Teilprothese Oberkiefer mit Gaumenplatte: Wann sie sinnvoll ist und was Sie wissen müssen
Die Teilprothese für den Oberkiefer mit Gaumenplatte ist eine bewährte Lösung, wenn mehrere Zähne fehlen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie sie funktioniert, welche Vor‑ und Nachteile sie hat, welche Alternativen es gibt und wie Pflege, Halt und Kosten aussehen.
Was ist eine Teilprothese im Oberkiefer mit Gaumenplatte?
Eine Teilprothese mit Gaumenplatte ist ein herausnehmbarer Zahnersatz für den Oberkiefer, der einen Kunststoffkörper nutzt, der sich über den Gaumen erstreckt. Auf dieser Platte sind die fehlenden Zähne (Zahnkronen aus Kunststoff oder Keramik) befestigt. Die Prothese wird zusätzlich durch Klammern, Geschiebe oder Teleskope an den verbleibenden Zähnen verankert.
Wann kommt diese Lösung zum Einsatz?
- Wenn mehrere nebeneinanderliegende Zähne im Oberkiefer fehlen und ein festsitzender Ersatz (Brücke) nicht möglich ist.
- Bei ungünstigen Knochenverhältnissen oder wenn Implantate nicht erwünscht oder nicht möglich sind.
- Als provisorische oder kostengünstige Langzeitlösung.
Aufbau und Materialien
Die Hauptkomponenten sind:
- Gaumenplatte: aus zahnfleischfarbenem oder beigem Kunststoff (PMMA).
- Zähne: aus Kunststoff oder keramisch verblendeten Materialien.
- Verankerung: Klammern aus Metall (Modellguss), Teleskope oder Geschiebe bei hochwertigen Versorgungen.
Moderne Materialien verbessern Halt, Ästhetik und Langlebigkeit. Teilprothesen können sowohl als leichte Kunststoffprothesen als auch als teilmodellierte Metallgerüste (Modellguss) gefertigt werden.
Vorteile der Gaumenplatte
- Guter Sitz und Stabilität durch großflächigen Kontakt mit dem Gaumen.
- Relativ kostengünstig und schnell herstellbar.
- Einfache Reparatur und Ergänzung bei Verlust weiterer Zähne.
- Kann bei parodontal geschwächten Zähnen eine gleichmäßige Belastung bewirken.
Nachteile und mögliche Nebenwirkungen
- Fremdkörpergefühl am Gaumen, besonders in den ersten Wochen.
- Beeinträchtigung des Geschmackssinns und der Sprachbildung möglich.
- Ansammlung von Speiseresten unter der Platte bei unzureichender Hygiene.
- Bei schlechter Passung Druckstellen und Schleimhautreizungen.
Der Weg zur passenden Teilprothese: Ablauf beim Zahnarzt
- Beratung und Befundaufnahme (Röntgen, Abdrücke).
- Planung: Auswahl Material, Verankerung und Ästhetik.
- Herstellung im zahntechnischen Labor (Modell, Einprobe, Fertigstellung).
- Einsetzen und Anpassung: Feinjustierung von Bisslage und Kontakten.
- Nachsorge: Kontrolltermine zur Überprüfung von Halt und Hygiene.
Pflege und Tragedauer
Regelmäßige Pflege verlängert Lebensdauer und reduziert Komplikationen:
- Täglich: Prothese herausnehmen, mit einer weichen Bürste und spezieller Prothesenpaste oder milder Seife reinigen.
- Über Nacht: In einer Schale mit klarem Wasser oder einem Putzbad lagern (keine kochenden Temperaturen).
- Zahnfleisch und Restzähne täglich mit Zahnbürste und Interdentalbürsten pflegen.
- Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt (etwa halbjährlich oder nach Empfehlung).
Kosten und Zuschüsse
Die Kosten schwanken stark je nach Material, Komplexität und gewählten Verankerungen. Eine einfache Kunststoffteilprothese ist günstiger, während Modellguss oder Teleskoplösungen teurer sind. Gesetzlich versicherte Patienten erhalten in der Regel einen Festzuschuss, der sich nach dem Befund und dem Bonusheft richtet. Private Leistungen wie hochwertige Keramiken, Teleskope oder Implantat-Anker sind oft privat zu zahlen.
Für eine genaue Kostenschätzung sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt und lassen Sie einen Heil- und Kostenplan erstellen.
Alternativen zur Teilprothese mit Gaumenplatte
- Implantatgetragene Teilprothesen: bessere Stabilität, häufig gaumenfrei möglich.
- Modellguss mit reduziertem Gaumenanteil: metallisches Gerüst reduziert Kontaktfläche.
- Teleskopprothesen/Geschiebe: höhere Ästhetik und Komfort, aber teurer.
- Festsitzende Brücken: wenn benachbarte Zähne geeignet sind.
Die gaumenfreie Variante (z. B. implantatgetragene Lösungen) kann deutliche Vorteile bei Tragekomfort und Geschmacksempfinden bringen, ist aber oft kostintensiver und invasiver.
Tipps für Patienten
- Erwarten Sie eine Eingewöhnungszeit von einigen Tagen bis Wochen.
- Beginnen Sie mit weicher Nahrung und steigern Sie die Belastung langsam.
- Bei Druckstellen sofort den Zahnarzt aufsuchen – häufig genügt eine kleine Anpassung.
- Dokumentieren Sie Ihre Fragen und Wünsche vor der Herstellung (Farbe, Zahnform, Sichtbarkeit der Klammern).
Häufige Fragen (Kurzantworten)
Schmerzt eine Teilprothese? Nicht grundsätzlich; bei Druckstellen kann es zu Schmerzen kommen, die sich durch Anpassung beheben lassen.
Wie lange hält eine solche Prothese? Mit guter Pflege mehrere Jahre (häufig 5–10 Jahre), abhängig von Material, Pflege und Veränderungen im Mundraum.
Kann man mit ihr normal sprechen und essen? Ja, nach einer Eingewöhnungszeit sind Sprache und Kauen in der Regel gut möglich.
Weiterführende Informationen
Ausführliche Informationen zu Zahnersatz, Festzuschüssen und Alternativen finden Sie z. B. auf den Seiten der KZBV: www.kzbv.de oder in zahnmedizinischen Ratgebern Ihrer Zahnärztekammer.
Fazit
Die Teilprothese Oberkiefer mit Gaumenplatte ist eine bewährte, flexible Lösung zum Ersatz fehlender Zähne im Oberkiefer. Sie bietet Stabilität und relativ günstige Kosten, bringt aber ein Fremdkörpergefühl am Gaumen mit sich. Moderne Alternativen wie implantatgetragene Prothesen können Komfort und Funktion verbessern, sind jedoch teurer. Eine individuelle Beratung beim Zahnarzt ist entscheidend, um die passende Versorgung für Ihre Situation zu finden.
Haben Sie weitere Fragen oder möchten Sie eine persönliche Beratung? Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Zahnarzt, um Optionen, Kosten und individuelle Voraussetzungen zu klären.