Zahn gezogen: Nach 4 Tagen immer noch Schmerzen — Ursachen, Sofortmaßnahmen und wann zum Zahnarzt
Sie haben sich den Zahn ziehen lassen und nach 4 Tagen sind die Schmerzen immer noch da? Das ist beunruhigend, aber nicht immer gefährlich. Dieser Ratgeber erklärt die möglichen Ursachen, was Sie jetzt selbst tun können und welche Warnsignale einen sofortigen Termin beim Zahnarzt erfordern.
Was ist normal? Schmerzverlauf nach einer Zahnextraktion
Nach einer Zahnextraktion ist es üblich, dass die Schmerzen in den ersten 24–72 Stunden am stärksten sind und danach allmählich abnehmen. Bei einfachen Extraktionen lässt die akute Schmerzintensität oft innerhalb von 2–3 Tagen deutlich nach. Bei komplizierteren Eingriffen (z. B. Weisheitszahnoperationen oder tiefen Wurzelresten) kann die Heilung länger dauern.
Warum tut der Zahn nach 4 Tagen noch weh? Mögliche Ursachen
Wenn Sie nach 4 Tagen noch Schmerzen haben, kommen mehrere Ursachen infrage:
- Normale Wundheilung: Manchmal dauert die Rückbildung der Schmerzen etwas länger, besonders bei großen Zähnen oder wenn der Eingriff schwierig war.
- Alveolitis (trockene Alveole / dry socket): Tritt typischerweise 2–5 Tage nach der Extraktion auf. Der Blutpfropf in der Zahnhöhle löst sich oder bildet sich nicht, sodass Knochen und Nerven frei liegen. Typisch: starker, bohrender Schmerz, der in Ohr, Schläfe oder Kiefer ausstrahlen kann, oft schlechterer Geruch.
- Infektion (Wundinfektion): Rötung, Schwellung, Eiter, Fieber oder zunehmende Schmerzen deuten auf eine Infektion hin. Infektionen können einige Tage nach dem Eingriff einsetzen.
- Referred pain / Nervenirritation: Reizung benachbarter Nerven oder Muskelverspannungen nach dem Eingriff können Schmerzen verursachen, die nicht direkt aus der Wunde kommen.
- Zahn oder Kiefer daneben: Manchmal schmerzt ein benachbarter Zahn stärker, weil er während des Eingriffs belastet wurde oder bereits entzündet war.
Wie erkennt man eine Alveolitis (trockene Alveole)?
- Plötzliche Zunahme der Schmerzen 2–5 Tage nach der Extraktion
- Starke, pulsierende/bohrende Schmerzen, oft ausstrahlend
- Sichtbare leere oder dunkle Knochenfläche in der Wunde (kein Blutpfropf)
- Unangenehmer Geschmack oder Mundgeruch
Weitere Informationen zur Alveolitis finden Sie z. B. bei DentNet: Alveolitis sicca: Ursachen, Symptome & Behandlung.
Was können Sie jetzt selbst tun?
Bis zum Besuch beim Zahnarzt können diese Maßnahmen die Beschwerden lindern:
- Schmerzmittel: Nehmen Sie Schmerzmittel nach Packungsangabe oder nach Anweisung Ihres Zahnarztes (häufig Ibuprofen 200–400 mg alle 4–6 Stunden oder Paracetamol 500–1000 mg). Überschreiten Sie nicht die empfohlene Tagesdosis und beachten Sie Wechselwirkungen.
- Sanfte Spülungen: Ab dem zweiten Tag mehrere Male täglich mit lauwarmem Salzwasser (1/2 Teelöffel Salz in 250 ml Wasser) spülen. Nicht kräftig spülen, um keinen Blutpfropf zu lösen.
- Kühlung und Wärme: Kühlpacks (jeweils 15–20 Minuten) in den ersten 24 Stunden reduzieren Schwellung; ab Tag 3 kann eine warme Kompresse die Durchblutung fördern und Schmerzen lindern.
- Rauchen und Alkohol meiden: Beides verzögert die Heilung und erhöht das Risiko einer trockenen Alveole deutlich.
- Schonende Ernährung: Weiche, kühle Speisen; kein Saugen an Strohhalmen oder kraftiges Spülen.
Wann sollten Sie dringend zum Zahnarzt?
Vereinbaren Sie zeitnah einen Termin, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:
- Starke Schmerzen trotz Schmerzmittel (insbesondere zunehmender Schmerz nach 2–5 Tagen)
- Starkes Anschwellen des Gesichts oder eine Ausweitung der Schwellung
- Fieber, Schüttelfrost oder allgemeines Krankheitsgefühl
- Ausfluss von Eiter oder anhaltende Blutung
- Schwierigkeiten beim Atmen oder Schlucken — dann sofort Notfallbehandlung
Ihr Zahnarzt kann die Wunde untersuchen und bei Bedarf den Hohlraum reinigen, einen medikamentösen oder antiseptischen Verband anlegen (bei Alveolitis), Antibiotika verschreiben oder weitere Maßnahmen einleiten. Seriöse Infos zur Nachsorge finden Sie z. B. bei den MSD Manuals oder Colgate.
Medikamente und Behandlungsoptionen beim Zahnarzt
- Lokale Behandlung: Reinigung der Alveole, Gaze oder medikamentöse Füllung zur Schmerzlinderung (bei dry socket).
- Antibiotika: Nur bei nachgewiesener Infektion oder erhöhtem Risiko verordnet.
- Analgetika: Stärker wirksame Schmerzmittel oder Kombinationstherapie auf Empfehlung des Zahnarztes.
- Nachkontrolle: Kontrolltermine bis zur vollständigen Heilung.
Prävention: So senken Sie das Risiko für Komplikationen
- Rauchen mindestens 48–72 Stunden vermeiden (besser länger)
- Keine Strohhalme, kein kräftiges Spülen, keine heiße Speisen/ Getränke in den ersten Tagen
- Gute Mundhygiene, aber vorsichtig an der Wunde
- Wenn Sie blutverdünnende Medikamente nehmen oder Vorerkrankungen haben, klären Sie vor dem Eingriff mit Ihrem Arzt die Vorgehensweise
Kurzfazit
Schmerzen nach Zahnziehen sind in den ersten Tagen normal, sollten aber nach 3–4 Tagen abklingen. Wenn Ihre Beschwerden nach 4 Tagen noch stark sind, könnte das auf eine trockene Alveole oder eine Infektion hindeuten — beides lässt sich in der Regel durch eine zahnärztliche Nachbehandlung gut beheben. Vereinbaren Sie einen Termin beim Zahnarzt, wenn die Schmerzen stark sind, sich ausbreiten, Fieber oder Eiter hinzukommt oder Sie unsicher sind.
Bei akuten Notfällen (Atemschwierigkeiten, starkes Anschwellen, hohes Fieber, unstillbare Blutung) suchen Sie umgehend eine Notfallambulanz oder rufen Sie den Notdienst.
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