Delaire-Maske: Welche sinnvollen Alternativen gibt es bei einem zurückliegenden Oberkiefer?
Die Delaire‑Maske (Gesichtsmaske zur maxillären Protraktion) ist ein klassisches Mittel bei einem zu kleinen Oberkiefer. Aber sie ist nicht die einzige Option. In diesem Artikel erkläre ich gängige Alternativen, Vor‑ und Nachteile sowie wann welche Lösung sinnvoll sein kann.
Kurzüberblick: Wann wird die Delaire‑Maske überhaupt eingesetzt?
Die Delaire‑Maske, oft auch Gesichtsmaske oder „Face‑Mask“ genannt, wird überwiegend bei Kindern und Jugendlichen mit maxillärer Retrognathie (zu weit zurückliegender Oberkiefer, Angle Klasse III oder negative Frontzahnstufe) eingesetzt. Sie übt nach vorne wirkende Kräfte auf den Oberkiefer aus und soll das Knochenwachstum anregen bzw. den Oberkiefer nach vorne verlagern. Die Behandlung ist wachstumsabhängig und erfordert in der Regel Compliance (Tragedauer der Maske).
Warum nach Alternativen suchen?
Gründe für die Suche nach einer delaire maske alternative können sein:
- fehlende oder schlechte Mitarbeit (Kinder, die die Maske nicht lange genug tragen)
- ästhetische oder soziale Gründe (gesichtliche Abdeckung)
- unerwünschte dentale Effekte wie Zahnfehlstellungen durch Zug auf die Zähne
- Alter oder fortgeschrittenes Wachstum, das die Wirkung der Maske einschränkt
Bewährte Alternativen zur Delaire‑Maske
Hier die wichtigsten Alternativen mit kurzer Einordnung:
1) Knochenverankerte Protraktion (BAMP, Miniplaques / Minischrauben)
Beschreibung: Mini‑Plates oder Minischrauben werden operativ im Kieferknochen verankert. An ihnen kann mit Gummizügen eine Vorverlagerung des Oberkiefers erfolgen.
Vorteile:
- skeletale Korrektur mit weniger dentalen Nebenwirkungen (weniger Zahnkippung)
- gut geeignet bei älteren Jugendlichen, wenn klassische Masken weniger wirken
Nachteile: invasive Verankerung (kleiner chirurgischer Eingriff), höhere Kosten, erfordert operativen Eingriff und Erfahrung des Kieferchirurgen/Kieferorthopäden.
2) Hybride GNE / RPE + Protraktion (Hybrid‑Gaumennahterweiterung)
Beschreibung: Kombination aus Gaumennahterweiterungsgerät (RPE/GNE) und einer Protraktionskomponente; oft mit oraler oder knöchern verankerter Unterstützung.
Vorteile: korrigiert gleichzeitig transverse Enge und sagittale Rücklage; kann effektiver sein als Einzelmaßnahmen.
Nachteile: erfordert sorgfältige Indikationsstellung und meist intensive Behandlung.
3) Funktionsapparate (z. B. Frankel III)
Beschreibung: Herausnehmbare funktionskieferorthopädische Geräte, die Weichgewebe und Muskelkräfte umleiten, um das Kieferwachstum zu beeinflussen.
Vorteile: nicht‑chirurgisch, weniger auffällig als Gesichtsmaske.
Nachteile: meist nur bei leichteren Fällen wirksam; auch hier intensivierte Mitarbeit nötig.
4) Kinnhaube / Chin‑Cup
Beschreibung: Wird häufiger bei dominanter Unterkieferentwicklung eingesetzt, geht gegen Wachstum oder Position des Unterkiefers vor.
Hinweis: Bei echten maxillären Defiziten selten die erste Wahl; Wirkung und Indikation müssen sorgfältig geprüft werden.
5) Klasse‑III‑Elastiken in Kombination mit festsitzender Apparatur
Beschreibung: Gummizüge zwischen Ober- und Unterkiefer in Kombination mit Brackets, um sagittale Beziehungen zu verbessern.
Vorteile: gute Kontrolle zahnärztlicher Komponenten, weniger auffällig als Gesichtsmaske.
Nachteile: mehr dentale (Zahn‑)Bewegung, abhängig von Mitarbeit.
6) Orthognathe Chirurgie / Distraktionsosteogenese
Beschreibung: Optionen für ältere Jugendliche und Erwachsene mit schwerer Skeletalanomalie. Orthognathe Chirurgie verlagert Kieferknochen operativ; Distraktionsosteogenese kann knöcherne Längenänderung schrittweise erzeugen.
Vorteile: definitive Lösung bei ausgeprägten Fehlstellungen.
Nachteile: operativ, stationär, höhere Risiken und Kosten; keine Wachstumskorrektur bei Kindern.
Worauf bei der Wahl der Alternative achten?
- Alter und Wachstumsstatus: Gesichtsschädelwachstum bestimmt Erfolg – frühe Wachstumsphasen sind für nicht‑chirurgische Maßnahmen am besten.
- Schweregrad der Fehlstellung: Leichte Fälle kommen oft mit funktionskieferorthopädischen Geräten zurecht; schwere Fälle benötigen oft knöcherne Verankerung oder Chirurgie.
- Mitarbeit: Viele konservative Alternativen verlangen Compliance; knöcherne Verankerung verringert die Abhängigkeit von Patientendisziplin.
- Ästhetik und Lebensqualität: Gesichtsmasken sind sichtbar; manche Familien bevorzugen diskretere Lösungen.
- Risiken und Nebenwirkungen: Fehlbelastung kann Zahnstellung verändern oder Weichgewebsreizungen verursachen; langfristige Stabilität prüfen.
Was sagen Studien und Fachmeinungen?
Fachliteratur zeigt: Protraktionsgesichtsmasken wie die Delaire‑Maske können bei wachsenden Patienten eine wirksame skelettale Vorverlagerung erreichen. Moderne, knöchern verankerte Methoden (Miniplates / BAMP) reduzieren dentale Kompensationen und sind besonders bei älteren Kindern/Jugendlichen effektiv. Die Wahl sollte individuell und evidenzbasiert erfolgen; fragen Sie Ihren Kieferorthopäden nach Studien und Fallbeispielen.
Praktische Tipps für Eltern und Patienten
- Lassen Sie eine genaue Wachstumsdiagnostik (Kfo‑Befund, Röntgen‑Ceph, evtl. 3D‑Bildgebung) erstellen.
- Fragen Sie nach Vor‑ und Nachher‑Bildern und alternativ möglichen Therapieplänen.
- Erkundigen Sie sich nach den zu erwartenden Tragezeiten, Risiken und Kosten (operative Optionen sind teurer).
- Holen Sie bei Unsicherheit eine zweite Meinung ein — speziell vor invasiven Eingriffen.
Weiterführende Links
Mehr Informationen und Fachmeinungen finden Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (z. B. dgkfo.de) oder in Patienteninfos kieferorthopädischer Praxen. Für spezielle Fälle sprechen Sie mit einem auf Kinder‑ und Jugendkieferorthopädie spezialisierten Kollegen.
Fazit
Die delaire maske alternative hängt stark von Alter, Schweregrad, gewünschtem Ergebnis und Mitarbeit ab. Von nicht‑invasiven Funktionsgeräten über hybride RPE‑Konzepte bis zu knöchernen Verankerungen und chirurgischen Lösungen ist die Bandbreite groß. Eine individuelle Diagnostik und eine ausführliche Beratung durch einen spezialisierten Kieferorthopäden sind entscheidend, um die beste, nachhaltigste Lösung für Ihr Kind oder sich selbst zu finden.
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