FAQ
Kann Erkältungsschmerz auch an einem einzelnen Zahn auftreten?
Ja, das kann passieren, besonders wenn der Druck punktuell auf die Wurzeln eines bestimmten Zahns wirkt. Hält der einzelne Zahnschmerz nach Abklingen der Erkältung an, sollte ein Zahnarzt prüfen, ob eine Zahnerkrankung vorliegt.
Wie lange ist eine Sinusitis normalerweise?
Eine akute Sinusitis dauert meist bis zu 2–3 Wochen; chronische Verläufe bestehen länger als 12 Wochen.
Wo finde ich verlässliche Infos?
Sie können sich beispielsweise bei Ihrer Krankenkasse informieren (z. B. AOK: AOK-Ratgeber) oder bei medizinischen Fachseiten wie dem NHS (NHS – Sinusitis).
Fazit
Zahnschmerzen bei Erkältung sind meist Folge von verstopften oder entzündeten Nebenhöhlen und klingen in vielen Fällen innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen ab, wenn die Erkältung zurückgeht. Bei anhaltenden, einseitigen oder sehr starken Schmerzen, sichtbarer Schwellung oder Fieber sollten Sie zeitnah ärztliche beziehungsweise zahnärztliche Hilfe suchen. Kurzfristige Selbsthilfemaßnahmen (Schmerzmittel, Nasenspülung, Wärme) lindern oft die Beschwerden bis zur vollständigen Genesung.
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