Socket Preservation: Schritt‑für‑Schritt Ablauf nach Zahnextraktion
Kurz und prägnant: Dieser Artikel erklärt, wann eine Socket Preservation sinnvoll ist und beschreibt den genauen Ablauf — von der Vorbereitung über die OP‑Schritte bis zur Heilung und Nachsorge. Ideal für Patientinnen und Patienten, die wissen möchten, was sie erwartet.
Was versteht man unter Socket Preservation?
Die Socket Preservation ist ein zahnärztlich‑chirurgisches Verfahren, das unmittelbar nach einer Zahnextraktion durchgeführt wird, um das Volumen des Kieferknochens (Alveole) zu erhalten. Ziel ist es, den natürlichen Knochenabbau zu reduzieren und später eine optimale Basis für ein Implantat oder eine prothetische Versorgung zu schaffen.
Wann ist eine Socket Preservation indiziert?
- Geplante Implantatversorgung an der Extraktionsstelle
- Ästhetisch anspruchsvolle Bereiche (v. a. im Frontzahnbereich)
- Fehlende vestibuläre Knochenlamelle oder drohender Knochenverlust
- Patienten mit hohem Risiko für Knochenschwund (z. B. nach Endodontie, Parodontitis)
Vorbereitung: Aufklärung und Planung
Vor dem Eingriff erfolgt eine umfassende Befundaufnahme: klinische Untersuchung, Röntgenaufnahme oder 3D‑DVT, Besprechung der Alternativen und Aufklärung über Risiken, Materialien und Kosten. Bei Bedarf werden medikamentöse Vorbehandlungen (Antibiotika, Antiphlogistika) und eine Anästhesie (lokal oder sedierend) geplant.
Typische Materialien
- Knochenersatzmaterial: xenogene (z. B. bovin), allogene oder synthetische Substitute
- Membranen: resorbierbare (z. B. Kollagen) oder nicht‑resorbierbare Barrieremembranen
- Eigenblutprodukte: PRF/PRP zur Förderung der Heilung
- Eigenknochen: selten, nur bei speziellen Indikationen
Socket Preservation Ablauf — Schritt für Schritt
Der typische Ablauf einer Socket Preservation lässt sich in klaren Phasen beschreiben:
1. Betäubung und Zugang
Der Eingriff beginnt mit einer lokalen Betäubung. Optional kann eine Sedierung angeboten werden. Ziel ist eine schmerzfreie, entspannte Behandlung.
2. Atraumatische Zahnextraktion
Der Zahn wird schonend entfernt, um die umgebenden Knochenwände — vor allem die dünne vestibuläre Lamelle — zu erhalten. Moderne Techniken (Luxatoren, periotomische Instrumente) minimieren Traumatization.
3. Reinigung der Alveole
Nach Entfernung des Zahns wird das Zahnfach gründlich von Granulationsgewebe und ggf. entzündlichem Gewebe gereinigt. Man achtet auf intakte Knochenränder.
4. Einbringen des Knochenersatzmaterials
Das vorbereitete Knochenersatzmaterial wird formfüllend in das Socket eingebracht. Ziel ist, das Volumen so zu rekonstruieren, dass später genug Knochensubstanz für ein Implantat vorhanden ist.
5. Abdeckung (Membran) und Weichgewebsverschluss
Oft wird eine Barrieremembran über das aufgefüllte Socket gelegt, um Weichgewebe‑Einwucherung zu verhindern und die Knochenneubildung zu unterstützen. Anschließend wird der Weichgewebsrand spannungsfrei vernäht.
6. Abschließende Kontrolle
Röntgenaufnahmen zur Lagekontrolle und eine Instruktion zur Nachsorge schließen den Eingriff ab.
Heilungsverlauf und Zeitplan
Die Initialheilung erfolgt in 1–2 Wochen (Fadenzug meist nach 7–14 Tagen). Die Knochenregeneration benötigt je nach Material und individueller Situation 3–6 Monate, bevor ein Implantat gesetzt werden kann. In einigen Fällen ist eine längere Einheilzeit sinnvoll.
Risiken und mögliche Komplikationen
- Wundheilungsstörungen oder Infektionen
- Partielle Resorption des eingebrachten Materials
- Gefühlstörungen bei nahen Nerven (selten)
- Unzureichendes Knochenvolumen trotz Maßnahme — Folgeaugmentation möglich
Die sorgfältige Auswahl des Materials, atraumatische Technik und gute Mundhygiene reduzieren Risiken deutlich.
Kosten und Abrechnung
Die Preise schwanken je nach Material (xenogen, allogen, synthetisch), Einsatz einer Membran und Aufwand. Privatpatienten rechnen oft nach GOZ ab; gesetzlich Versicherte tragen in vielen Fällen einen Teil oder bezahlen die Maßnahme privat. Klären Sie Kosten und Alternativen vor Behandlungsbeginn.
Nachsorge: Was Patientinnen und Patienten beachten sollten
- Schonende Mundhygiene: keine Bürste direkt auf die Wunde für 1–2 Tage
- Kühlen in den ersten 24 Stunden, Schmerzmittel nach Bedarf
- Keine harten Speisen und kein Rauchen (mind. 7–14 Tage)
- Kontrolltermine zum Wundstatus und Fadenzug
Alternativen und Abwägung
Bei geringer ästhetischer Anforderung oder wenn später keine Implantatversorgung geplant ist, kann auf die Socket Preservation verzichtet werden. Andere Optionen sind späterer lateraler Knochenaufbau oder Sofortimplantation mit simultaner Augmentation — die Indikation richtet sich nach Zustand der Alveole und individueller Implantatplanung.
Praxisressourcen und weiterführende Links
- Straumann Patienteninfo: Socket Preservation
- Septodont: Hinweise zur Socket Preservation
- Beispiel Ablaufbeschreibung einer Zahnarztpraxis
Kurzfazit
Die Socket Preservation ist eine bewährte Methode, um nach einer Extraktion Knochenvolumen zu erhalten und die Grundlage für spätere Implantate oder ästhetische Versorgungen zu verbessern. Ein klar strukturierter Ablauf — von der atraumatischen Extraktion über die Auffüllung bis zur Membran‑Abdeckung und kontrollierter Nachsorge — erhöht die Erfolgschancen deutlich. Besprechen Sie Indikation, Materialien und Kosten ausführlich mit Ihrem Behandler, um den für Sie passenden Plan zu finden.