Kokosöl Zahnpflege: Ölziehen, Anwendung und was wirklich hilft
Kokosöl ist ein Trend in der Mundhygiene — vom Ölziehen bis zur DIY-Zahnpasta. Aber was kann kokosöl in der Zahnpflege tatsächlich leisten, welche Risiken gibt es und wie wendet man es richtig an? Dieser Artikel erklärt Wirkweise, Anwendung, Studienlage und praktische Tipps.
Was bedeutet Kokosöl Zahnpflege? Ein kurzer Überblick
Unter dem Begriff "kokosöl zahnpflege" versteht man verschiedene Anwendungen des Pflanzenöls im Mundbereich. Am bekanntesten ist das Ölziehen (engl. "oil pulling"): Öl wird für mehrere Minuten im Mund bewegt, um Bakterien und Beläge zu lösen. Daneben wird Kokosöl auch als Zusatz in selbstgemachter Zahnpasta oder als sanfter Ersatz für Mundspülungen verwendet.
Warum gerade Kokosöl?
Kokosöl enthält Laurinsäure, eine Fettsäure mit antibakteriellen Eigenschaften in Laborstudien. Viele Anwender berichten über frischeren Atem, weniger Zahnfleischreizungen oder leicht aufgehellte Zähne. Wegen seines angenehmen Geschmacks und weil es bei Zimmertemperatur fest ist, ist natives Kokosöl (extra virgin) für die Mundpflege besonders beliebt.
Was sagt die Wissenschaft? Kurzfassung der Studienlage
Die Forschung zum Ölziehen mit Kokosöl ist noch begrenzt. Einige kleine Studien zeigen, dass Ölziehen Plaque und Gingivitis (Zahnfleischentzündung) reduzieren kann, oft vergleichbar mit kontrollierten Maßnahmen. Allerdings fehlen groß angelegte, hochwertige Langzeitstudien. Wichtige Punkte:
- Kleine Studien weisen auf eine Reduktion von Streptococcus-mutans-Bakterien hin.
- Ölziehen kann kurzfristig Mundgeruch lindern und das Zahnfleisch beruhigen.
- Es gibt keine belastbaren Belege dafür, dass Kokosöl Karies verhindert oder tiefergehende zahnmedizinische Therapien ersetzt.
Fazit: Kokosöl kann eine sinnvolle Ergänzung sein, ist aber kein Ersatz für Zahnbürste, fluoridhaltige Zahnpasta und professionelle Zahnreinigung. Mehr zu allgemeinen Empfehlungen lesen Sie z. B. bei der Bundeszahnärztekammer: bzaek.de oder in Übersichten auf PubMed: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov.
Anleitung: Ölziehen mit Kokosöl (Schritt für Schritt)
- Nehmen Sie 1 Teelöffel bis 1 Esslöffel natives Kokosöl (bei Erwärmung flüssig).
- Bewegen Sie das Öl 5–20 Minuten sanft durch die Zahnzwischenräume, vorn und hinten — ohne zu gurgeln oder zu schlucken.
- Spucken Sie das Öl in ein Taschentuch oder die Mülltonne (nicht ins Waschbecken, weil das Fett Rohre verstopfen kann).
- Spülen Sie den Mund mit Wasser aus und putzen Sie anschließend die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
Häufigkeit: 3–7 Mal pro Woche oder täglich, je nach persönlichem Empfinden. Beginnen Sie mit kürzeren Zeiten (5–10 Minuten) und steigern Sie, wenn es angenehm ist.
Praktische Tipps und Varianten
- Wählen Sie ein kaltgepresstes, natives Kokosöl (kein raffiniertes) für Geschmack und Inhaltsstoffe.
- Bei empfindlichem Zahnschmelz lieber kürzere Sitzungen; Ölziehen wirkt mechanisch, nicht abrasiv.
- Beliebte DIY-Varianten: Kokosöl mit einer Prise Kurkuma oder Zimt. Kurkuma kann färben — Vorsicht bei Kleidung.
- Für selbstgemachte Zahncremes wird Kokosöl oft mit Natron (Backpulver) kombiniert. Natron ist leicht abrasiv; nicht zu häufig anwenden, um den Zahnschmelz zu schützen.
Wirkungen, die oft genannt werden
- Reduzierung von Plaque und Mundgeruch (kurzfristig).
- Linderung von Zahnfleischentzündungen bei regelmäßiger Anwendung.
- Leichte Aufhellung durch Entfernen oberflächlicher Verfärbungen.
Wichtig: Viele dieser Effekte beruhen auf Anwenderberichten und kleineren Studien — wissenschaftlich gesichert sind nur einige kurzfristige Verbesserungen.
Risiken und Gegenanzeigen
- Aspiration: Bei unsachgemäßer Anwendung (versehentliches Einatmen) besteht in seltenen Fällen das Risiko einer lipoiden Pneumonie. Vorsicht bei kleinen Kindern, älteren oder schluckgeschwächten Personen.
- Allergien: Wer auf Kokosnuss- oder andere Pflanzenöle allergisch reagiert, sollte verzichten.
- Schlucken vermeiden: Das Öl bindet Bakterien; daher nicht runterschlucken.
- Reinigungsaufwand: Ölreste können Geschirr und Abflüsse verstopfen — korrekt entsorgen.
Kokosöl vs. herkömmliche Zahnpflege
Kokosöl kann als ergänzende Methode dienen, ersetzt aber nicht:
- das zweimal tägliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta,
- die tägliche Zahnzwischenraumreinigung (Zahnseide oder Interdentalbürsten),
- regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt.
Fazit: Für wen eignet sich Kokosöl Zahnpflege?
Kokosöl in der Zahnpflege ist eine natürliche, meist gut verträgliche Ergänzung zur täglichen Mundhygiene. Es kann Mundgeruch reduzieren, Zahnfleischreizungen lindern und oberflächliche Verfärbungen entfernen. Zugleich ist die wissenschaftliche Basis begrenzt und Kokosöl keine Alternative zur fluoridhaltigen Zahnpasta oder zu zahnärztlichen Behandlungen.
Empfehlung: Probieren Sie Ölziehen bei Interesse als Zusatz zur etablierten Zahnpflege und sprechen Sie bei Zahnfleischproblemen, Kariesverdacht oder Unsicherheiten mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt.
Weiterführende Links und Quellen:
- Bundeszahnärztekammer: www.bzaek.de
- Übersicht wissenschaftlicher Artikel: PubMed-Suche: oil pulling coconut
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