Gewinn Zahnarztpraxis steigern: Realistische Kennzahlen, Berechnung und 10 wirkungsvolle Hebel
Wie viel Gewinn ist bei einer Zahnarztpraxis möglich — und wie messen, erklären und verbessern Sie ihn systematisch? Dieser Praxis-Guide erklärt Kennzahlen, eine einfache Beispielrechnung und konkrete Maßnahmen, mit denen Sie die Wirtschaftlichkeit Ihrer Praxis erhöhen können.
Der Begriff "Gewinn Zahnarztpraxis" ist Ziel vieler Praxisinhaber: Er beschreibt, was nach allen Kosten, Rücklagen und Steuern tatsächlich als Ertrag übrigbleibt. Für eine strategische Praxisführung reicht es nicht, nur den Kontostand zu beobachten. Entscheidend sind Kennzahlen, Benchmarks und ein Plan mit priorisierten Hebeln. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Gewinn berechnen, typische Kostenstrukturen einordnen und welche konkreten Maßnahmen den Gewinn kurzfristig und langfristig steigern.
Wichtige Kennzahlen rund um den Gewinn
- Umsatz (Nettoerlöse): Alle Honorare aus Kassen- und Privatabrechnung.
- Rohertrag / Deckungsbeitrag: Umsatz minus variable Kosten (Material, Labor).
- Betriebsergebnis / Gewinn vor Steuern: Umsatz minus alle betrieblichen Aufwendungen (Personal, Miete, Abschreibungen usw.).
- Umsatzrendite (Gewinn / Umsatz): Prozentuale Kennzahl zur Vergleichbarkeit zwischen Praxen.
- Personalkostenquote, Materialquote, Mietquote: Anteile der einzelnen Kosten am Umsatz — zentral für Steuerung.
Benchmarks: Was ist realistisch?
Es gibt keine Einheitsgröße, aber orientierende Werte:
- Umsatzrendite: typischer Bereich ca. 10–30 % je nach Praxisform, Leistungsspektrum und Standort. Spitzengruppen erreichen deutlich höhere Werte. (Siehe z. B. Statistiken der KZBV und Fachpublikationen.)
- Personalkostenquote: häufig im Bereich 30–40 %.
- Material- und Laborkosten: zusammen häufig 10–20 % des Umsatzes.
- Miete: je nach Lage typ. 5–10 %.
Beispiele und Studien zeigen: Rund ein Viertel der Praxen erzielt einen Gewinn von über 200.000 € pro Jahr – das hängt aber stark von Praxisgröße, Spezialisierung und Effizienz ab.
Einfache Beispielrechnung (konkrete Zahlen)
Zur Veranschaulichung eine konservative Beispielrechnung:
- Umsatz: 800.000 €
- Personalkosten (35 %): 280.000 €
- Material & Labor (22,5 %): 180.000 €
- Miete (7 %): 56.000 €
- Sonstige Betriebskosten (15 %): 120.000 €
- Gesamtkosten: 636.000 €
- Gewinn vor Steuern: 164.000 € (Umsatzrendite ≈ 20,5 %)
Dieses Beispiel zeigt, wie sensibel der Gewinn auf Änderungen bei Personalkosten oder Materialquote reagiert. Kleine Optimierungen an mehreren Stellschrauben summieren sich schnell.
Warum Gewinn nicht gleich „Geld zum Ausgeben“ ist
Wichtig: "Gewinn" in der betriebswirtschaftlichen Auswertung ist nicht automatisch frei verfügbar. Steuern, Rücklagen für Investitionen (z. B. neues Röntgengerät), Tilgung von Krediten und private Entnahmen sind zu berücksichtigen. Unterscheiden Sie klar zwischen betrieblichem Ergebnis, Liquidität und persönlichem Entnahmebedarf.
10 konkrete Hebel, um den Gewinn zu steigern
- Leistungsmix prüfen: Analysieren Sie Umsatz und Deckungsbeitrag pro Leistung. Fokus auf höhermargige Leistungen (Implantologie, hochwertige Prothetik) kann den Deckungsbeitrag erhöhen.
- Termine und Auslastung optimieren: Mehr Auslastung ohne Überlastung erhöht Umsatz pro Stuhl. Standardisierte Terminplanung und Recall-Systeme helfen.
- Patientenkommunikation digitalisieren: Online-Terminbuchung, digitale Akquise und Recall via SMS/WhatsApp steigern die Effizienz.
- Personal effizient einsetzen: Aufgaben klar delegieren (zahnärztliche Assistenz, Prophylaxe), Fortbildung gezielt steuern, Einsatzzeiten analysieren.
- Material- und Laborkosten senken: Rahmenverträge, Mengenrabatte, präferierte Labore mit Qualitätspreis-Verhältnis.
- Preispolitik/GOZ-Strategie: Privatleistungen strukturieren, Preislisten überprüfen, höherwertige Optionen transparent anbieten.
- Wiederkehrende Umsätze steigern: Professionelle Prophylaxe-Programme, Recall-Systeme und Aftercare erhöhen Stammkundenwert.
- Kostenmanagement: Mietverträge prüfen, Energieeffizienz, Versicherungen regelmäßig vergleichen.
- Investitionen planen: Digitalisierung (PPS, digitales Röntgen) reduziert langfristig Fehlerkosten und erhöht Durchsatz.
- Externe Beratung nutzen: Steuerberater und Praxisberater mit Branchenerfahrung identifizieren Einsparpotenziale und Fördermöglichkeiten.
Monitoring: Welche KPIs monatlich prüfen?
- Umsatz je Behandler / Stuhl
- Umsatzrendite (monatl., kumuliert)
- Personalkostenquote
- Material- & Laborkostenquote
- Neupatienten, Ausfallquote, Recall-Quote
Praxisbeispiel: kleine Maßnahmen, große Wirkung
Eine Praxis mit 600.000 € Umsatz senkt Materialkosten durch Lieferantenkonsolidierung um 3 %-Punkte und erhöht Recall-Akzeptanz leicht. Ergebnis: +18.000 € mehr Umsatz und -18.000 € Materialkosten → Gewinnsteigerung kumulativ deutlich spürbar. Solche Maßnahmen sind meist kostengünstig und schnell umsetzbar.
Weiterlesen und Quellen
Für detaillierte Branchendaten und Benchmarks sind Veröffentlichungen der KZBV, Fachzeitschriften und betriebswirtschaftliche Praxisreports hilfreich. Relevante Artikel und Statistiken finden Sie z. B. hier:
- Was ist eine gute Umsatzrendite für meine Zahnarztpraxis? (ZWP)
- Was machen Zahnarztpraxen mit über 200.000€ Gewinn anders? (Praxis-Plus)
Fazit
Der Begriff "Gewinn Zahnarztpraxis" lässt sich durch klare Kennzahlen, regelmäßiges Monitoring und gezielte Maßnahmen steuerbar machen. Beginnen Sie mit einer soliden Kostenaufstellung, legen Sie realistische Zielwerte für Umsatzrendite und Kostenquoten fest und arbeiten Sie die priorisierten Hebel (Personaleinsatz, Leistungsmix, Digitalisierung) ab. Schon kleine, konsequent umgesetzte Maßnahmen erhöhen die Rentabilität nachhaltig.
Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen eine Muster-BWA-Analyse (auf Basis Ihrer Zahlen) und einen priorisierten Maßnahmenplan mit geschätztem Gewinn-Effekt.