Externer Sinuslift: Effektiver Knochenaufbau im Oberkiefer – Ablauf, Vorteile & Risiken
Der externe Sinuslift ist eine bewährte Methode, um im seitlichen Oberkiefer ausreichend Knochen für Implantate zu schaffen. Dieser Artikel erklärt verständlich, wann ein externer Sinuslift nötig ist, wie der Eingriff abläuft, welche Materialien verwendet werden und worauf Patienten bei Planung und Heilung achten sollten.
Was ist ein externer Sinuslift?
Der externe Sinuslift (auch lateraler Sinuslift genannt) ist ein chirurgisches Verfahren in der oralchirurgischen Implantologie. Ziel ist es, die Kieferhöhle (Sinus maxillaris) anzuheben und den so geschaffenen Raum mit Knochen oder Knochenersatzmaterial zu füllen. Dadurch entsteht genug Knochenvolumen, um Zahnimplantate sicher zu verankern.
Wann ist ein externer Sinuslift angezeigt?
- Deutlicher Knochenrückgang im seitlichen Oberkiefer nach Zahnverlust
- Restknochenhöhe ist zu gering, um ein Implantat primär-stabil zu verankern (typischer Schwellenwert: unter ca. 4–5 mm)
- Wenn mit einem internen (crestalen) Sinuslift nicht genügend Knochen aufgebaut werden kann
Ihr Zahnarzt oder Implantologe entscheidet nach klinischer Untersuchung und 3‑D-Röntgen (DVT/CBCT), ob ein externer Sinuslift die geeignete Methode ist.
Ablauf: Schritt für Schritt
- Planung: Klinische Befundaufnahme, Röntgen (DVT) und digitale Planung der Implantatposition.
- Anästhesie: Lokalbetäubung oder auf Wunsch Sedierung/Narkose.
- Aufklappung: Schaffung eines kleinen lateralen Knochenfensters in der Kieferwand zur Darstellung der Schneider’schen Membran.
- Anheben der Membran: Die Membran, die die Kieferhöhle auskleidet, wird vorsichtig nach oben abgehoben.
- Augmentation: Einfüllen von Knochenmaterial (Eigenknochen, Xenograft, Allograft oder synthetische Substitute) oft kombiniert mit Membranen oder PRF.
- Verschluss: Wiederlagerung der Schleimhaut und Naht. Je nach Situation kann sofort ein Implantat gesetzt (simultane Implantation) oder der Bereich zuerst verheilen gelassen werden (staged procedure).
Materialien für den Knochenaufbau
- Eigenknochen: Goldstandard hinsichtlich Knochenneubildung, aber invasiver (Entnahmestelle erforderlich).
- Xeno‑ und Allografts: Knochenersatzmaterialien (z. B. boviner Knochen oder humaner Spenderknochen), oft gut verträglich.
- Alloplastische Substitute: Synthetische Materialien wie Hydroxylapatit oder andere keramische Blocksubstanzen.
- Membranen & PRF: Barrieremembranen und Eigenblutkonzentrate (PRF) verbessern Heilung und Integration.
Simultane vs. gestaffelte Implantation
Ob ein Implantat gleichzeitig mit dem Sinuslift gesetzt werden kann, hängt von der Restknochenhöhe und der primären Stabilität ab. Bei ausreichender Restknochenhöhe (in der Regel >4–5 mm) ist oft eine simultane Implantation möglich. Bei sehr geringer Resthöhe empfiehlt sich häufig ein zweizeitiges Vorgehen mit erstem Knochenaufbau und späterer Implantation.
Heilung und Nachsorge
- Wundheilung: Erste Nachkontrolle nach 7–14 Tagen, Nahtentfernung meist nach 7–14 Tagen.
- Heilungszeit bis zur Implantation oder Belastung: abhängig vom Material 4–9 Monate.
- Verhaltensempfehlungen: kein starkes Schnäuzen, keine Druckveränderungen (z. B. Flugreisen in den ersten 1–2 Wochen vermeiden), gute Mundhygiene, ggf. Antibiotikaprophylaxe und Schmerztherapie.
Erfolgsaussichten und Risiken
Der externe Sinuslift hat eine hohe Erfolgsrate, in erfahrenen Händen liegen die Implantatüberlebensraten oft über 90–95 %. Zu den möglichen Komplikationen gehören:
- Perforation der Schneider’schen Membran (häufigste Komplikation)
- Infektionen oder Sinusitis
- Schwellung, Bluterguss, kurzfristige Sensibilitätsstörungen
- Misserfolg der Augmentation (selten)
Bei Verletzung der Membran kann die Operation unterbrochen oder mit speziellen Techniken stabilisiert fortgesetzt werden. Eine sorgfältige Planung reduziert Risiken deutlich.
Kosten und Aufwand
Die Kosten variieren abhängig von Praxis, Umfang, Materialwahl und Region. In Deutschland liegen die Kosten für einen externen Sinuslift häufig im Bereich von ca. 1.000 bis 4.000 EUR (ohne Implantatversorgung). Viele Versicherungen decken nur Teile der Kosten; klären Sie vorab Kostenübernahme und beachten Sie zahnärztliche Heil- und Kostenpläne.
Alternativen zum externen Sinuslift
- Interner (crestaler) Sinuslift: weniger invasiv, geeignet bei geringem Augmentationsbedarf.
- Kortikale Augmentation/Onlay-Transplantationen: in speziellen Fällen sinnvoll.
- Kleine Implantate oder zahngetragener Ersatz (Brücke) als konservative Alternative.
FAQ – Häufige Fragen
Tut der externe Sinuslift sehr weh?
Während der Behandlung spüren Sie nichts dank Betäubung. In den ersten Tagen nach dem Eingriff sind Schwellungen und mäßige Schmerzen möglich, die gut mit Schmerzmitteln und Kühlung behandelbar sind.
Wie lange muss ich warten, bis die Krone kommt?
Je nach Aufbaumaterial und ob Implantation simultan erfolgte, dauert es meist 4–9 Monate bis zur belastbaren Implantatversorgung.
Ist die Behandlung sicher?
Ja — bei sorgfältiger Diagnostik (DVT), konservativer Operationsführung und Erfahrung des Operateurs ist der Eingriff sehr sicher.
Fazit
Der externe Sinuslift ist eine etablierte und effektive Methode, um im seitlichen Oberkiefer wieder ausreichend Knochen für Implantate zu schaffen. Mit moderner Diagnostik, geeigneten Augmentationsmaterialien und erfahrener Durchführung sind die Erfolgsaussichten hoch. Besprechen Sie Ihre individuelle Situation mit einem spezialisierten Implantologen oder Oralchirurgen und lassen Sie sich einen individuellen Behandlungsplan inklusive Risiken, Alternativen und Kosten erstellen.
Weiterführende Informationen und Fachartikel finden Sie z. B. bei Fachportalen wie Dentlounge oder dem DocCheck Flexikon.
Bei Fragen zur individuellen Eignung für einen externen Sinuslift helfe ich gern mit einer Checkliste für das Vorgespräch mit Ihrem Behandler.