Ranula an der Zunge: Erkennen, Ursachen und sichere Behandlung
Eine Ranula ist eine mit Speichel gefüllte Zyste im Mundboden, die sich oft unter der Zunge zeigt. In diesem Artikel erfahren Sie klar und praxisnah, wie eine Ranula entsteht, woran Sie sie erkennen, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wann Sie unbedingt ärztliche Hilfe suchen sollten.
Was ist eine Ranula (Ranula Zunge)?
Der Begriff Ranula (von lateinisch „Frosch“) bezeichnet eine Retentionszyste oder Mukozysten‑Bildung des Mundbodens, die sich typischerweise unter der Zunge zeigt. Umgangssprachlich spricht man auch von einer Mundbodenzyste oder "Froschgeschwulst". Die Ranula entsteht, wenn Speichel aus einer kleinen Speicheldrüse — meist der Unterzungendrüse (Glandula sublingualis) — in das umgebende Gewebe austritt und dort eine blasenartige Ansammlung bildet.
Wie sieht eine Ranula aus und welche Symptome treten auf?
- Gut sicht- oder tastbare, weiche, meist bläulich-transluzente Schwellung im Bereich des Mundbodens unter der Zunge.
- Größere Ranulae können das Sprechen, Schlucken oder Essen beeinträchtigen und ein Fremdkörpergefühl verursachen.
- Meist schmerzlos; bei sekundärer Infektion kann es zu Rötung, Schmerzen oder Eiteraustritt kommen.
- Bei einer sogenannten plunging ranula („absteigende Ranula“) kann die Schwellung in den Hals- oder Kieferbereich ausgedehnt sein und sichtbar unter dem Kinn erscheinen.
Ursachen: Wie entsteht eine Ranula?
Oft ist eine Schädigung oder ein Verschluss des Ausführungsgangs (Ductus) einer kleinen Speicheldrüse die Ursache. Mögliche Auslöser sind:
- Trauma oder Bissverletzungen im Mundboden
- Gesteigerte Speichelproduktion oder entzündliche Veränderungen
- Angeborene anatomische Varianten oder Vernarbungen der Ausführungsgänge
Durch den Austritt von Speichel in das Gewebe bildet sich eine bindegewebsgefüllte Zyste (Mukozele), die als Ranula sichtbar wird.
Diagnose: Wie wird die Ranula festgestellt?
Die Diagnose wird meist klinisch durch den Hals‑, Mund‑ und Kieferchirurgen, HNO‑Arzt oder Zahnarzt gestellt. Weitere Untersuchungen können sein:
- Ultraschall des Mundbodens: zeigt flüssigkeitsgefüllte Hohlräume.
- MRI oder CT: sinnvoll bei ausgedehnten/plunging Ranulae zur Darstellung des Halsraums.
- Feinnadelaspiration: zeigt schleimige Flüssigkeit; kann zur Entlastung genutzt werden, hat aber hohe Rezidivrate.
Weiterführende Informationen finden Sie z. B. im DocCheck Flexikon oder in Fachartikeln wie bei SpringerMedizin.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach Größe, Symptomen und Lage (einfache vs. plunging Ranula). Wichtige Optionen:
Konservative Maßnahmen
- Bei sehr kleinen, asymptomatischen Läsionen kann regelmäßige Beobachtung ausreichend sein.
- Gelegentliche Aspiration (Auspumpen) entlastet, führt aber häufig zu Rezidiven.
Operative Methoden
- Marsupialisation: Öffnung und Vernähung der Zystenwand an der Schleimhaut. Geeignet bei Kindern, allerdings höhere Rückfallrate als Entfernung der betroffenen Drüse.
- Exzision der Ranula mit Entfernung der Glandula sublingualis: gilt als Standardtherapie bei vielen erwachsenen Patienten, da dadurch die Ursache beseitigt und Rezidive minimiert werden.
- Externe (zervikale) Operation: bei plunging Ranulae oder ausgedehnten Zysten, ggf. in Kombination mit intraoraler Entfernung.
Sondierende & medikamentöse Verfahren
- Sclerotherapie (z. B. OK‑432 / Picibanil) wird in ausgewählten Fällen eingesetzt und kann eine Alternative zur Operation sein.
- Laserbehandlung oder intraläsionale Injektionen sind weitere Optionen mit unterschiedlicher Erfolgsrate.
Risiken und Prognose
Operationen im Mundboden können Risiken wie Nachblutung, Schwellung, vorübergehende Sensibilitätsstörungen oder Schädigung benachbarter Strukturen (z. B. Speichelausführungsgang, Nerven) bergen. Bei Entfernung der betroffenen Unterzungendrüse ist die Rezidivrate gering, die Prognose insgesamt gut. Unbehandelt können große Ranulae das Schlucken und Atmen behindern oder sich sekundär infizieren.
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
- Sichtbare, neu aufgetretene Schwellung unter der Zunge
- Beeinträchtigung beim Sprechen, Schlucken oder Atmen
- Schnelles Wachstum, Schmerzen oder Zeichen einer Entzündung (Rötung, Fieber)
Wenden Sie sich an Ihren Hauszahnarzt, HNO‑Arzt oder eine MKG‑ (Mund‑Kiefer‑Gesichtschirurgie) Praxis. Informationen zu operativen Versorgungsmöglichkeiten bieten z. B. Fachpraxen wie die MKG‑Praxis Wuppertal.
Prävention
Eine spezifische Vorbeugung ist schwierig, da viele Ranulae spontan durch kleine Schädigungen entstehen. Allgemeine Empfehlungen:
- Vermeiden von Bissen oder Traumata im Mundbereich
- Regelmäßige Kontrolle beim Zahnarzt/HNO bei wiederkehrenden Schleimhautveränderungen
Häufige Fragen (FAQ)
Heilt eine Ranula von allein?
Kleine Ranulae können sich gelegentlich zurückbilden, oft bleiben sie jedoch bestehen und benötigen eine Behandlung, wenn sie Beschwerden verursachen.
Ist eine Ranula gefährlich?
Meist gutartig, kann aber durch Größenzunahme functionelle Probleme verursachen oder sich infizieren. Deshalb ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Wer behandelt Ranulae?
Diagnose und Therapie erfolgen durch HNO‑Ärzte, Mund‑Kiefer‑Gesichtschirurgen (MKG) oder erfahrene Zahnärzte. Bei komplizierten Fällen ist eine interdisziplinäre Versorgung sinnvoll.
Weiterführende Quellen
Fazit
Die Ranula unter der Zunge ist meist harmlos, kann aber zu deutlichen Beschwerden führen. Eine frühzeitige ärztliche Abklärung sichert eine passende Therapie — von Beobachtung über minimalinvasive Maßnahmen bis zur chirurgischen Entfernung der betroffenen Speicheldrüse. Bei Unsicherheit oder raschem Wachstum sollte zeitnah ein Facharzt konsultiert werden.