Wie viel bleibt übrig? Realistische Zahlen zum Gehalt als selbstständiger Zahnarzt
Kurz, präzise, praxisnah: Dieser Artikel erklärt, wie sich das Einkommen eines selbstständigen Zahnarztes zusammensetzt, welche Zahlen realistisch sind und welche Kosten du bei der Planung berücksichtigen musst.
Viele Zahnärztinnen und Zahnärzte fragen sich: Wie hoch ist das tatsächliche Einkommen, wenn ich mich selbstständig mache? Die Antwort hängt weniger von pauschalen Gehaltslisten ab als von Praxisform, Standort, Kostenstruktur und persönlichem Leistungsniveau. Im Folgenden findest du nachvollziehbare Definitionen, aktuelle Zahlen, typische Spannen und konkrete Tipps, wie du dein zahnarzt selbstständig gehalt realistisch einschätzt und optimierst.
Was bedeutet „selbstständig“ in der Zahnmedizin?
Selbstständig heißt: du betreibst eine eigene Praxis (Einzelpraxis, Sozietät, MVZ-Beteiligung) oder bist Praxisinhaber mit angestellten Kolleg:innen. Du trägst unternehmerisches Risiko, beschäftigst Personal, steuerst Investitionen und rechnest mit Krankenkassen und Privatpatienten ab. Dein persönliches Gehalt ist dabei kein fixes Angestelltengehalt, sondern das, was nach allen Kosten (Personal, Miete, Material, Steuern, Tilgung) als Überschuss übrig bleibt.
Wichtige Begriffe: Bruttoeinnahmen, Praxisumsatz, Praxisüberschuss, persönliches Einkommen
- Bruttoeinnahmen / Praxisumsatz: Gesamteinnahmen der Praxis (Honorare, Privatleistungen), oft sehr hoch, aber nicht gleich mit persönlichem Verdienst. Beispielsweise berichtet die Branche von siebenstelligen Umsätzen pro Praxis.
- Praxisüberschuss / Gewinn: Einnahmen minus laufende Kosten (Laborkosten, Personal, Material, Miete). Dieser Wert ist die Basis für dein Gehalt vor Steuern.
- Persönliches Nettoeinkommen: Das, was du nach Steuern, Sozialabgaben und privaten Versicherungen tatsächlich aus der Praxis entnehmen kannst.
Aktuelle Zahlen und realistische Bandbreiten
Verschiedene Quellen liefern unterschiedliche Kennzahlen – wichtig ist die Unterscheidung zwischen Umsatz und persönlichem Einkommen:
- Laut der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) und Fachpublikationen lag der durchschnittliche Einnahmen-Überschuss niedergelassener Zahnärzte/innen in früheren Jahren im mittleren fünfstelligen Bereich pro Monat (jährlich oft im Bereich rund 140.000–180.000 € je nach Quelle). Siehe z. B. Berichte und Analysen auf den Seiten der KZBV und Fachmagazinen.
- Bruttoumsätze pro Praxis können deutlich höher sein (Berichte sprechen von mehreren hunderttausend bis über 700.000 € Umsatz pro Praxisjahreszeitraum). Diese Zahl ist aber nicht das persönliche Gehalt.
- Praktische Spannen: Als grobe Orientierung kann gelten: Solo-Neueinsteiger oft 40.000–100.000 € Nettojahreseinkommen in den ersten Jahren; etablierte Praxisinhaber meist 100.000–250.000 € netto pro Jahr; sehr große oder spezialisierte Praxen können darüber liegen.
Quellen mit Detailzahlen: KZBV-Statistiken, Branchenportale wie Dental & Wirtschaft (dental-wirtschaft.de), Future-Doctor (future-doctor.de) oder Medi-Karriere (medi-karriere.at).
Welche Kosten reduzieren dein Gehalt?
Dein zahnarzt selbstständig gehalt wird maßgeblich von folgenden Ausgaben beeinflusst:
- Personal: Mitarbeitergehälter und Sozialabgaben (größter Posten).
- Laborkosten und Materialaufwand (z. B. Prothetik, Füllungen).
- Miete/Immobilienkosten oder Kreditraten bei Praxisübernahme/-bau.
