Abgebrochener Zahn reparieren: Sofortmaßnahmen, Behandlungsmöglichkeiten und Kosten
Ein abgebrochener Zahn ist schmerzhaft und beunruhigend — doch viele Brüche lassen sich gut reparieren. Dieser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, was Sie sofort tun können und welche zahnärztlichen Optionen es zur Reparatur gibt.
Was tun bei einem abgebrochenen Zahn? Erste Schritte
Ein abgebrochener Zahn erfordert schnelles, ruhiges Handeln. Je nach Schwere des Schadens kann eine sofortige Behandlung nötig sein, um Schmerzen zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.
Ruhig bleiben und Lage einschätzen
- Atmen Sie tief durch und prüfen Sie, ob Blutungen oder starke Schmerzen vorliegen.
- Suchen Sie das abgeschlagene Zahnfragment — es kann bei Wiederbefestigung helfen.
Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Spülen Sie den Mund mit lauwarmem Wasser, um Schmutz und Blut zu entfernen.
- Blutungen mit sauberer Gaze oder Tuch für 10–15 Minuten leicht komprimieren.
- Schmerz: Bei Bedarf ein Schmerzmittel nach Packungsangabe (z. B. Ibuprofen oder Paracetamol) einnehmen, sofern keine Kontraindikationen bestehen.
- Bewahren Sie das Bruchstück in Milch, Kochsalzlösung oder der Mundhöhle (neben der Wange) auf — nicht in reines Wasser legen.
- Bei großen, scharfkantigen Fragmenten kann vorübergehend Wachs oder zuckerfreier Kaugummi zum Schutz der Lippen/Zunge angebracht werden.
Wann ist es ein Notfall?
Suchen Sie umgehend einen Notfallzahnarzt auf, wenn:
- starke Blutungen nicht stoppen,
- der Zahn deutlich verrutscht oder aus der Verankerung herausgerissen ist,
- offene, sichtbare Zahnnerven zu sehen sind (starker, stechender Schmerz),
- starke Schwellung oder Atem-/Schluckbeschwerden auftreten.
Wie repariert der Zahnarzt einen abgebrochenen Zahn? Behandlungsoptionen
Die gewählte Methode hängt vom Ausmaß des Bruchs, von der Lage (Front- oder Backenzahn), dem Zustand des Zahnnervs und vom Vorhandensein des Bruchstücks ab.
1) Wiederbefestigung des Bruchstücks
Wenn das Bruchstück vorhanden und intakt ist, kann der Zahnarzt es oft mit einem speziellen Kleber wieder ansetzen. Vorteil: sehr natürliche Optik und minimalinvasiv. Haltbarkeit hängt von Bruchgrösse, Belastung und Pflege ab.
2) Kompositaufbau (Dentalbonding)
Bei kleineren bis mittelgroßen Absplitterungen ist das zahnfarbene Composite (Kunststoff) die häufigste Lösung. Der Zahnarzt formt und härtet den Werkstoff mittels Blaulicht, Farbe und Form werden an die Nachbarzähne angepasst. Vorteile: schnell, kostengünstig, ästhetisch.
3) Veneer (Verblendschale)
Für sichtbare Frontzähne kann ein dünnes Porzellan- oder Composite-Veneer eine langlebige ästhetische Lösung sein. Veneers brauchen meist etwas Präparation des Zahns und sind teurer als Bonding.
4) Krone (Überkronung)
Bei größeren Substanzverlusten oder wenn der Zahn stark geschwächt ist, schützt eine Krone den Zahn langfristig. Kronen werden aus Keramik oder Metall-Keramik gefertigt und sind sehr stabil.
5) Wurzelbehandlung plus Aufbau
Wenn der Zahnnerv (Pulpa) verletzt oder infiziert ist, ist eine Wurzelkanalbehandlung notwendig, bevor ein Aufbau, eine Krone oder ein anderes Restaurationsverfahren erfolgt.
6) Zahnextraktion und Zahnersatz
Ist der Zahn nicht erhaltungswürdig (z. B. stark zerbrochen unter dem Kieferknochen), wird er entfernt. Ersatzoptionen sind Implantat, Brücke oder herausnehmbarer Zahnersatz. Ein Implantat ist die langlebigste, aber oft teuerste Lösung.
Kosten & Haltbarkeit: Was kann man erwarten?
Die Kosten variieren stark je nach Methode und Material. Richtwerte (Deutschland, 2025) als grobe Orientierung:
- Wiederbefestigung: geringere Kosten, oft im Rahmen einer einfachen Füllung.
- Kompositaufbau (Bonding): 80–400 € pro Zahn (je nach Umfang und Praxis).
- Veneer: 300–900 € pro Zahn (Materialabhängig).
- Krone: 500–1500 € pro Zahn (Teil der Kosten ggf. erstattungsfähig durch Kasse mit Festzuschuss).
- Implantat: 2.000–4.500 € inklusive Krone (stark abhängig von Material, Vorbehandlungen).
Haltbarkeit: Bondings halten in der Regel mehrere Jahre, Veneers und Kronen deutlich länger (10–20 Jahre oder mehr bei guter Pflege). Genauere Zahlen hängen von Biss, Zahnpflege und regelmäßigen Kontrollterminen ab.
Nachsorge und Pflege nach Reparatur
- Vermeiden Sie in den ersten Tagen harte, klebrige oder sehr heiße Speisen auf der behandelten Seite.
- Pflegen Sie die Zähne gründlich: zweimal täglich Zähneputzen, einmal täglich Zahnseide oder Interdentalbürsten.
- Vereinbaren Sie Kontrolltermine beim Zahnarzt, um die Restaurationsränder und Funktion zu prüfen.
- Bei anhaltenden Schmerzen, Schwellungen oder Sensibilitätsveränderungen sofort zurück zur Praxis.
Prävention: So beugen Sie zukünftigen Brüchen vor
- Schonend essen (keine harten Nüsse/Bonbons mit Frontzähnen knacken).
- Bei Sportarten mit Kontakt: einen Mundschutz tragen.
- Zähneknirschen (Bruxismus): ggf. Aufbissschiene nachts tragen.
- Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und frühzeitige Versorgung von Karies oder großen Füllungen.
Fragen & Antworten (Kurz)
Kann jeder abgebrochene Zahn wieder aufgebaut werden?
Viele Absplitterungen und Brüche lassen sich erhalten oder reparieren. Wenn der Zahn allerdings stark zerstört oder der Wurzelbereich betroffen ist, kann eine Extraktion nötig werden.
Sollte ich das Bruchstück mitbringen?
Ja. Wenn möglich, bringen Sie das Bruchstück zum Zahnarzt — es erhöht die Chancen auf eine natürliche Rekonstruktion.
Hilft die Krankenkasse?
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt in der Regel nur Basisleistungen. Für hochwertige ästhetische Lösungen wie Veneers oder Keramikkronen fallen oft Eigenleistungen an. Sprechen Sie mit Ihrer Praxis über Kosten und Zuschüsse.
Weitere zuverlässige Informationen finden Sie z. B. bei "Zahnärzte im Netz": https://www.zahnaerzte-im-netz.de/ oder direkt in Ihrer Zahnarztpraxis. Diese Informationen ersetzen keine zahnärztliche Untersuchung — konsultieren Sie bei einem abgebrochenen Zahn zeitnah Ihren Zahnarzt.