Welche Metalle stecken im Zahnersatz? Ein praktischer Ratgeber für Patienten
Kurz, verständlich und aktuell: Dieser Ratgeber erklärt, welche Metalle im Zahnersatz verwendet werden, welche Vor‑ und Nachteile sie haben und worauf Sie bei Allergien, Haltbarkeit und Ästhetik achten sollten.
Warum überhaupt Metalle im Zahnersatz?
Metalle spielen in der Zahnmedizin eine große Rolle, weil sie mechanische Anforderungen erfüllen, die viele Keramiken und Kunststoffe allein nicht leisten: hohe Festigkeit, Bruchbeständigkeit und zuverlässige Verankerung. Typische Anwendungen sind Kronen- und Brückengerüste, Teilprothesenklammern, sowie Implantat-Abutments (häufig Titan).
Wichtige Metallgruppen und ihre Eigenschaften
1. Edelmetalllegierungen (Gold, Palladium)
- Eigenschaften: hohe Korrosionsbeständigkeit, gute Biokompatibilität, geringere Randbelastung.
- Vorteile: langlebig, gut zu verarbeiten, selten allergische Reaktionen.
- Nachteile: hoher Preis, weniger ästhetisch wenn nicht verblendet.
2. Nichtedelmetalllegierungen (Kobalt‑Chrom, Nickel‑Chrom)
- Eigenschaften: sehr hart und fest, kostengünstiger als Edelmetalle.
- Vorteile: wirtschaftlich, lange Lebensdauer, häufig für Modellguss und Gerüste.
- Nachteile: Nickel kann Allergien auslösen; unter bestimmten Bedingungen kann Korrosion auftreten.
3. Titan
- Eigenschaften: ausgezeichnete Biokompatibilität, leicht, korrosionsbeständig.
- Vorteile: Standard für Implantate; sehr verträglich, auch bei Metallunverträglichkeit oft geeignet.
- Nachteile: für sichtbare Frontzähne meist nicht ästhetisch ohne Verblendung.
4. Moderne Hochleistungslegierungen und CAD/CAM‑Werkstoffe
Dazu zählen für den 3D‑Druck und Fräsen optimierte CoCr‑Legierungen sowie spezielle Edelmetall‑Blanks. Sie kombinieren Fertigungspräzision mit Materialfestigkeit.
Gesundheit: Allergien, Korrosion und galvanische Effekte
Wichtig für Patienten sind mögliche Reaktionen wie Nickelallergien oder Symptome durch galvanische Ströme (wenn verschiedene Metalle im Mund vorhanden sind). Metallionen können durch Abrieb oder Korrosion freigesetzt werden. Bei bekannten Allergien sollte der Zahnarzt informiert werden — oft sind titanbasierte oder vollkeramische Lösungen (z. B. Zirkonoxid) die bessere Wahl.
Bei Unsicherheit können Allergietests (Epikutantest) oder Materialzertifikate des Labors helfen. Die Patienteninformation "Metalle im Munde" bietet fundierte Hintergrundinfos (siehe auch Metalle im Munde).
Aussehen, Funktion und Haltbarkeit
Metallische Gerüste sind funktional sehr zuverlässig — besonders bei großen Brücken oder Teilprothesen. Ästhetisch werden Metalle oft verblendet (Metallkeramik), wobei eine Keramikschale über das Metallgerüst gebrannt wird. Metallfreie Alternativen wie Zirkonoxid bieten bessere Ästhetik, können aber in manchen Fällen teurer oder weniger belastbar sein.
- Haltbarkeit: Je nach Material und Verarbeitung 10–20+ Jahre.
- Pflege: Gute Mundhygiene verhindert Sekundärkaries und Parodontitis, die häufigsten Ursachen für Versagen.
Kosten und Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen (Deutschland)
Die gesetzliche Regelversorgung orientiert sich an wirtschaftlichen Materialien. Edelmetalle und hochwertige Keramiken werden meist nur im privaten Bereich vollständig übernommen. Für genaue Zahlen und Festzuschüsse besprechen Sie die Kostenplanung mit Ihrem Zahnarzt — ein Heil- und Kostenplan gibt Klarheit.
Wann ist metallfreier Zahnersatz sinnvoll?
- Bei Nickel‑ oder Schweremetall‑Allergie.
- Wenn höchste ästhetische Ansprüche bestehen (Frontzähne).
- Bei Patienten, die galvanische Beschwerden oder Metallgeschmack berichten.
Mehr Informationen zu metallfreien Alternativen finden Sie z. B. bei Zirkon‑Ratgebern.
Herstellungsverfahren und Qualitätsaspekte
Gängige Verfahren sind Gießen, CAD/CAM‑Fräsen und 3D‑Druck (Selektives Laserschmelzen). Digitale Fertigung erhöht in vielen Fällen die Präzision und Reproduzierbarkeit. Achten Sie auf:
- Materialzertifikate und Legierungsangaben vom Dentallabor.
- Langjährige Erfahrung des Labors und Praxisbeispiele.
- Regelmäßige Kontrolltermine und gute Dokumentation.
Praktische Tipps für Patienten
- Fragen Sie nach der genauen Legierung: Welche Metalle sind enthalten?
- Bei Allergien: Allergietest oder metallfreie Alternative verlangen.
- Lassen Sie sich einen Heil- und Kostenplan geben und vergleichen Sie Materialien.
- Pflegen Sie Ihren Zahnersatz: tägliches Reinigen und jährliche Kontrollen.
- Wenn Sie metallischen Geschmack, Zungenbrennen oder Schmerzen verspüren: Zahnarzt aufsuchen — es könnte an Materialreaktionen liegen.
Fazit
Metalle bieten im Zahnersatz wichtige funktionelle Vorteile: Stabilität, Langlebigkeit und gute Verarbeitungseigenschaften. Dennoch bringen sie Nachteile wie mögliche Allergien, optische Einschränkungen und – je nach Legierung – Korrosionsrisiken mit sich. Die richtige Wahl hängt von Lokalisation (Front/Seitenzahn), ästhetischen Wünschen, Allergie‑Vorgeschichte und Budget ab. Besprechen Sie Materialoptionen, Vor‑ und Nachteile sowie Alternativen (z. B. vollkeramisch) ausführlich mit Ihrem Zahnarzt.
Weiterführende Links und Quellen:
- Metalle im Munde — zahnmedizinische Patienteninformation
- Metallfreier Zahnersatz: Vorteile und Kosten
Haben Sie konkrete Fragen zu einem geplanten Zahnersatz? Nennen Sie die geplante Versorgung (Krone, Brücke, Implantat) und eventuelle Allergien — ich helfe bei der Einordnung der Materialoptionen.
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