Mundbodenplastik: Stabiler Prothesenhalt durch präprothetische Chirurgie
Eine schlecht sitzende Unterkieferprothese kann den Alltag stark einschränken. Eine Mundbodenplastik (Vestibulumplastik) schafft oft dauerhaft besseren Halt—wir erklären Ursachen, Ablauf, Kosten, Risiken und Alternativen verständlich und praxisnah.
Viele Patientinnen und Patienten mit herausnehmbarem Zahnersatz kennen das Problem: Die Unterkieferprothese sitzt nicht stabil, der Mundboden liegt hoch oder die Schleimhaut ist unruhig. In solchen Fällen kann eine chirurgische Anpassung des Mundvorhofs helfen. Die Mundbodenplastik — auch Vestibulumplastik genannt — ist eine bewährte präprothetische Maßnahme, die das Prothesenlager verbessert und so Komfort und Funktion deutlich erhöht.
Was ist eine Mundbodenplastik (Vestibulumplastik)?
Bei der Behandlung wird der Mundboden beziehungsweise der Mundvorhof vertieft, überschüssige Schleimhaut entfernt oder verlagert und gegebenenfalls ein Schleimhauttransplantat eingesetzt. Ziel ist, zwischen Zähnen/Kieferkamm und Lippe/Wange wieder ausreichend Platz (Vestibulum) zu schaffen, damit eine Prothese besseren Halt findet.
Wann ist der Eingriff sinnvoll?
- Unsicherer Sitz der Unterkieferprothese trotz gut angefertigter Prothese
- Hoher Mundboden oder tiefliegende Muskelansätze, die das Prothesenlager stören
- Vor einer neu geplanten Prothese oder bevor Implantate gesetzt werden
- Lokalisierte Defekte der Schleimhaut oder Gingivaextentionen (z. B. im Frontzahnbereich)
Welche Techniken gibt es?
Es existieren mehrere OP-Techniken, die abhängig von Befund und Ziel ausgewählt werden:
- Split-Thickness- oder Vollschichttechnik: Unterschiedliche Lappenformen, um die Vestibulumbasis abzugründen.
- Grafting (autologe Schleimhauttransplantate): Entnahme von Schleimhaut (z. B. Gaumen) zur Stabilisierung des neuen Vestibulums.
- Muskelrezession: Verkürzte oder tief ansetzende Muskeln werden gelöst oder verlagert.
- Partielle Vestibulumplastik: Lokal begrenzte Korrekturen bei kleinen Problemzonen.
Ablauf: Von Beratung bis Heilung
Typische Schritte:
- Beratung und Diagnostik: Klinische Untersuchung, ggf. Röntgenbilder, Abdrücke für Prothesenplanung.
- Operativer Eingriff: Meist ambulant unter lokaler Betäubung; in ausgewählten Fällen Sedierung oder Narkose.
- Naht und Verbandsprothese: Nach dem Eingriff wird häufig eine provisorische Prothese als Verband getragen.
- Heilung: Die erste Wundheilung dauert meist 7–14 Tage, die vollständige Reepithelisierung kann mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
- Prothesenanpassung: Nach abgeschlossener Heilung erfolgt die endgültige Prothesenanpassung oder -neuanfertigung.
Worauf sollte man sich vorbereiten? (Risiken & Nebenwirkungen)
Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es mögliche Komplikationen, die jedoch selten sind:
- Schmerzen, Schwellung und Hämatome in den ersten Tagen
- Infektionen (selten) — antibiotische Abdeckung nach ärztlicher Einschätzung
- Nachblutungen unmittelbar postoperativ
- Vorübergehende Sensibilitätsstörungen oder Taubheitsgefühle
- Rezidivierende Verknöcherungen/Rezidive, die eine Nachbehandlung erfordern können
Eine sorgfältige Wundpflege, Schonung, Rauchverzicht und die Einhaltung der Nachsorgetermine reduzieren Risiken deutlich.
Kosten und Abrechnung
Die Kosten variieren je nach Umfang, Technik, Zusatzmaßnahmen (z. B. Transplantat) und gegebenenfalls Narkose. In Deutschland kommen verschiedene Abrechnungsregelungen zur Anwendung:
- Für kleinere vestibuläre Eingriffe existiert die zahnärztliche Gebührenziffer GOZ 3240 (Vestibulum-/Mundbodenplastik, kleiner Umfang). Siehe ausführlich: GOZ 3240 (Detail).
- Bei prothetisch notwendiger Versorgung oder Implantaten kann die Kostenübernahme durch Krankenkassen variieren; viele Leistungen sind privat zu berechnen.
Fordern Sie vor Eingriff einen Heil- und Kostenplan samt transparenter Aufschlüsselung an.
Alternativen zur Mundbodenplastik
- Implantatgetragene Prothesen: Oft dauerhaft stabile Lösung, vermeidet umfangreiche Weichgewebsoperationen.
- Adaption der Prothese: Relining, Neuanfertigung oder Retentionshilfen (Haftmittel, Druckknöpfe) können in Einzelfällen ausreichend sein.
- Konservative Therapie: Physiotherapie der Mundmuskulatur oder logopädische Maßnahmen ergänzend bei muskulären Ursachen.
Häufige Fragen (FAQ)
Wie lange hält das Ergebnis?
Bei sorgfältiger Durchführung und guter Mundhygiene sind die Effekte in der Regel langfristig. In einigen Fällen kann eine Nachbesserung nötig werden.
Ist die Operation schmerzhaft?
Während des Eingriffs spüren Sie durch lokale Betäubung nichts. In den Tagen danach sind Schmerzen mit Schmerzmitteln gut steuerbar.
Wer führt die Operation durch?
Oralchirurgen, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen und erfahrene Zahnärzte mit entsprechender Weiterbildung führen diesen Eingriff durch.
Weiterführende Informationen & Quellen
- Übersicht und praktische Infos zur Vestibulumplastik: ZukunftZahn — Vestibulumplastik
- Beispiele aus der Praxis (MKG-Praxen): MKG Dresden — Mundbodenplastik
Fazit
Die Anpassung des Mundbodens ist eine effektive, oft wenig aufwändige Option, um den Sitz von Unterkieferprothesen deutlich zu verbessern. Ob dieser chirurgische Weg für Sie sinnvoll ist, klären Sie am besten in einem persönlichen Beratungsgespräch bei einem erfahrenen Oral- oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen bzw. spezialisierten Zahnarzt. Gerne können Sie einen Termin zur Befundaufnahme und Besprechung der individuellen Behandlungsplanung vereinbaren.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Bei akuten Beschwerden oder zur Abklärung einer Therapieoption wenden Sie sich bitte an Ihren behandelnden Arzt/Zahnarzt.