Wie lange dauert eine Unterfütterung der Prothese? Ablauf, Dauer und Tipps
Eine Unterfütterung kann eine wackelige oder schmerzhafte Prothese in wenigen Schritten wieder stabilisieren. Hier erfahren Sie, wie lange die verschiedenen Unterfütterungs‑Verfahren tatsächlich dauern, was Sie beim Termin erwartet und wie Sie sich danach verhalten sollten.
Was ist eine Unterfütterung der Prothese?
Unterfütterung (auch: Prothesenunterfütterung, Relining) bedeutet, dass der Spalt zwischen der Prothesenbasis und der Mundschleimhaut mit Material aufgefüllt wird, sodass die Prothese wieder dicht und stabil sitzt. Ziel ist die Wiederherstellung von Sitz, Kaueffizienz und Komfort ohne komplett neuen Zahnersatz.
Welche Arten der Unterfütterung gibt es?
- Direkte Unterfütterung (chairside): Der Zahnarzt bearbeitet die Prothese direkt im Mund. Vorteil: schnell, oft nur ein Termin nötig.
- Indirekte Unterfütterung (laborbasiert): Abdruck wird genommen, die Prothese wird im Dentallabor neu unterfüttert. Vorteil: präziser, dauerhafter.
- Weiche/temporäre Unterfütterung (soft reline): Elastisches, patientenfreundliches Material für kurzfristige Nutzung (z. B. nach Operationen).
- Harte dauerhafte Unterfütterung: Hartkunststoff (Acryl) für langfristigen Halt.
Wie lange dauert eine Unterfütterung der Prothese? Konkrete Zeiten
Die Dauer hängt von Methode und Material ab. Typische Richtwerte:
- Direkte (chairside) Unterfütterung: 30–90 Minuten. Der Zahnarzt bereitet die Prothese vor, führt eine Anpassung oder Abdrucknahme im Mund durch und härtet das Material aus. Sie verlassen die Praxis meist mit sofort verbesserter Anpassung.
- Indirekte (laborbasierte) Unterfütterung: 2–14 Tage. Beim ersten Termin wird ein Abdruck genommen und die Prothese mitgegeben oder bleibt in der Praxis. Im Labor wird die Basis erneuert; danach folgt ein Kontrolltermin zur Eingliederung. Manche Praxen bieten Express‑Labore, die in 1–3 Arbeitstagen liefern.
- Weiche (temporäre) Unterfütterung: 20–60 Minuten beim Stuhl, oft als Übergangslösung sofort anwendbar.
- Mehrere Termine: Bei umfangreichen Korrekturen, Neuaufbau der Basis oder bei Teleskop‑/Kombinationsprothesen können 2–3 Termine über einige Wochen nötig sein.
Warum unterscheiden sich die Zeiten?
- Präzision: Laborarbeiten (indirekt) ermöglichen gegossene, exakte Materialanpassungen.
- Materialchemie: Weiche Materialien härten schneller, dauerhafte Acrylbauten brauchen oft Laborzeit.
- Komplexität: Bei Prothesen mit Verankerungen, Teleskopen oder Implantaten kann die Anpassung aufwändiger sein.
Ablauf einer direkten Unterfütterung (Beispiel)
- Beratung und Untersuchung: Kontrolle der Schleimhaut, Druckstellen und Prothesenlage.
- Vorbereitung: Prothese reinigen, evtl. Korrekturen an der Basis.
- Materialauftrag oder Abdruck im Mund: Anpassungslöffel/Material wird eingesetzt.
- Aushärtung und Feinkorrektur: Entfernen von Überschüssen, Kontrolle des Bisses.
- Kurze Eingewöhnungszeit in der Praxis, Hinweise zur Pflege.
Vor- und Nachteile auf einen Blick
- Direkt: + Schnell, meist an einem Termin; - Geringere Präzision als Laborarbeit.
- Indirekt: + Länger anhaltende, präzisere Anpassung; - Braucht mehr Zeit, evtl. Ersatzprothese nötig.
- Weich: + Komfortabel, gut bei empfindlicher Schleimhaut; - Hält nicht so lange wie harte Lösungen.
Wie oft braucht eine Prothese Unterfütterung?
Das ist individuell: Viele Patienten benötigen alle 1–5 Jahre eine Anpassung, weil sich Kieferkamm und Schleimhaut verändern. Bei starkem Knochenabbau oder schlechter Passung kann es häufiger notwendig sein. Regelmäßige Kontrollen (1× jährlich) helfen, rechtzeitig zu reagieren.
Kosten und Übernahme
Die Kosten variieren je nach Methode, Material und Praxis. Eine chairside‑Unterfütterung ist meist günstiger (konkrete Preise regional unterschiedlich). Manche Zahnzusatzversicherungen oder private Kassen decken Teile der Kosten. Zur Orientierung bietet die Vergleichsseite Verivox eine Zusammenfassung: Verivox – Unterfütterung einer Prothese. Fachtexte zur Prothesenunterfütterung finden Sie z. B. beim DocMedicus‑Zahnlexikon: DocMedicus – Prothesenunterfütterung.
Tipps zur Vorbereitung und Nachsorge
- Bringen Sie Ihre Prothese zum Termin sauber mit.
- Notieren Sie Beschwerden (Druckstellen, Wackeln), damit der Zahnarzt gezielt vorgehen kann.
- Nach einer harten Unterfütterung: Meiden Sie sehr heiße Getränke für 24 Stunden, falls das Material nachhärtet.
- Bei weichen Relines: Regelmäßige Kontrolle, da das Material sich abnutzen kann.
- Bei anhaltenden Schmerzen, Druckstellen oder schlechter Sprache zeitnah den Zahnarzt aufsuchen.
Wann ist eine Unterfütterung nicht ausreichend?
Ist die Prothese stark beschädigt, fehlen viele Zähne oder der Kieferkamm so stark zurückgegangen, dass die Funktion nicht wiederhergestellt werden kann, ist ein kompletter Neuanbau sinnvoll. Gleiches gilt bei Materialermüdung bzw. wenn die Prothese wiederholt bricht.
Fazit
Die Frage "Wie lange dauert eine Unterfütterung der Prothese?" lässt sich so beantworten: Direkt vor Ort geht es meist in 30–90 Minuten, die laborbasierte Variante kann 2–14 Tage dauern. Welche Option sinnvoll ist, entscheidet der Zahnarzt nach Untersuchung, gewünschter Haltbarkeit und Ihren Bedürfnissen. Regelmäßige Kontrollen verlängern die Lebenszeit Ihrer Prothese und helfen, rechtzeitig zu unterfüttern.
Bei konkreten Beschwerden vereinbaren Sie einen Termin beim Zahnarzt: Eine zeitnahe Unterfütterung kann Schmerzen lindern und das Kauen schnell verbessern.
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