- Abschreibungen auf Investitionen (Behandlungseinheit, Röntgengeräte).
- Versicherungen (Berufshaftpflicht, Praxisversicherung), Beiträge an das Versorgungswerk oder private Vorsorge.
- Steuern: Einkommensteuer, ggf. Gewerbesteuer (bei Kapitalgesellschaften andere Regeln).
Regionale und praxisformabhängige Unterschiede
Standort und Patientenmix sind entscheidend:
- Großstadt vs. Land: In Großstädten oft höhere Umsätze, aber auch höhere Mieten und Personalkosten.
- Praxisform: MVZ-Beteiligung, angestellte Tätigkeit, Einzelpraxis oder Gemeinschaftspraxis verändern Risiko und Einnahmen.
- Patientenstruktur: Privatanteil erhöht oft die Ertragskraft.
Wie lässt sich das Einkommen strategisch steigern?
Maßnahmen, die das zahnarzt selbstständig gehalt verbessern können:
- Effizienz: Terminmanagement, digitale Abrechnung, reduzierte Leerzeiten.
- Leistungsportfolio erweitern: Implantologie, ästhetische Zahnmedizin, Kieferorthopädie (fortbildungen beachten).
- Praxismanagement: bessere Kostenkontrolle, Einkaufskonditionen, Laborverhandlungen.
- Mehr Privatleistungen und Prävention: höhere Wertschöpfung pro Behandlung.
- Team: qualifiziertes Personal entlastet dich und schafft Kapazität für ertragsstärkere Leistungen.
Steuern, Vorsorge und rechtliche Punkte
Als Selbstständiger triffst du Entscheidungen zu Rechtsform, Besteuerung und sozialer Absicherung. Oft genutzte Schritte:
- Frühzeitig Steuerberater einbinden – steuerliche Gestaltung (z. B. GmbH vs. Praxis-GbR) beeinflusst Nettoerlös.
- Versorgungswerk und private Krankenversicherung: Beiträge sind relevant für die Nettorechnung.
- Rücklagen bilden: für Investitionen, Urlaub und Liquiditätspuffer.
Praxisgründung: Welche Investitionen sind zu erwarten?
Die Gründung oder Übernahme einer Praxis erfordert Kapital: Untersuchungseinheit, Röntgen, Praxissoftware, Einrichtungs- und Renovierungskosten. Abhängig von Zustand und Standort können Startinvestitionen typischerweise von 100.000 € (Übernahme mit geringen Modernisierungen) bis zu mehreren hunderttausend Euro für Neugründungen oder aufwändige Modernisierungen reichen. Beratung zu Fördermitteln und Bankfinanzierung ist ratsam (siehe etwa Infos zu Praxisgründung auf accountable.de).
Fazit: Was kannst du realistischerweise erwarten?
Ein pauschales Gehalt für den selbstständigen Zahnarzt gibt es nicht. Aber orientierend lässt sich sagen: Wer die Praxis wirtschaftlich gut führt, kann deutlich mehr verdienen als als Angestellter — nach Abzug aller Kosten bleibt oftmals ein Jahresnetto zwischen rund 80.000 € und deutlich über 200.000 €, je nach Praxisgröße, Standort und Geschäftsführung. Wichtiger als eine einzelne Zahl ist: verstehe deine Kostenstruktur, plane konservativ bei Investitionen und hole dir frühzeitig Steuer- und betriebswirtschaftliche Beratung.
Weitere Informationen und Statistiken findest du bei der KZBV, Fachportalen wie Dental & Wirtschaft oder Praxisgründungs-Ratgebern (Future-Doctor, Accountable).
Wenn du möchtest, kann ich dir eine Beispiel-Kalkulation erstellen (Einnahmen, fixe und variable Kosten, Tilgung, erwartetes persönliches Gehalt) – gib dazu kurz Praxisgröße, Standort und geplanten Privatanteil an.
Weitere Beiträge
Wie viel Rente bekommen Zahnärzte wirklich? Ein klarer Blick auf die durchschnittliche Rente für Zahnärzte
vor 3 Wochen
Gewinn Zahnarztpraxis steigern: Realistische Kennzahlen, Berechnung und 10 wirkungsvolle Hebel
vor 2 Wochen