Nähte nach der Weisheitszahn‑OP: Arten, Pflege und wann Sie handeln sollten
Nach einer Weisheitszahn‑Operation sind Nähte ein normaler Teil der Wundversorgung. Dieser Artikel erklärt, welche Nähte es gibt, wie Sie sie richtig pflegen und wann ein Kontrolltermin oder ein Notfall nötig ist.
Warum werden bei einer Weisheitszahn‑OP Nähte gesetzt?
Bei der Entfernung von Weisheitszähnen entstehen Wundflächen im Zahnfleisch und gegebenenfalls im Knochen. Nähte (Sutures) dienen dazu, die Wundränder zu approximieren, Blutungen zu kontrollieren und die Heilung zu beschleunigen. Ob genäht wird, hängt von Lage, Größe der Wunde und dem operativen Befund ab.
Arten von Nähten: auflösbar vs. nicht‑auflösend
- Resorbierbare (selbstauflösende) Nähte: Materialbeispiele sind Polyglycolid (PGA) oder Polydioxanon (PDS). Diese Fäden lösen sich innerhalb von Tagen bis Wochen auf und müssen meist nicht entfernt werden.
- Nicht resorbierbare Nähte: Materialien wie Polyamid (Nylon) oder Seide haben den Vorteil, sehr fein zu sein und die Wundränder gut zu halten; sie werden üblicherweise nach etwa 5–10 Tagen vom Zahnarzt/Chirurgen entfernt.
Wann werden die Fäden gezogen?
In den meisten Fällen erfolgt das Fädenziehen nach 7 bis 10 Tagen. Bei unkomplizierter Heilung ist der Eingriff kurz und schmerzarm: der Arzt blanchiert die Naht, schneidet sie ab und zieht die Schlaufe heraus. Manchmal wird anstelle eines Zuges ein spezieller Scheren‑ bzw. Zangengriff verwendet. Ihr Operateur gibt Ihnen einen Termin zur Kontrolle und zum Entfernen der Fäden.
Pflegehinweise für die Zeit mit Nähten
Richtiges Verhalten in den ersten Tagen unterstützt die Heilung und verhindert Komplikationen:
- Erste 24 Stunden: Tupfen Sie nur; nicht spülen, nicht spucken. Vermeiden Sie körperliche Anstrengung.
- Ab 24 Stunden: Sanfte Mundspülungen mit lauwarmem Salzwasser (1/2 Teelöffel Salz in einem Glas Wasser) nach den Mahlzeiten und vor dem Schlafen. Keine zu kräftigen Spülbewegungen.
- Nahrungsmittel: Weiche, lauwarme Kost (Suppen, Brei, Joghurt) vermeiden Sie heiße, scharfe oder krümelige Speisen.
- Zahnhygiene: Zähne normal putzen, die Nahtstelle vorsichtig aussparen; mit einer weichen Bürste und behutsamen Bewegungen in der Nähe der Wunde reinigen.
- Rauchen & Alkohol: Verzichten Sie möglichst 7–14 Tage auf Rauchen und Alkohol — beides verzögert die Heilung und erhöht das Risiko für Infektion oder „trockene Alveole“ (Alveolitis sicca).
- Kälte & Schmerz: Kühlen Sie in den ersten 24 Stunden intermittierend (z. B. 20 Minuten an, 20 Minuten Pause). Nehmen Sie Schmerzmittel gemäß ärztlicher Empfehlung.
Was tun, wenn sich die Naht löst oder wackelig ist?
Leicht gelockerte oder einzelne Fadenteile sind nicht ungewöhnlich. Handlungsleitfaden:
- Keinen Faden eigenhändig herausziehen.
- Leichte Lockerung beobachten und den Kontrolltermin wahrnehmen. Falls Blutung, starke Schmerzen oder Eiterausfluss auftreten, sofort die Praxis oder Klinik kontaktieren.
- Bei selbstauflösenden Fäden kann es normal sein, dass Fadenreste für mehrere Wochen vorhanden sind.
Anzeichen für Komplikationen — wann zum Arzt?
Suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, wenn eines der folgenden Symptome auftritt:
- Starke, zunehmende Schmerzen, die nicht besser werden
- Anhaltende oder zunehmende Schwellung nach 48–72 Stunden
- Fieber oder Unwohlsein
- Eiteriger Ausfluss oder deutlich riechender Mundgeruch
- Starke Nachblutungen, die nicht stoppen
Fäden ziehen: Ablauf und was Sie erwarten können
Das Entfernen der Fäden ist in der Regel schnell: der Zahnarzt desinfiziert die Stelle, schneidet die Naht und zieht sie behutsam heraus. Meist ist nur ein kurzes, leichtes Ziehen zu spüren; auf Wunsch kann vorab eine betäubende Gelsalbe verwendet werden. Nach dem Entfernen erhalten Sie Hinweise zur weiteren Pflege.
Tipps zur Vorbeugung von Naht‑ und Wundproblemen
- Folgen Sie den postoperativen Anweisungen Ihrer Praxis genau.
- Vermeiden Sie das Berühren der Naht mit der Zunge oder Fingern.
- Halten Sie Termine zur Nachkontrolle ein — so können Probleme früh erkannt werden.
- Informieren Sie Ihren Arzt bei bekannten Blutgerinnungsstörungen oder wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen.
Häufige Fragen (FAQ)
Schmerzen beim Fädenziehen?
Meist ist das Ziehen kaum schmerzhaft. Ein kurzes Ziehen oder ein Ziehen im Kiefer ist möglich. Bei sehr großer Angst kann die Praxis vorab eine lokale Betäubung anbieten.
Lösen sich alle Fäden von selbst?
Nein. Manche Fäden sind resorbierbar, andere müssen entfernt werden. Ihr Operateur sagt Ihnen im Vorfeld, welche Art er verwendet.
Kann ich nach dem Fädenziehen normal essen?
Ja — meist sind schonende Speisen und gute Mundhygiene für einige Tage empfohlen. Vermeiden Sie knackige oder harte Speisen direkt an der Nahtstelle.
Weiterführende Links und Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Zahn‑, Mund‑ und Kieferheilkunde (DGZMK): dgzmk.de
- Patienteninformationen zur Weisheitszahnentfernung, z. B. Apotheken Umschau: apotheken-umschau.de
Fazit
Nähte nach einer Weisheitszahn‑OP sind normal und deutlich zum Schutz der Wunde. Ob die Fäden gezogen werden müssen oder sich auflösen, hängt vom Material ab. Mit der richtigen Pflege, Schonung und den empfohlenen Kontrollterminen heilt die Wunde in der Regel unkompliziert. Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellung oder eitrigem Ausfluss suchen Sie bitte zeitnah Ihre Praxis auf.
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