Paracetamol oder Ibuprofen bei Zahnschmerzen: Welches Schmerzmittel ist die bessere Wahl?
Zahnschmerzen sind quälend — und oft die Frage: Paracetamol oder Ibuprofen? Dieser Artikel erklärt Wirkweise, Vor- und Nachteile, richtige Dosierung, Kombination und wann Sie unbedingt zum Zahnarzt oder Arzt müssen.
Kurzüberblick: Bei akuten Zahnschmerzen kommen zwei häufig genutzte Schmerzmittel infrage: Paracetamol (schmerzlindernd, fiebersenkend) und Ibuprofen (schmerzlindernd, entzündungshemmend). Welche Option sinnvoller ist, hängt von Ursache und Begleiterkrankungen ab. Im Folgenden finden Sie eine praxisnahe Entscheidungshilfe, Dosierungsinfos, Vorsichtsmaßnahmen und Erste‑Hilfe‑Tipps.
Wie wirken Paracetamol und Ibuprofen?
Paracetamol reduziert Schmerzen und Fieber, wirkt jedoch kaum entzündungshemmend. Es ist bei vielen Menschen gut verträglich, allerdings leberschädlich bei Überdosierung und in Kombination mit Alkohol riskant.
Ibuprofen gehört zu den nicht‑steroidalen Antirheumatika (NSAR). Es lindert Schmerzen und hemmt Entzündungen — deshalb ist es bei entzündungsbedingten Zahnschmerzen (z. B. bei Zahnwurzelentzündung, Abszess) oft wirksamer.
Wann ist welches Mittel sinnvoll?
- Verdacht auf Entzündung (z. B. pochender Schmerz, Schwellung, Rötung): Ibuprofen ist meist die erste Wahl, weil es zusätzlich entzündungshemmend wirkt.
- Bei Fieber oder bei Menschen mit Magenproblemen/Blutungsneigung: Paracetamol kann besser verträglich sein.
- Bei bekannten Allergien oder Unverträglichkeit gegen NSAR, Asthma-Anfälligkeit nach NSAR: Paracetamol ist oft die Alternative.
- Bei Lebererkrankungen oder regelmäßiger starker Alkoholkonsum: Ibuprofen ist oft vorzuziehen — aber immer ärztlich abklären.
Dosierungsempfehlungen (Erwachsene)
- Paracetamol: 500–1.000 mg alle 4–6 Stunden. Maximaldosis: üblicherweise 3.000 mg/Tag (achten Sie auf Packungsangaben und weitere Präparate mit Paracetamol).
- Ibuprofen (OTC): 200–400 mg alle 4–6 Stunden. Häufig empfohlene OTC‑Maximaldosis: 1.200 mg/Tag. Unter ärztlicher Aufsicht sind höhere Dosen möglich.
Wichtig: Nie die Maximaldosen überschreiten und die Angaben auf der Packungsbeilage beachten.
Kombination oder Wechsel von Paracetamol und Ibuprofen
Für starke Zahnschmerzen gibt es evidenzbasierte Ansätze, die Paracetamol und Ibuprofen zu kombinieren oder abwechselnd einzunehmen. Das kann kurzfristig zu besserer Schmerzkontrolle führen. Beispiele:
- Paracetamol 1.000 mg + Ibuprofen 400 mg gleichzeitig (einmalig) — kurzfristig wirksamer als eins der Präparate allein.
- Alternierende Einnahme (z. B. alle 3 Stunden ein Präparat im Wechsel), um häufigere Schmerzfreiheit zu erreichen, aber unbedingt die Gesamtmaximaldosen beachten und einen Einnahmeplan notieren, damit es nicht zur Überdosierung kommt.
Hinweis: Solche Schemata sollten nur kurzfristig und nach Rücksprache mit Apotheker/Arzt angewendet werden.
Wer sollte vorsichtig sein oder verzichten?
- Bei Magen‑ oder Geschwürsbeschwerden, Blutungsneigung, gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern (z. B. Marcumar/Phenprocoumon, DOAKs): Vorsicht mit Ibuprofen — Rücksprache mit Arzt/Apotheker erforderlich.
- Bei Asthma, das durch NSAR verschlechtert wird: Ibuprofen kann Probleme auslösen.
- Bei Lebererkrankungen oder regelmäßigem Alkoholmissbrauch: Paracetamol nur nach ärztlicher Empfehlung.
- In der Schwangerschaft: Paracetamol gilt in empfohlenen Dosen als bevorzugte Option. NSAR (wie Ibuprofen) sollten insbesondere im 3. Trimester vermieden werden; vor Anwendung Rücksprache mit Gynäkologe halten.
- Bei Kindern: Dosierung nach Körpergewicht und Altersangaben der Packung oder nach ärztlicher Empfehlung. Keine Eigenmedikation ohne Rücksprache bei Unsicherheit.
Erste Hilfe bei akuten Zahnschmerzen — was hilft sofort?
- Reinigen Sie die betroffene Stelle vorsichtig (Zahnseide, Mundspülung mit lauwarmer Salzwasserlösung).
- Kalter Umschlag außen auf die Wange bei Schwellung (nicht direkt auf Haut legen).
- Vermeiden Sie heiße Speisen/Getränke und Kauen auf der betroffenen Seite.
- Schmerzmittel nach Packungsanweisung; wenn unklar, fragen Sie Apotheker/in.
- Keinesfalls Aspirin (ASS) direkt auf den Zahn legen — das kann Gewebe schädigen.
Wann zum Zahnarzt oder in die Notaufnahme?
Suchen Sie umgehend medizinische Hilfe, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
- Starke Schwellung im Gesicht oder Hals (Atem‑/Schluckbeschwerden möglich)
- Fieber und zunehmende Rötung oder Ausbreitung der Schwellung
- Starker, nicht kontrollierbarer Schmerz trotz Schmerzmittel
- Anhaltender Eiterausfluss (Abszess)
Weiterführende Quellen
- Patienten‑Info zu Zahnschmerzen: ratiopharm — https://www.ratiopharm.de/ratgeber/schmerzen/zahnschmerzen.html
- Übersicht zu Schmerzmitteln bei Zahnschmerzen: Deutsche Apotheker Zeitung — https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2021/01/06/bei-zahnschmerzen-immer-ibuprofen-co
- Praxisnahe Erste‑Hilfe‑Tipps: Zahnärzte und Apotheken (z. B. Zahnarzt‑Praxisseiten)
Fazit
Ob Paracetamol oder Ibuprofen bei Zahnschmerzen besser ist, hängt von Schmerzursache und Ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte ab. Bei entzündlichen Schmerzen ist Ibuprofen oft wirksamer, bei Patienten mit Magenproblemen oder NSAR‑Unverträglichkeit kann Paracetamol die bessere Wahl sein. Bei Unsicherheit sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt, Hausarzt oder Apotheker — und vereinbaren Sie zeitnah einen Termin beim Zahnarzt, denn Schmerzmittel beseitigen die Ursache nicht.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Fragen zur Wechselwirkung mit anderen Medikamenten oder bestehenden Erkrankungen konsultieren Sie bitte Ihre Ärztin/Ihren Arzt oder Apotheker.
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