Ibuprofen gegen Zahnschmerzen: Wann es hilft, wie viel sicher ist und wann Sie zum Zahnarzt müssen
Akute Zahnschmerzen können lähmend sein — Ibuprofen ist eine der meistgenutzten Sofortmaßnahmen. Dieser Artikel erklärt, wie Ibuprofen bei Zahnschmerzen wirkt, welche Dosis sinnvoll und sicher ist, wann es nicht ausreicht und welche Risiken und Alternativen Sie kennen sollten.
Zahnschmerzen zählen zu den unangenehmsten Schmerzen: pochend, stechend, mit Ausstrahlung in Kopf oder Kiefer. Häufig greifen Betroffene zuerst zu Schmerztabletten — an der Spitze steht dabei Ibuprofen. Doch was kann das Mittel wirklich leisten? Und wann ist ein Besuch beim Zahnarzt dringend nötig? Dieser Artikel fasst evidenzbasierte Informationen, Dosierempfehlungen und Warnhinweise zusammen.
Wie wirkt Ibuprofen bei Zahnschmerzen?
Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Es hemmt Enzyme (COX-1 und COX-2), die für die Produktion von Prostaglandinen verantwortlich sind. Prostaglandine verstärken Schmerzen und Entzündungen — ihre Hemmung führt zu schmerzlindernder (analgetischer) und entzündungshemmender (antiphlogistischer) Wirkung. Dadurch ist Ibuprofen bei entzündungsbedingten Zahnschmerzen (z. B. nach Extraktion, bei Pulpitis oder Zahnfleischentzündungen) besonders wirksam.
Welche Dosis ist bei Zahnschmerzen angemessen?
- Erwachsene: Typische Einzeldosis zur Selbstmedikation sind 200–400 mg alle 4–6 Stunden nach Bedarf. Viele Zahnärzte empfehlen bei akuten Zahnschmerzen 400 mg als Einzeldosis.
- Maximaldosis ohne ärztliche Anweisung: In Deutschland wird häufig ein Maximum von 1.200 mg/Tag (OTC-Bereich) genannt; unter ärztlicher Aufsicht sind bis zu 2.400 mg/Tag möglich. Folgen Sie immer dem Beipackzettel oder ärztlichen Empfehlungen.
- Kinder: Dosierung gewichtsabhängig — üblicherweise 5–10 mg/kg Körpergewicht pro Dosis (max. ca. 30 mg/kg/Tag). Arzneiformen und Dosierung für Kinder genau nach Packungsangabe oder Kinderarzt verwenden.
Wichtig: Nehmen Sie nicht verschiedene Arzneimittel mit Ibuprofen gleichzeitig ein. Kombinationsprodukte beachten.
Wie schnell wirkt Ibuprofen und wie lange hält die Wirkung?
Orales Ibuprofen beginnt meist nach 20–30 Minuten zu wirken, die volle Schmerzlinderung kann nach 1–2 Stunden erreicht sein. Die Wirkungsdauer beträgt in der Regel 4–8 Stunden, abhängig von Dosis und Präparat.
Ibuprofen vs. Paracetamol — welches Schmerzmittel ist besser?
Beide Substanzen haben Vor- und Nachteile:
- Ibuprofen: stärkere entzündungshemmende Wirkung, daher oft besser bei Zahnschmerzen mit Entzündung.
- Paracetamol: gut wirksam bei Schmerzen, weniger belastend für den Magen, aber kaum entzündungshemmend.
Bei starken Schmerzen kann eine Kombination aus Ibuprofen und Paracetamol (zeitlich versetzt oder nach ärztlicher Empfehlung) besonders effektiv sein. Vorsicht bei Wechselwirkungen und Höchstdosen — sprechen Sie mit Ihrer Apotheke oder Ärztin/Ihrem Arzt.
Wann hilft Ibuprofen nicht (oder nicht mehr)?
- Bei tiefen eitrigen Zahnabszessen, ausgeprägter Schwellung oder Fieber ist alleinige Schmerztherapie oft unzureichend — eine zahnärztliche Behandlung und evtl. Antibiotika sind notwendig.
- Bei Nervenschmerzen (neuropathisch) oder Zahnschmerzen durch Frakturen hilft Ibuprofen möglicherweise nicht ausreichend.
- Wenn nach angemessener Dosis keine Besserung eintritt oder die Schmerzen innerhalb von 24–48 Stunden zunehmen, suchen Sie einen Zahnarzt auf.
Risiken, Nebenwirkungen und Kontraindikationen
Ibuprofen ist bei kurzzeitiger Anwendung meist gut verträglich, kann aber Nebenwirkungen haben:
- Magen-Darm-Beschwerden bis hin zu Magengeschwüren und Blutungen (erhöhtes Risiko bei höherer Dosis, längerer Einnahme oder gleichzeitiger Einnahme von Blutverdünnern/SSRI).
- Beeinträchtigung der Nierenfunktion, besonders bei Dehydratation oder bestehenden Nierenerkrankungen.
- Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei langfristig hohen Dosen (Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall).
- Atemwegsreaktionen/Allergien bei NSAID-empfindlichen Asthmatikern.
Kontraindiziert oder mit Vorsicht zu verwenden bei Magengeschwüren, schwerer Herzinsuffizienz, schwerer Niereninsuffizienz, bekannten Überempfindlichkeiten gegen NSAR und im dritten Schwangerschaftsdrittel. Informieren Sie Ihren Arzt über andere Medikamente (Antikoagulantien, ACE-Hemmer, Diuretika, Methotrexat, Lithium u. a.).
Praktische Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen Zahnschmerzen
- Ibuprofen nach Packungsangabe zur Schmerzlinderung (wenn keine Gegenanzeichen bestehen).
- Kaltes Wickel-/Eispack (nicht direkt auf Haut) gegen Schwellung und Schmerz.
- Salzwasser-Spülungen (lauwarm) zur Reinigung und Entspannung des Gewebes.
- Vermeiden Sie stark heiße oder kalte Speisen, nicht auf der schmerzenden Seite kauen.
- Bei lokalem Schmerz können kortikale Produkte (z. B. mit Benzocain) kurzfristig helfen — beachten Sie die Hinweise besonders bei Kindern.
- Homöopathische oder pflanzliche Hausmittel (Nelkenöl/Eugenol) können kurzzeitig lindern, ersetzen aber keine zahnärztliche Behandlung.
Wann müssen Sie sofort zum Zahnarzt oder Notdienst?
- Ausgeprägte Schwellung von Gesicht/Hals, Atem- oder Schluckbeschwerden (mögliche Ausbreitung der Entzündung).
- Hohes Fieber oder stark zunehmende Schmerzen trotz Schmerzmittel.
- Verdacht auf Fraktur, starker Blutung oder Zahnverlust.
Fazit
Ibuprofen gegen Zahnschmerzen ist oft eine wirksame Erste-Hilfe-Maßnahme, insbesondere wenn Entzündung im Spiel ist. Achten Sie auf die richtige Dosis, die maximale Tagesmenge und mögliche Gegenanzeigen. Wirkt das Mittel nicht ausreichend oder treten begleitende Warnzeichen (Schwellung, Fieber, Atemprobleme) auf, ist eine zahnärztliche Untersuchung unbedingt erforderlich. Bei Unsicherheit fragen Sie Ihre Apotheke oder Ihre Ärztin/Ihren Arzt.
Weiterführende Informationen: Deutsche Apotheker-Zeitung (Überblick zu NSAR) und Apotheken Umschau (Infos zu Ibuprofen und Dosierung).
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