Doppelte Zahnreihe (Haifischzähne) bei Kindern: Ursachen, Risiko & Lösungen
Eine „doppelte Zahnreihe“ – oft Haifischzähne genannt – sorgt bei Eltern schnell für Sorge. In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter dem Phänomen steckt, wann Handlungsbedarf besteht und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
Die Bezeichnung doppelte Zahnreihe beschreibt das Phänomen, wenn ein bleibender Zahn hinter oder neben dem noch vorhandenen Milchzahn durchbricht. Optisch erinnert das an die Zahnstellung eines Haifischs, daher der gebräuchliche Begriff „Haifischzähne“. Meist treten solche Situationen bei den unteren oder oberen Schneidezähnen im Wechselgebiss (ca. 5–8 Jahre) auf.
Wie entsteht eine doppelte Zahnreihe?
Für das Entstehen einer doppelten Zahnreihe gibt es mehrere Ursachen:
- Zahnversatz/ectopische Lage: Der bleibende Zahn entwickelt sich etwas verschoben und bricht hinter dem Milchzahn durch.
- Verzögerter Milchzahnverlust: Wenn die Resorption der Milchzahnwurzel langsam verläuft, bleibt der Milchzahn länger im Mund, während der bleibende Zahn daneben durchbricht.
- Platzmangel: Bei zu kleinem Kiefer fehlt Raum für die normale Einordnung des bleibenden Zahns.
- Genetische Faktoren: Familiäre Veranlagung kann die Zahnanlage und ihr Timing beeinflussen.
- Überzählige Zähne (Hyperdontie): Selten liegt eine echte Zahnüberzahl vor – dann sind zusätzliche Zähne angelegt.
Ist eine doppelte Zahnreihe gefährlich?
In den allermeisten Fällen ist eine doppelte Zahnreihe zunächst harmlos. Häufig ordnet sich der neue Zahn nach einigen Wochen bis Monaten von selbst ein, sobald der Milchzahn ausfällt. Dennoch sollten Sie den Zustand beobachten und im Zweifel zahnmedizinisch beurteilen lassen, weil:
- die bleibende Zahnreihe falsch einwachsen kann (Fehlstellung),
- Karies am länger bleibenden Milchzahn oder an den neuen Zähnen entstehen kann,
- es zu Zahnfleischreizungen oder Entzündungen kommen kann.
Wann zum Zahnarzt?
Vereinbaren Sie einen Termin mit dem Kinderzahnarzt oder dem Hauszahnarzt, wenn:
- der neue Zahn nach 4–6 Monaten noch deutlich hinter dem Milchzahn steht und keine Tendenz zur Einordnung zeigt,
- der Milchzahn gar nicht locker wird, aber Schmerzen, Schwellungen oder Eiter auftreten,
- mehrere Zähne betroffen sind oder die Zahnstellung asymmetrisch wirkt,
- Ihr Kind starke Schmerzen oder Probleme beim Kauen hat.
Diagnose: Was macht der Zahnarzt?
Der Zahnarzt wird die Mundsituation klinisch untersuchen und meist ein Röntgenbild (z. B. Panorama oder kleine Zahnfilme) anfertigen, um Lage, Wurzeln und Entwicklung des bleibenden Zahns zu beurteilen. Daraus ergeben sich in der Regel drei Optionspfade:
1. Abwarten
Wenn der Milchzahn bereits locker ist und der bleibende Zahn richtig wächst, empfiehlt der Arzt oft nur regelmäßige Kontrollen. Viele Fälle lösen sich spontan.
2. Milchzahn entfernen
Ist der Milchzahn nicht locker und blockiert die Einordnung des bleibenden Zahns, wird er – meist unkompliziert und häufig ohne Narkose bei kooperativen Kindern – entfernt. Nach Entfernung ordnet sich der neue Zahn oft innerhalb weniger Wochen.
3. Weiterführende kieferorthopädische Therapie
Wenn Platzprobleme, starke Fehlstellungen oder zusätzliche Zähne (Hyperdontie) vorliegen, kann eine kieferorthopädische Behandlung nötig sein. Beispiele sind Platzhalter, eine feste Spange oder in seltenen Fällen operative Maßnahmen.
Hyperdontie vs. echte doppelte Zahnreihe
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:
- Unechter doppelter Reihe (Haifischzähne): Ein bleibender Zahn bricht hinter einem noch vorhandenen Milchzahn durch. Meist kein zusätzlicher Zahn vorhanden.
- Echte Überzahl (Hyperdontie): Es ist zusätzlich ein überzähliger Zahn angelegt (z. B. Mesiodens). Das erfordert oft gezielte Entfernung und weiterführende Planung.
Praktische Tipps für Eltern
- Ruhe bewahren: In den meisten Fällen ist keine Notfallmaßnahme nötig.
- Ziehen Sie nicht eigenmächtig am Milchzahn – das kann Schmerzen, Verletzungen oder Infektionen verursachen.
- Fördern Sie gute Mundhygiene: Sanftes Putzen, ggf. fluoridhaltige Kinderzahnpasta.
- Weiche Kost und schmerzstillende Maßnahmen (nach Packungsanweisung oder Rücksprache mit dem Arzt) bei Beschwerden.
- Vereinbaren Sie einen Kontrolltermin beim Kinderzahnarzt, wenn Sie unsicher sind oder Probleme bestehen.
Wie lange dauert die Einordnung?
Es gibt keine feste Regel: Manche bleibenden Zähne richten sich innerhalb weniger Wochen ein, andere brauchen mehrere Monate. Wenn der Milchzahn jedoch nach 3–6 Monaten noch nicht locker geworden ist und der neue Zahn nicht näher kommt, ist meist ein zahnärztlicher Eingriff (Entfernen des Milchzahns) sinnvoll.
Vorbeugung und langfristige Folgen
Eine spezifische Vorbeugung gegen doppelte Zahnreihen gibt es nicht, da viele Fälle von der individuellen Zahnentwicklung abhängen. Eine regelmäßige zahnärztliche Betreuung im Kindesalter hilft, Probleme früh zu erkennen und rechtzeitig zu behandeln, sodass langfristige Fehlstellungen oft vermieden werden können.
FAQ – Kurzantworten
- Soll ich den Milchzahn selbst ziehen? Nein. Lassen Sie das vom Zahnarzt machen, um Risiken zu vermeiden.
- Ist das schmerzhaft für mein Kind? Meist nur geringe Beschwerden; örtliche Betäubung ist bei der Entfernung möglich.
- Muss immer eine Spange her? Nein. Viele Fälle klären sich ohne kieferorthopädische Behandlung. Nur bei komplexen Platzproblemen ist eine Spange nötig.
- Wie finde ich einen passenden Kinderzahnarzt? Fragen Sie Ihren Hauszahnarzt, Kinderarzt oder nutzen Sie Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis; viele Praxen bieten spezielle Beratungen zum Wechselgebiss an.
Weiterführende Links
Mehr Hintergrundinformationen finden Sie z. B. auf den Seiten von Fachpraxen und zahnmedizinischen Fachportalen, etwa der Wikipedia zum Thema Hyperdontie oder spezialisierten Kinderzahnarztseiten.
Fazit: Eine doppelte Zahnreihe ist in vielen Fällen kein Grund zur Panik. Beobachtung und eine zahnärztliche Kontrolle sind meist ausreichend; nur selten sind komplexe Behandlungen nötig. Frühzeitige Beratung sichert die beste Lösung für Komfort und gesunde Zahnstellung Ihres Kindes.
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