Fränkel III: Wie der Funktionsregler Klasse‑III‑Fälle frühzeitig korrigiert
Der Funktionsregler nach Fränkel Typ III ist eine klassische, herausnehmbare Apparatur zur Behandlung von Progenie (Unterkiefervorstand). Dieser Artikel erklärt Wirkungsweise, Einsatzgebiete, Tragedauer, Vor‑ und Nachteile sowie moderne Alternativen — verständlich und praxisnah.
Viele Eltern und Patienten stoßen beim Stichwort Progenie oder Klasse III auf die Bezeichnung fränkel iii. Dabei handelt es sich um einen Funktionsregler, der gezielt das Wachstum des Mittelgesichts und das Kieferverhältnis beeinflussen soll. Im Folgenden lesen Sie, wann diese Apparatur sinnvoll ist, wie sie wirkt, worauf Sie bei Tragezeit und Pflege achten sollten und welche Alternativen es heute gibt.
Was ist der Funktionsregler nach Fränkel Typ III?
Der Funktionsregler wurde in den 1970er Jahren von Rolf Fränkel entwickelt. Typ III (häufig kurz: FR‑3 oder Fränkel III) ist speziell für Patienten mit einem zu weit zurückliegenden Oberkiefer oder einem zu weit nach vorne stehenden Unterkiefer (Progenie) konzipiert. Die Geräteform ist herausnehmbar und besteht aus Kunststofftiefenplatten, Labialbögen und Halteelementen, die die Weichteile (Lippen, Wangen, Zunge) so umformen, dass günstige Muskelkräfte auf die Kiefer wirken.
Wirkprinzip — wie kann ein herausnehmbares Gerät Knochenwachstum lenken?
Der FR‑3 nutzt Muskel-Umformung: Durch spezielle Kunststofffläche am Oberkiefer wird das Weichgewebe verlagert und dadurch das maxillare Wachstum (Wachstum des Oberkiefers / Mittelgesichts) stimuliert. Gleichzeitig wirkt die Konstruktion der Unterkieferlage entgegen. Bei konsequentem Tragen bewirken diese veränderten Muskelkräfte eine Wachstumsumlenkung und damit Improvement des sagittalen Kieferverhältnisses.
Indikationen — wann ist eine Behandlung mit fränkel iii sinnvoll?
- Frühe Klasse‑III‑Fehlbiß diagnosis (prognostisch günstige Wachstumsphase, meist im Milch‑/ Wechselgebiss).
- Retrognathie des Oberkiefers oder prognather Unterkiefer in wachstumsaktiven Patienten.
- Als präventive/unterstützende Maßnahme vor festsitzender Multibracket‑Behandlung oder vor einem möglichen chirurgischen Eingriff.
Alter und Timing
Die fränkel iii‑Apparatur wirkt am besten in der Wachstumsphase — meist zwischen 6 und 12 Jahren, je nach individueller Entwicklung. Ein früher Behandlungsbeginn kann das Kieferwachstum günstiger lenken; zu spät gestartete Behandlungen bei ausgewachsenem Patienten zeigen deutlich eingeschränkte Ergebnisse.
Tragezeit und Pflege
Der Erfolg hängt stark von der Compliance ab. Empfohlen wird in vielen Fällen Tag‑und‑Nacht‑Tragen (auch nachts), also häufig 20–23 Stunden/Tag. Kurze Tragezeiten reduzieren den Effekt deutlich. Pflegehinweise:
- Täglich reinigen (weiche Bürste, milde Seife, kein kochendes Wasser).
- Apparat nachts in einem sauberen Behälter aufbewahren, nicht in Taschentüchern — Gefahr des Verschluckens/Erstickens bei Kleinkindern.
- Regelmäßige Kontrollen beim Kieferorthopäden (alle 6–8 Wochen).
Vorteile und Grenzen
Vorteile
- Herausnehmbar — bessere Mundhygiene als bei festsitzenden Geräten.
- Wirksam, wenn rechtzeitig begonnen und konsequent getragen.
- Kann Operationen vermeiden oder aufschieben.
Grenzen
- Erfolg ist stark von Compliance abhängig.
- Bei stark ausgeprägten skelettalen Fehlstellungen oder bei Erwachsenen meist unzureichend — ggf. kieferchirurgische Maßnahmen erforderlich.
- Ästhetische und sprachliche Beeinträchtigungen in der Anfangszeit möglich.
Herstellung und Behandlungsablauf
- Diagnostik: Modell, Röntgen (z. B. Fernröntgen), Fotos.
- Konstruktionsbiss: Der Unterkiefer wird vom Behandler in die gewünschte Lage gebracht.
- Laborherstellung des FR‑3 nach Konstruktionsbiss.
- Eingliederung und regelmäßige Anpassungen während der Behandlung.
Alternativen und ergänzende Maßnahmen
Je nach Ursache und Schweregrad kommen folgende Alternativen oder Ergänzungen in Frage:
- Chin‑Cup (Kinnriemen) — kontrovers in Wirksamkeit, vor allem bei milderen Fällen.
- Facemask (Delaire‑Maske) — extrinsische Vorverlagerung des Oberkiefers bei jungen Patienten.
- Festsitzende Orthodontie (Multibracket); Kombination von Funktions‑ und festsitzenden Apparaturen.
- Orthognathe Chirurgie — bei Erwachsenen oder sehr starken skelettalen Diskrepanzen.
Erwartungshaltung und Erfolgsaussichten
Mit fränkel iii lassen sich bei geeigneten Fällen in der Wachstumsphase gute Ergebnisse erreichen — besonders, wenn die Behandlung früh beginnt und die Tragezeit hoch ist. Langzeitstabilität hängt vom Ausmaß der initialen Fehlstellung, vom Wachstumsmuster und von der weiteren kieferorthopädischen Nachsorge ab.
Praxislinks und weiterführende Quellen
- Funktionsregler — Wikipedia (allgemeiner Überblick)
- Kieferorthopädie Am Schlossplatz — Fränkel Apparatur (Praxisinfo)
- Fachartikel: Der Funktionsregler nach Fränkel Typ FR‑3
Häufig gestellte Fragen (Kurz‑FAQ)
Ist die Behandlung schmerzhaft? In der Regel treten nur leichte Anfangsbeschwerden und Druckempfindlichkeit auf, die nach einigen Tagen abklingen.
Wie lange dauert die Behandlung? Abhängig vom Befund: oft mehrere Monate bis 1–2 Jahre inklusive Nachsorge und eventuell anschließender fester Spange.
Kann die Apparatur die Sprache stören? Ja, anfangs kann Lispeln oder verändertes Sprechen auftreten, die sich meist innerhalb kurzer Zeit verbessern.
Fazit
Der Funktionsregler nach Fränkel Typ III ist eine bewährte Option zur Behandlung von Klasse‑III‑Verhältnissen in der Wachstumsphase. Er bietet vor allem bei frühzeitiger Indikation die Chance, das Kieferwachstum günstig zu beeinflussen und größere Eingriffe zu vermeiden. Entscheidend sind eine sorgfältige Diagnostik, ein individuell angepasster Behandlungsplan und vor allem die konsequente Mitarbeit des Patienten.
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