Kariestherapie: Schonend, modern und nachhaltig Zähne erhalten
Karies ist nach wie vor die häufigste Zahnerkrankung — doch die Behandlung hat sich stark verändert. In diesem Artikel erfahren Sie, welche modernen Konzepte und Techniken hinter einer erfolgreichen Kariestherapie stehen, welche Optionen es für Kinder und Erwachsene gibt und wie Sie mit vorbeugenden Maßnahmen zukünftige Behandlungen vermeiden können.
Was bedeutet moderne Kariestherapie?
Die heutige Kariestherapie zielt nicht mehr nur auf das schnelle Entfernen von kariösem Gewebe, sondern auf den möglichst zahnerhaltenden Umgang mit erkrankter Substanz. Neben klassischer Füllungstherapie stehen inzwischen zahlreiche nicht-invasive und minimalinvasive Verfahren zur Verfügung, die Karies stabilisieren, remineralisieren oder kontrolliert behandeln. Ziel ist immer: Erhalt der natürlichen Zahnsubstanz bei langfristiger Gesundheit und Funktion.
Wie wird Karies diagnostiziert?
- Visuelle Inspektion und Sondierung durch die Zahnärztin/den Zahnarzt
- Röntgenaufnahmen (Bissflügelaufnahmen) zur Darstellung approximaler Läsionen
- Digitale Fluoreszenz- und Transilluminationstechniken (z. B. DIAGNOdent, FOTI)
- Kariesrisikoanalyse (Bakterien, Speichelfluss, Ernährungsgewohnheiten, Fluoridgebrauch)
Eine präzise Diagnostik ist entscheidend, um zwischen remineralisierbaren Schmelz-Läsionen und fortgeschrittener Dentinbeteiligung zu unterscheiden — denn die Therapie richtet sich nach dem Verlauf und Stadium der Karies.
Non-invasive Maßnahmen: Wenn Bohren vermeidbar ist
In frühen Stadien kann Karies oft ohne Bohren behandelt oder sogar rückgängig gemacht werden:
- Professionelle Fluoridierung: Lacke, Gele und pasten mit hohem Fluoridgehalt fördern die Remineralisierung.
- Versiegelung von Fissuren: Besonders bei Molaren sinnvoll, um tiefe Grübchen zu schützen.
- Silberdiaminfluorid (SDF): Bakterizid und kariesarretierend — vor allem bei Kindern oder nicht kooperativen Patient:innen eingesetzt.
- Ernährungs- und Mundhygieneberatung: Reduktion zuckerhaltiger Zwischenmahlzeiten, richtige Putztechnik und fluoridhaltige Zahnpasten.
Quellen und Forschungsergebnisse zu nicht-invasiven Strategien finden Sie z. B. bei der Charité Zahnerhaltung.
Minimalinvasive und mikroinvasive Eingriffe
Wenn die Karies schon fortgeschritten ist, besteht die moderne Alternative zum radikalen Bohren in mikroinvasiven Techniken:
- Resininfiltration (z. B. ICON): Ein Verfahren zur Stabilisierung von initialen approximalen oder weißen Flecken-Läsionen durch Eindringen eines flüssigen Kunststoffs.
- Selektive Kariesentfernung: Entfernen nur der weichen, bakteriell belasteten Dentinanteile; infiziertes, aber nicht komplett zerstörtes Dentin kann belassen werden, um die Pulpa zu schützen.
- Atraumatic Restorative Treatment (ART): Entfernung kariöser Zahnhartsubstanz mit Handinstrumenten und Überkappung mit Glasionomerzement — besonders in der Kinderzahnheilkunde oder in ressourcenarmen Regionen.
Konventionelle Füllungstherapie mit Erhalt im Fokus
Bei größerer Substanzzerstörung kommen adhäsive Füllungsmaterialien zum Einsatz:
- Komposite (Kunststofffüllungen): Ästhetisch, substanzschonend durch adhäsive Techniken.
- Glasionomerzemente: Fluoridabgebend, gut bei Milchzähnen und als Unterfüllung.
- Inlays/Onlays: Indirekte, langlebige Restaurationen aus Keramik oder Gold zur substanzschonenden Rekonstruktion.
Wichtig ist die Kariesexkavation nach dem Prinzip, so wenig wie möglich, so viel wie nötig zu entfernen.
Spezielle Konzepte: „Arretieren statt eliminieren“
Neue Konzepte fokussieren das Arretieren von Karies — also das Stoppen des Progresses durch Versiegelung oder chemische Maßnahmen — statt vollständiger bakterieller Eliminierung. Diese Strategie ist in bestimmten Fällen klinisch sinnvoll und reduziert die Belastung für den Zahn.
Vertiefende Artikel zu neuen Wegen finden sich z. B. bei Quintessence.
Kariestherapie beim Kind
Kinder profitieren besonders von minimalinvasiven oder nicht-invasiven Methoden. Fluoridanwendungen, Fissurenversiegelungen und gegebenenfalls SDF können oft verhindern, dass gebohrt werden muss. Bei größeren Defekten kommen kindgerechte Komposite oder Glasionomer zum Einsatz. Kooperation und Angstmanagement sind hier zentrale Komponenten.
Nachsorge und Prävention — entscheidend für den Erfolg
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (mind. einmal jährlich, bei hohem Risiko häufiger)
- Professionelle Zahnreinigung nach individuellem Bedarf
- Kontinuierliche Fluoridanwendung (Zahnpasten, ggf. Lacke)
- Anpassung der Ernährung: weniger zuckerhaltige Snacks, statt Süßgetränke Wasser oder ungesüßter Tee
Kosten, Dauer und was Patient:innen wissen sollten
Die Kosten variieren je nach Verfahren: einfache Fluoridierung und Versiegelungen sind günstig, while aufwändigere Inlays oder keramische Versorgungen teurer. Dauer und Anzahl der Termine hängen vom Befund ab — viele minimalinvasive Maßnahmen können in ein bis zwei Sitzungen erfolgen. Ihre Zahnärztin/Ihr Zahnarzt berät individuell zu Therapieoptionen, Prognose und Kosten.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann Karies wirklich ohne Bohren gestoppt werden?
Ja — in frühen Stadien durch Remineralisierung mit Fluorid, Ernährungsumstellung und Versiegelung. Fortgeschrittene Dentinläsionen erfordern meist eine (minimalinvasive) Intervention.
Ist Silberdiaminfluorid (SDF) eine sichere Option?
SDF ist kariesarretierend und wird vor allem bei Kindern und bei nicht kooperativen Patient:innen genutzt. Der Nachteil: es kann die kariösen Bereiche dunkel verfärben.
Wie lange halten moderne Kompositfüllungen?
Bei guter Mundhygiene und fachgerechter Versorgung halten Komposite meist viele Jahre; regelmäßige Kontrollen sind wichtig, um Randspalten oder Sekundärkaries frühzeitig zu erkennen.
Fazit
Die moderne Kariestherapie ist individuell, evidenzbasiert und zahnsubstanzschonend. Früherkennung, Risikomanagement und die Auswahl zwischen nicht-invasiven, mikroinvasiven oder restaurativen Maßnahmen entscheiden über den Erfolg. Sprechen Sie Ihre Zahnärztin/Ihren Zahnarzt frühzeitig an — eine rechtzeitige, schonende Behandlung erhöht die Chancen, Zähne langfristig gesund zu erhalten.
Weiterführende Informationen: Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Charité.
Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen gern eine kürzere Version als Praxis-Info für Patient:innen oder eine Checkliste zur Kariesprävention.