Aufbau Zahnfleisch: Ursachen, bewährte Methoden und was wirklich hilft
Zahnfleischrückgang ist häufig — und nicht nur ein ästhetisches Problem. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Ursachen hinter dem Verlust von Zahnfleisch stecken, welche konservativen und chirurgischen Möglichkeiten zum Aufbau des Zahnfleisches es gibt und wie Sie langfristig vorbeugen können.
Warum Zahnfleisch zurückgeht (Zahnfleischrückgang)
Zahnfleischrückgang (Rezession) entsteht nicht aus heiterem Himmel. Häufige Ursachen sind:
- Parodontitis: Eine bakterielle Entzündung, die Knochen und Zahnfleisch angreift.
- Falsche Putztechnik: Zu starker Druck oder harte Bürsten können das Zahnfleisch mechanisch schädigen.
- Parafunktionen: Zähneknirschen und starke Lasten können das Gewebe belasten.
- Fehlstellungen oder kieferorthopädische Belastung: Engstände oder schiefe Zähne begünstigen Rezessionen.
- Genetische Veranlagung: Dünnes Gingiva-Phänotyp oder enge Knochenverhältnisse erhöhen das Risiko.
- Medikamente / Systemische Erkrankungen: Bestimmte Medikamente oder Diabetes können die Heilung und Gewebsqualität beeinträchtigen.
Kann man Zahnfleisch wieder aufbauen?
Kurz: Ja — in vielen Fällen lässt sich verlorenes Zahnfleisch chirurgisch oder mit minimalinvasiven Maßnahmen wiederherstellen. Wichtig ist jedoch: die Ursache (z. B. Parodontitis) muss zuerst erfolgreich behandelt sein. Reines Regenerieren von verlorenem Gewebe ohne Therapie der zugrundeliegenden Erkrankung hat meist keinen dauerhaften Erfolg.
Konservative Maßnahmen zur Stabilisierung
Bevor chirurgisch eingegriffen wird, werden oft konservative Maßnahmen empfohlen:
- Professionelle Zahnreinigung (PZR): Entfernung von Biofilm und Konkrementen reduziert Entzündung und weiteren Abbau.
- Verbesserte Mundhygiene: Schulung zur richtigen Putztechnik (weiche Bürste, Bass-Technik), Interdentalreinigung mit Zahnseide oder Interdentalbürsten.
- Behandlung von Parodontitis: Scaling & Root Planing (Tiefenreinigung), gelegentlich mit adjunctiven Antiseptika oder systemischer Antibiotikatherapie.
- Verhaltensänderungen: Rauchstopp, Anpassung belastender Gewohnheiten wie Nägelkauen oder Zähneknirschen (Aufbiss-Schiene).
Chirurgische Methoden zum Aufbau des Zahnfleisches
Sind Rezessionen ausgeprägt oder ästhetisch störend, kommen verschiedene chirurgische Verfahren zum Einsatz. Die Wahl hängt von Ort, Tiefe und Ursache der Rezession ab.
Bindegewebstransplantation (connective tissue graft)
Bei dieser Standardmethode entnimmt der Operateur Bindegewebe meist aus dem Gaumen und transplantiert es an die betroffene Stelle. Vorteile: hohe Erfolgsquote beim Verschluss von Rezessionen und Verdickung des Gingivaplateaus.
Freie Schleimhauttransplantation (free gingival graft)
Hierbei wird eine Schleimhautlamelle aus dem Gaumen entnommen und als Eigengewebe transplantiert, um eine stabile, keratinisierte Gingiva zu schaffen — vorteilhaft bei fehlender keratinisierter Gingiva.
Tunneling-Technik und laterale Mukogingivale Verschiebung
Minimalinvasive Methoden, bei denen das Gewebe untertunnelt und mobilisiert wird, um Rezessionsdefekte abzudecken, oft in Kombination mit Bindegewebstransplantaten oder Biomaterialien. Geringere Narbenbildung und bessere Ästhetik sind Vorteile.
Guided Tissue Regeneration (GTR)
Hier werden Barrieren (Membranen) verwendet, um die Regeneration von verlorenen Gewebestrukturen zu fördern. Häufig kombiniert mit Knochenaufbaumaterialien bei knöchernen Defekten.
Biomaterialien und Wachstumsfaktoren
Alternativ oder ergänzend zu Eigengewebe kommen Kollagenmatrices, Allografts oder Platelet-Rich Fibrin (PRF) zum Einsatz. Diese reduzieren Operationszeit und Schmerzen am Spenderareal, sind aber in ihrer Wirkung situationsabhängig.
Was erwartet Sie nach einem Zahnfleischaufbau?
- Heilung: Erste Abheilung innerhalb 7–14 Tagen, vollständige Reifung des Gewebes über mehrere Monate.
- Schmerzen und Schwellung: Meist moderat; Schmerzmittel und Kühlung helfen.
- Nachsorge: Keine harte Putztechnik am OP-Gebiet für 4–6 Wochen, regelmäßige Kontrollen beim Parodontologen oder Zahnarzt.
- Langzeiterfolg: Abhängigkeit von Mundhygiene, Rauchstatus und Parodontaltherapie. Gute Prognose bei konsequenter Nachsorge.
Kosten und wann eine Behandlung sinnvoll ist
Die Kosten variieren stark je nach Verfahren, Anzahl der Zähne und Praxisstandort. Richtwerte (Deutschland): einfache lokale Bindegewebstransplantation ca. 300–800 € pro Zahn, umfangreichere rekonstruktive Eingriffe oder mehrere Stellen können deutlich mehr kosten. Die Krankenkasse übernimmt nur in wenigen Fällen einen Teil — insbesondere wenn medizinische Notwendigkeit vorliegt.
Vorbeugung: So schützen Sie Ihr Zahnfleisch
- Richtige Putztechnik erlernen (weiche Bürste, sanfte Kreisel- oder Bass-Technik).
- Tägliche Interdentalreinigung (Zahnseide, Interdentalbürsten).
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und professionelle Zahnreinigung.
- Bei Zahnfleischbluten frühzeitig zahnärztliche Abklärung (Parodontitis ausschließen).
- Rauchstopp und Kontrolle von systemischen Risikofaktoren (z. B. Diabetes).
Fazit – Aufbau Zahnfleisch: sinnvoll planen und Ursachen behandeln
Der Aufbau von Zahnfleisch ist bei entsprechender Indikation heute gut möglich. Entscheidend ist eine sorgfältige Diagnostik, die Behandlung der Ursache (insbesondere Parodontitis) und die Auswahl der passenden Methode – ob konservativ, minimalinvasiv oder chirurgisch. Sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt oder einem Parodontologen über die für Sie beste Option.
Weiterführende Informationen: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie: parodontologie.de.
Vereinbaren Sie einen Beratungstermin, wenn Sie Zahnfleischrückgang bemerken — je früher behandelt wird, desto besser die Chancen auf einen dauerhaften Aufbau.
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