Milchzahn mit Wurzel: Was Eltern wissen müssen, wenn die Wurzel nicht verschwindet
Viele Eltern fragen sich: Hat ein Milchzahn wirklich eine Wurzel — und was bedeutet es, wenn diese Wurzel nach dem Verlust sichtbar oder im Kiefer verblieben ist? Dieser Artikel erklärt Ursachen, Abläufe und was in den wichtigsten Situationen zu tun ist.
Kurz und knapp: Ja — jeder Milchzahn hat eine Wurzel. Anders als bleibende Zähne sind Milchzahnwurzeln jedoch anatomisch angepasst an den späteren Zahnwechsel. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Milchzahnwurzeln aufgebaut sind, warum sie sich auflösen (Resorption), welche Gründe es gibt, wenn eine Wurzel erhalten bleibt, und wann ein Besuch beim Zahnarzt nötig ist.
Aufbau: Wie unterscheidet sich die Wurzel eines Milchzahns?
Milchzähne besitzen wie bleibende Zähne Zahnwurzeln mit Wurzelhaut, Wurzelzement und Zahnbett. Unterschiede im Detail:
- Größe und Form: Milchzahnwurzeln sind oft kürzer und bei Backenzähnen stärker spreizförmig angeordnet, weil darunter bereits die Anlage des bleibenden Zahns liegt.
- Dünnerer Zahnschmelz und Dentin: Das Innere des Milchzahns ist empfindlicher gegenüber Karies und Entzündungen.
- Resorptionsfähigkeit: Milchzahnwurzeln können sich im Laufe des Zahnwechsels auflösen (physiologische Resorption), damit der bleibende Zahn Platz hat.
Was bedeutet "Resorption" und wie läuft der Zahnwechsel ab?
Bei der Resorption bauen Zellen (Odontoklasten) das Zahnwurzelgewebe des Milchzahns schrittweise ab. Dieser Vorgang wird meist durch den Druck und die Bewegung der im Kiefer heranreifenden bleibenden Zähne ausgelöst.
- Der Zahn locker sich → das Ziehen des Milchzahns wird erleichtert.
- Manchmal beginnt der Zahndurchbruch des bleibenden Zahnes schon, bevor die Wurzel vollständig resorbiert ist.
- Der Prozess beginnt in der Regel ab etwa 6 Jahren und kann bis zum 12. Lebensjahr dauern, je nach Zahn und Kind.
Warum bleibt eine Milchzahnwurzel manchmal erhalten?
In einigen Fällen wird beim Zahnverlust (z. B. durch Unfall oder das natürliche Ausfallen) ein Stück der Wurzel nicht mit dem Zahn aus dem Kiefer entfernt. Mögliche Gründe:
- Unfall: Bei einem herausgeschlagenen Zahn kann die Krone herausfallen, während Teile der Wurzel abbrechen und im Kiefer verbleiben.
- Frühes Ausfallen: Kinder mit vorzeitig verlorenen Milchzähnen (z. B. durch Karies) können Wurzelreste behalten, weil die Resorption noch nicht abgeschlossen war.
- Pathologische Ursachen: Chronische Entzündungen oder Zysten können zu abnormalen Resorptionsmustern führen.
- Unvollständige Extraktion: Bei einer Zahnentfernung kann vom behandelnden Arzt versehentlich ein Wurzelfragment im Knochen zurückbleiben.
Ist eine verbliebene Wurzel gefährlich?
Nicht jede zurückgebliebene Wurzel ist automatisch ein Problem. Wichtige Punkte:
- Viele kleine Wurzelreste werden vom Körper resorbiert oder von Knochengewebe umschlossen und verursachen keine Beschwerden.
- Gefährlich wird es, wenn eine Wurzel entzündet ist: Schmerzen, Schwellung, Fistelbildung oder Eiter sind Zeichen einer Infektion.
- Wurzelreste können das Durchbrechen des bleibenden Zahns behindern oder die Position des Nachfolgers beeinflussen.
Wann zum Zahnarzt? Untersuchungen und Behandlung
Wenn Sie den Verdacht haben, dass eine Wurzel im Kiefer verblieben ist — zum Beispiel nach einem Unfall oder wenn ein Milchzahn ausgefallen ist, aber Symptome wie Schmerzen oder Schwellungen auftreten — sollten Sie eine zahnärztliche Untersuchung vereinbaren. Der Zahnarzt wird in der Regel:
- Eine klinische Untersuchung durchführen.
- Röntgenaufnahmen (z. B. Panorama- oder OPG, ggf. kleineren intraoralen Projektionen) anfertigen, um Lage und Größe des Wurzelrests zu beurteilen.
- Je nach Befund entscheiden, ob eine konservative Beobachtung, eine chirurgische Entfernung oder gegebenenfalls eine endodontische Behandlung nötig ist.
Spezialfall: Wurzelbehandlung am Milchzahn
Entgegen mancher Annahme können auch Milchzähne eine Wurzelkanalbehandlung benötigen — etwa wenn Karies bis zum Nerv reicht oder eine Entzündung vorliegt. Ziel ist es, Schmerzen zu beseitigen und die Funktion des Milchzahns bis zum physiologischen Wechsel zu erhalten. Eine solche Behandlung unterscheidet sich in Technik und Füllmaterialien von der an bleibenden Zähnen.
Praktische Tipps für Eltern
- Bei Zahnunfall: Ruhe bewahren. Wenn der Zahn vollständig ausgeschlagen ist, sammeln Sie ihn (am Zahnoberenfläche anfassen, nicht an der Wurzel), spülen ihn kurz mit Milch oder Kochsalzlösung — niemals reiben — und suchen Sie sofort einen Zahnarzt oder eine Notfallklinik auf.
- Regelmäßige Kontrolltermine: Kinder sollten frühzeitig an Zahnarztbesuche gewöhnt werden (ab dem ersten Zahn). Röntgenaufnahmen können notwendige Informationen über verbleibende Wurzeln geben.
- Bei Schmerzen oder Schwellungen: zeitnah den Zahnarzt aufsuchen; antibiotische Selbstmedikation ohne Diagnose vermeiden.
- Erhalt fördern: Ist der Milchzahn noch vital und nicht stark zerstört, lohnt oft der Erhalt bis zum natürlichen Zahnwechsel — das schützt Platz für den Nachfolger.
FAQ — kurze Antworten
Hat jeder Milchzahn eine Wurzel? Ja, alle Milchzähne besitzen Wurzeln.
Warum löst sich die Wurzel auf? Durch Resorption infolge des Drucks und der Position des bleibenden Zahns im Kiefer.
Was tun, wenn nach einem Unfall nur die Krone fehlt? Sofort zahnärztlich untersuchen lassen — Röntgen klärt, ob Wurzelreste entfernt werden müssen.
Weiterführende Links
- Milchzähne: Alles, was Sie wissen müssen — Dentlounge
- Zahn.de — Informationen zu Milchzähnen
- Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (Beispielseite)
Fazit: Ein "milchzahn mit wurzel" ist normal — die Wurzeln haben eine wichtige Rolle beim Zahnwechsel. Probleme entstehen meist durch Verletzungen oder Entzündungen. Bei Unsicherheit oder Schmerzen ist die zahnärztliche Untersuchung mit Röntgenaufnahme der zuverlässigste Weg, um Sicherheit zu schaffen und die richtige Behandlung zu wählen.