Ganz hinten im Mund: Wo genau Weisheitszähne sitzen und warum das wichtig ist
Viele Fragen drehen sich darum, wo Weisheitszähne wachsen und warum sie oft Probleme machen. Dieser Artikel erklärt klar, an welchen Stellen die Weisheitszähne auftauchen, welche Varianten es gibt und wann der Besuch beim Zahnarzt nötig ist.
Kurzantwort: Wo wachsen Weisheitszähne?
Weisheitszähne entstehen ganz hinten in der Zahnreihe: jeweils einer am Ende der linken und rechten Seite im Oberkiefer und einer am Ende der linken und rechten Seite im Unterkiefer. Das sind insgesamt bis zu vier Zähne — die sogenannten dritten Molaren, fachsprachlich Dentes sapientes.
Anatomie und genaue Position
Im menschlichen Gebiss zählen Zahnärzte die Zähne von der Mitte aus. Die Weisheitszähne stehen an der achten Position (der "Achter") hinter den zweiten Backenzähnen (den Molaren). Praxisnah bedeutet das: Sie sitzen direkt am Ende der Zahnreihe, tief im Kieferknochen und oft teilweise vom Kieferknochen oder Zahnfleisch bedeckt.
Oberkiefer vs. Unterkiefer: Gibt es Unterschiede?
- Unterkiefer (Mandibula): Weisheitszähne im Unterkiefer brechen häufiger schräg oder verlagert durch, weil der Unterkiefer oft weniger Platz bietet.
- Oberkiefer (Maxilla): In der Regel ist der Durchbruch hier häufiger komplett, aber es kann zu Kontakt mit Nasenhöhle oder Kieferhöhle kommen, was bei einer Operation berücksichtigt werden muss.
Wann und wie wachsen sie?
Weisheitszähne beginnen meist im späten Jugendalter zu wachsen. Der typische Zeitraum für Durchbruch oder vollständige Entwicklung liegt zwischen dem 17. und 24. Lebensjahr, kann aber individuell früher oder deutlich später erfolgen. Manche Menschen entwickeln gar keine Weisheitszähne oder nur einzelne davon.
Lagevarianten und Durchbruchsmuster
Weisheitszähne können in verschiedenen Positionen liegen:
- Vertikal: Ideal — der Zahn steht senkrecht und kann normal durchbrechen.
- Mesioangulation: Schräg nach vorn gekippt — häufigste Ursache für Verlagerung und Druck auf den zweiten Molar.
- Distoangulation: Schräg nach hinten gekippt.
- Horizontal: Der Zahn liegt quer im Kiefer — oft problematisch und operativ zu entfernen.
- Teilretiniert oder vollretiniert: Teilweise vom Zahnfleisch bedeckt bzw. komplett im Knochen eingeschlossen.
Warum verursachen Weisheitszähne oft Probleme?
Moderne Kiefer sind häufig zu klein für alle Zähne. Folgen sind:
- Druck auf die Nachbarzähne und Schmerzen
- Teilweiser Durchbruch mit Tasche zwischen Zahn und Zahnfleisch — Infektionen (Perikoronitis)
- Karies an schwer zugänglichen Stellen
- Zystenbildung oder Schäden am benachbarten Zahn
Symptome beim Durchbruch
Typische Beschwerden sind: Schmerzen im hinteren Mundbereich, Schwellungen, Druckgefühl, eingeschränkte Mundöffnung, unangenehmer Geschmack oder wiederkehrende Entzündungen. Nicht jeder Schmerz bedeutet, dass der Zahn entfernt werden muss — eine zahnärztliche Untersuchung klärt das.
Wie wird die Lage festgestellt?
Ihr Zahnarzt beurteilt die Position üblicherweise klinisch und mithilfe von Röntgenaufnahmen (z. B. OPG / Panoramaaufnahme). Das Röntgenbild zeigt Lage, Keim, Wurzelverhältnisse und den Abstand zu Nachbarstrukturen wie dem Nervkanal im Unterkiefer oder der Kieferhöhle im Oberkiefer.
Behandlungsoptionen
- Abwarten und Beobachten: Wenn genug Platz besteht und keine Beschwerden vorliegen, kann eine regelmäßige Kontrolle ausreichen.
- Konservative Therapie: Bei entzündlichen Beschwerden oft kurzzeitige Antibiotika, Spülungen und Schmerztherapie, bis eine endgültige Entscheidung getroffen wird.
- Operative Entfernung: Bei Verlagerung, wiederholten Entzündungen, Gefahr für Nachbarzähne oder Zysten wird meist eine Entfernung empfohlen. Die Operation erfolgt in der Regel ambulant unter Lokalanästhesie, manchmal mit Sedierung oder Vollnarkose.
Nach der Entfernung: Was zu erwarten ist
Schwellung, leichte Schmerzen und eingeschränkte Mundöffnung sind normal in den ersten Tagen. Wichtig sind Kühlung, Schonung, gute Wundhygiene und die Einhaltung der Anweisungen Ihres Zahnarztes (keine heiße Flüssigkeiten, keine Strohhalme, vorsichtiges Zähneputzen im Bereich der Wunde). Bei starken Schmerzen, Fieber oder anhaltender Blutung sofort den behandelnden Zahnarzt kontaktieren.
Praktische Tipps
- Lassen Sie im Jugendalter (ab ca. 16–18 Jahren) einmalig ein Röntgenbild anfertigen, um Lage und Entwicklung zu beurteilen.
- Gute Mundhygiene senkt das Entzündungsrisiko beim Durchbruch.
- Bei Schmerzen oder wiederkehrenden Entzündungen frühzeitig den Zahnarzt aufsuchen — frühzeitige Entfernung ist oft unkomplizierter.
Weiterführende Informationen
Verlässliche Quellen und detaillierte Patienteninformationen finden Sie u. a. bei Gesundheitsinformation.de und in der zahnmedizinischen Fachliteratur:
Häufige Fragen (Kurz-FAQ)
- Wie viele Weisheitszähne hat man? Meist vier, aber Varianten mit 0–4 sind möglich.
- Treten sie immer durch? Nein — sie können retiniert im Kiefer verbleiben.
- Müssen sie immer gezogen werden? Nur bei Beschwerden oder wenn Komplikationen drohen.
- Ab welchem Alter sind Kontrollen sinnvoll? Ab dem späten Jugendalter (ca. 16–18 Jahre) zur Beurteilung der Anlage und Lage.