Wenn die Erkältung in den Zahn zieht: Ursachen, Behandlung und schnelle Hilfe bei Zahnschmerzen
Zahnschmerzen während einer Erkältung sind unangenehm und können verunsichern: Liegt der Schmerz am Zahn selbst oder ist es die Nebenhöhlenentzündung? Dieser Ratgeber erklärt, warum erkältung und zahnschmerzen zusammenhängen, wie man sie unterscheidet und was sofort hilft.
Viele Menschen erleben: Mit Schnupfen oder einer Erkältung kommen plötzlich auch Schmerzen im Oberkiefer oder hinter den Backenzähnen auf. Die Verbindung zwischen Erkältung und Zahnschmerzen ist häufig gut erklärbar – aber nicht immer harmlos. Im folgenden Artikel lesen Sie, welche Ursachen infrage kommen, wie Sie Schmerzen lindern können und wann Sie zum Haus- oder Zahnarzt müssen.
Warum entstehen Zahnschmerzen bei einer Erkältung?
Die wichtigsten Ursachen im Überblick:
- Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Vor allem die Kieferhöhlen (Sinus maxillaris) liegen nahe an den Wurzeln der oberen Backenzähne. Entzündliche Schwellungen oder Druck in den Nebenhöhlen reizen die Zahnnerven – das führt zu ziehenden oder pochenden Schmerzen im Oberkiefer.
- Erhöhter Druck und Flüssigkeitsansammlungen: Bei einer Erkältung staut sich Schleim, wodurch sich Druck auf Nerven und Zahnwurzeln auswirken kann.
- Referred pain / Übertragener Schmerz: Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum oder Ohr können Schmerzen so „weiterleiten“, dass es im Zahnbereich weh tut, obwohl die Ursache außerhalb des Zahns liegt.
- Bestehende Zahnprobleme werden spürbar: Karies, entzündetes Zahnfleisch oder eine apikale Entzündung (Eiter an der Zahnwurzel) können durch Erkältungssymptome deutlicher werden.
- Muskuläre Verspannungen: Fieber, Husten oder veränderte Schlafpositionen können das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur belasten und so Zahnschmerzen verursachen.
Typische Symptome: So unterscheiden Sie die Ursachen
Ein paar Hinweise helfen, zu unterscheiden, ob der Zahn selbst betroffen ist oder die Erkältung der Auslöser:
- Sinusbedingte Schmerzen: meist dumpf, drückend, verschlimmern sich beim Vorbeugen oder bei plötzlichem Druckwechsel (z. B. beim Fliegen). Oft begleitet von verstopfter Nase, dickem gelb-grünlichem Nasensekret und Druckgefühl im Gesicht.
- Zahnbedingte Schmerzen: scharfer, punktueller Schmerz beim Kauen oder bei Kontakt mit Süßem/Heiß/Kalt; oft lokalisierbar zu einem Zahn, manchmal mit Schwellung des Zahnfleischs oder Eiterbildung.
- Muskulär/Stressbedingt: ziehende Schmerzen, oft beidseitig, häufig verbunden mit nächtlichem Zähneknirschen (Bruxismus) oder Kieferschmerzen.
Sofortmaßnahmen zu Hause
Bei leichten bis mäßigen Beschwerden helfen oft konservative Maßnahmen:
- Nasenspülungen: Kochsalzlösungen (physiologische Spülungen) reduzieren Schleim und Druck in den Nebenhöhlen. Mehrere Spülungen täglich erleichtern die Belüftung der Kieferhöhlen.
- Inhalation: Dampfinhalationen mit heißem Wasser (vorsichtig) oder ätherischen Ölen wie Eukalyptus können Schleim lösen.
- Wärme und Kühlung: Bei drückenden Schmerzen wirkt oft warme Kompresse auf der Wange, bei punktuellen Zahnweh kann kurzfristig Kühlung schmerzlindernd sein.
- Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen lindern Schmerz und Entzündung. Beachten Sie die Packungsbeilage und ärztliche Kontraindikationen. Bei Unsicherheit fragen Sie Ihre Apotheke oder den Arzt.
- Schonung und Flüssigkeitszufuhr: Viel Trinken und Ruhe unterstützen die Heilung der Erkältung und damit indirekt die Besserung der Zahnschmerzen.
Wann sollten Sie ärztliche Hilfe suchen?
Suchen Sie zügig einen Arzt oder Zahnarzt auf, wenn eines der folgenden Anzeichen vorliegt:
- Starke, anhaltende Schmerzen trotz Schmerzmitteln
- Lokale Schwellung im Gesicht oder im Mundbereich (möglicher Abszess)
- Fieber über 38,5 °C oder allgemeiner schwerer Krankheitszustand
- Taubheitsgefühle, Sehstörungen oder schnelles Verschlimmern – dann Notaufnahme
- Wenn die Schmerzen nach Abklingen der Erkältung nicht verschwinden: zahnärztliche Abklärung erforderlich
Diagnose: Wie klärt der Arzt die Ursache?
Hausarzt oder HNO-Arzt prüfen meist zuerst auf Sinusitis (Anamnese, Inspektion, evtl. Nasenspiegelung). Der Zahnarzt untersucht Zähne, testet auf Druck- und Temperatursensibilität und macht ggf. Röntgenaufnahmen. In unklaren Fällen sind CT-Aufnahmen der Nasennebenhöhlen oder eine Überweisung an einen Spezialisten sinnvoll.
Behandlungsoptionen
- Sinusitis-bedingt: Behandlung richtet sich nach Ursache (viral vs. bakteriell). Nasenspülungen, abschwellende Nasentropfen (kurzfristig), Schmerzmittel und bei bakterieller Superinfektion ggf. Antibiotika nach ärztlicher Diagnose.
- Zahnärztliche Ursachen: Füllung, Wurzelbehandlung, Parodontitis-Therapie oder in schweren Fällen Entfernung des betroffenen Zahns.
- Bei Abszessen: Inzision/Drainage und häufig Antibiotika notwendig.
Vorbeugen: Was hilft, damit Erkältung nicht in Zahnschmerzen endet?
- Gute Mundhygiene (regelmäßiges Zähneputzen, Zahnseide) reduziert das Risiko, dass bestehende Zahnprobleme sich bei Erkältungen verschlimmern.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen, um Karies oder Parodontitis früh zu erkennen.
- Bei wiederkehrender Nebenhöhlenproblematik HNO-ärztliche Abklärung (z. B. chronische Sinusitis).
- Auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und nasale Hygiene während Erkältungen achten.
Häufige Fragen (FAQ)
Wird der Zahnschmerz automatisch besser, wenn die Erkältung weg ist?
Oft ja – speziell bei sinusbedingten Schmerzen bessert sich das Gefühl, sobald die Nebenhöhlen wieder frei sind. Dauerhafte Schmerzen sollten aber zahnärztlich abgeklärt werden.
Können Antibiotika gegen Zahnschmerzen bei Erkältung helfen?
Nur wenn eine bakterielle Infektion vorliegt (z. B. Abszess oder bakterielle Sinusitis). Die Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Ist Ibuprofen besser als Paracetamol?
Beide wirken schmerzlindernd; Ibuprofen hat zusätzlich entzündungshemmende Effekte. Wählen Sie nach Verträglichkeit und Kontraindikationen – ärztlicher Rat ist sinnvoll bei Vorerkrankungen.
Weiterführende Links
Fazit: Die Verbindung von Erkältung und Zahnschmerzen ist häufig, meist gut behandelbar und oft vorübergehend. Achten Sie auf Begleitsymptome, nutzen Sie einfache Hausmittel zur Linderung und suchen Sie bei anhaltenden oder starken Beschwerden einen Arzt oder Zahnarzt auf.
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