Bluterguss am Zahnfleisch: Ursachen, Erkennung und schnelle Hilfe
Ein Bluterguss am Zahnfleisch (orale Hämatom) kann beunruhigend aussehen – von kleinen violetten Flecken bis zu ausgeprägten Blutblasen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein Bluterguss entsteht, was dahinterstecken kann und wann Sie dringend eine zahnärztliche oder ärztliche Untersuchung benötigen.
Ein Bluterguss am Zahnfleisch (häufig auch als Hämatom bezeichnet) entsteht, wenn Blut aus verletzten Gefäßen in das umliegende Gewebe austritt. Im Mund zeigt sich das oft als dunkler, blauer oder violetter Fleck, manchmal als geschwollenes, rötliches oder blass-violettes Areal. Die Ursachen sind vielfältig: Unfälle, starke Bisse, Zahnbehandlungen oder auch bestimmte Erkrankungen und Medikamente können verantwortlich sein.
Wie erkennt man einen Bluterguss am Zahnfleisch?
Typische Anzeichen sind:
- Lokale Verfärbung (blau-violett, später gelb-grün beim Abbau)
- Schwellung oder kleine Erhebung (bei Blutblase/Blutansammlung)
- leichte bis mäßige Schmerzen oder Druckempfindlichkeit
- Evtl. Blutung bei Berührung
- Konsistenz: teigig oder weich – im Gegensatz zu harten knöchernen Schwellungen
Häufige Ursachen
- Mechanische Verletzungen: Sturz, Schlag auf den Mund, kräftiger Biss auf die Lippe oder das Zahnfleisch.
- Zahnärztliche Eingriffe: Extraktionen, Operationen am Zahnfleisch oder Implantationen können Blutergüsse als Folge von Gewebetrauma zeigen. (Siehe auch: Dental-Lexikon: Hämatom.)
- Blutgerinnungsstörungen und Medikamente: Antikoagulanzien (z. B. Marcumar, NOAKs), Thrombozytenhemmer und seltene Gerinnungsdefekte erhöhen das Risiko.
- Entzündliche Erkrankungen: Schwere Gingivitis oder Parodontitis kann lokal zu Rötung, Petechien oder vereinzelt kleineren Blutergüssen führen.
- Mangelzustände oder systemische Erkrankungen: Vitamin-C-Mangel (Skorbut) oder bestimmte Infektionen können das Zahnfleisch anfälliger machen.
Unterschied: Bluterguss, Blutblase und Zahnhämatom
Wichtig ist die Unterscheidung:
- Bluterguss/Hämatom: Blut im Gewebe unter der Schleimhaut – erscheint flächenhaft verfärbt.
- Blutblase (Hämatom-Blase): Eine sichtbare Erhebung mit Flüssigkeits-/Blutinhalts, die punktiert oder von selbst aufgehen kann.
- Zahnhämatom (innerer Bluterguss im Zahn): Nach Trauma kann das Zahninnere bluten – der Zahn verfärbt sich dunkel (bei Milchzähnen oder bleibenden Zähnen nach Unfall ein Hinweis auf Pulpanekrose).
Diagnose: Was der Zahnarzt/Arzt prüft
Die Untersuchung umfasst:
- Visuelle Inspektion und Abtasten des betroffenen Bereichs
- Anamnese: Traumageschehen, Medikamente, Blutungsneigung
- Röntgenaufnahmen, falls ein Zahn- oder Knochenbefund vermutet wird
- Laboruntersuchungen bei häufiger/spontaner Blutungsneigung (Gerinnungswerte, Blutbild)
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach Ursache und Ausmaß:
- Konservative Beobachtung: Kleine, nicht schmerzhafte Blutergüsse heilen oft von selbst innerhalb von Tagen bis Wochen ab.
- Lokale Maßnahmen: Kühlen (bei frischem Trauma), sanfte Mundhygiene, Vermeiden von Druck und Reizstoffen (z. B. scharfe Speisen).
- Punktion einer Blutblase: Nur durch medizinisches Fachpersonal, sterile Bedingungen – um Infektionen zu vermeiden.
- Behandlung von Infektionen oder entzündlichen Prozessen: Antibiotika oder Parodontaltherapie, wenn nötig.
- Medikationsanpassung: Bei blutungsfördernden Medikamenten Rücksprache mit dem behandelnden Arzt/Zahnarzt.
- Chirurgische Eingriffe: Bei großen hämatombildenden Blutungen oder intrakoronalen Problemen kann ein Eingriff erforderlich sein.
Hausmittel und Alltagstipps
- Kühlen: Kaltkompressen von außen (kurze Intervalle) können Schwellungen mindern; nicht direkt auf die Schleimhaut legen.
- Schonende Mundpflege: Weiche Zahnbürste, vorsichtiges Spülen mit lauwarmem Salzwasser (1/2–1 Teelöffel Salz in 250 ml Wasser).
- Schmerzmanagement: Paracetamol ist meist besser geeignet als ASS/NSAIDs, die die Blutung verstärken können — klären Sie dies mit dem Arzt.
- Keine Manipulation: Finger, spitze Gegenstände oder Nähen an Blutblasen vermeiden.
Spezialfälle: Kinder und nach Zahnbehandlungen
Bei Kleinkindern treten Blutergüsse am Zahnfleisch oft nach Stürzen oder Spielen auf. Beobachten Sie das Kind, kontrollieren Sie Zahnlockerungen und suchen Sie bei anhaltender Blutung oder Zahnverfärbung einen Kinderzahnarzt auf. Nach zahnärztlichen Eingriffen sind Hämatome eine bekannte Nebenwirkung; Ihr Zahnarzt erklärt übliche Symptome und Nachsorgeregeln.
Wann sollten Sie dringend zum Zahnarzt oder Notarzt?
- starke, anhaltende Blutung
- große Schwellung mit Atem- oder Schluckbeschwerden
- starke, zunehmende Schmerzen oder Fieber (Hinweis auf Infektion)
- Zahnverfärbung nach Unfall oder eingeschränkte Zahnbeweglichkeit
- wiederholte spontane Blutergüsse ohne klaren Auslöser
Bei Unsicherheit lieber zeitnah den Zahnarzt oder Hausarzt kontaktieren. Bei lebensbedrohlichen Symptomen (Atemnot, starkem Blutverlust) sofort den Notruf wählen.
Vorbeugung
- Schutz bei Kontaktsport (Mundschutz)
- Sichere Umgebung für Kleinkinder, um Stürze zu reduzieren
- regelmäßige Zahn- und Prophylaxe-Termine zur Erkennung von Zahnfleischerkrankungen
- Kontrolle von Medikamenten und Gerinnungsfaktoren in Rücksprache mit Ärzten
Weiterführende Informationen und Quellen
Für vertiefende Informationen empfehlen sich vertrauenswürdige Seiten wie das Dental-Lexikon (360°zahn) oder medizinische Nachschlagewerke (MSD Manuals). Für allgemeine Informationen zur Parodontitis siehe auch den NDR-Ratgeber (NDR).
Wichtig: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Diagnose. Bei Unsicherheit, starken Beschwerden oder bestehenden Vorerkrankungen suchen Sie bitte eine medizinische Fachperson auf.
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