Zahnarztpraxis Gewinn steigern: Praxistipps, Benchmarks und ein 12‑Monate‑Plan
Wie viel Gewinn ist realistisch für eine Zahnarztpraxis — und wie steigern Sie ihn systematisch? Dieser praxisorientierte Leitfaden zeigt Kennzahlen, konkrete Hebel und ein umsetzbares Maßnahmenpaket für die nächsten 12 Monate.
Warum der Praxisgewinn mehr ist als ein Zahlenwert
Der Gewinn einer Praxis entscheidet über Ihre berufliche Freiheit, Investitionsspielräume und die Altersvorsorge. Gleichzeitig ist er ein Indikator für effiziente Abläufe, sinnvolle Leistungsmixe und wirtschaftliche Personalplanung. Viele Praxen erzielen nur geringe Renditen, während Top‑Praxen deutlich über 200.000 € Jahresgewinn liegen – laut Auswertungen erzielen etwa ein Viertel der Praxen solche Werte (Praxis Plus).
Wichtige Kennzahlen und Benchmarks
- Umsatzrendite (Gewinn / Umsatz): Zielwerte liegen je nach Praxisstruktur häufig zwischen 15–30 %. Top‑Praxen erreichen teils höhere Werte.
- Umsatz pro Behandler / Behandlungsstunde: misst Produktivität und Auslastung.
- Anteil GKV / PKV / privat: Viele Praxen erzielen rund die Hälfte ihrer Einnahmen aus der GKV (ZM Online); ein höherer Privatanteil erhöht in der Regel die Marge.
- Material- und Laborkostenquote: zu hohe Werte drücken den Gewinn stark.
- Personalkostenquote: Effizienz von Assistenz, Prophylaxe und Verwaltung beeinflusst die Rentabilität wesentlich.
Einnahmen steigern – Hebel mit hoher Wirkung
- Leistungsmix optimieren: Analysieren Sie, welche Leistungen den höchsten Deckungsbeitrag liefern (Implantate, ästhetische Behandlungen, Prophylaxe‑Programme) und fördern Sie diese gezielt.
- Recall‑ und Cross‑Selling: Automatisierte Recall‑Systeme erhöhen Termintreue und Zusatzbehandlungen (z. B. Prophylaxe, Aufbauten).
- Preisanpassungen prüfen: Regelmäßige Überprüfung der GOZ‑Positionen und kalkulierter Preislisten; transparente Kommunikation mit Patienten.
- Private Leistungen ausbauen: Höherwertige Materialien, digitale Services (Intraoral‑Scanner, CAD/CAM) und Ästhetik erhöhen den Privatumsatz.
- Öffnungszeiten flexibilisieren: Abend‑ oder Samstagssprechstunden können zusätzliche Nachfrage erschließen.
Kosten senken ohne Qualitätseinbußen
- Laborkosten verhandeln: Bündelung von Fällen, Rahmenvereinbarungen oder Wechsel zu günstigeren Laboren reduzieren Kosten.
- Materialmanagement: Verbrauchsanalysen, Lageroptimierung und Staffelpreise vermeiden Verschwendung.
- Personaleinsatz optimieren: Aufgaben delegieren (Prophylaxe durch speziell geschultes Personal), Schichtpläne an Patientenaufkommen anpassen.
- Digitale Prozesse: Digitale Dokumentation, elektronische Abrechnung und Online‑Terminbuchung sparen Verwaltungsaufwand.
- Fixkosten prüfen: Mieten, Versicherungen, Telefon/IT – regelmäßige Prüfungen und Ausschreibungen lohnen sich.
Praxisorganisation: Produktivität systematisch erhöhen
Eine reibungslose Organisation erhöht Kapazität und Patientenzufriedenheit. Konkrete Maßnahmen:
- Standardisierte Behandlungsabläufe (Checklisten, SOPs) für Routinefälle.
- Vorbereitung von Behandlungsräumen durch Dentalassistenten (chairside‑Management).
- Kontinuierliches Training: Verkaufsgespräche, Behandlungsannahme und Kommunikation.
- Digitale Terminplanung mit Puffern und automatischen Erinnerungen.
Beispielrechnung: So wirkt sich Umsatz auf Gewinn aus
Ein einfaches Rechenbeispiel zur Orientierung:
- Umsatz Praxis: 600.000 €
- Material & Labor: 110.000 € (18 %)
- Personalkosten: 220.000 € (37 %)
- Betriebskosten & Sonstiges: 90.000 € (15 %)
- Ergebnis (Gewinn vor Steuern): 180.000 € (30 % Umsatzrendite)
Verbessern Sie in diesem Beispiel die Materialquote um 3 Prozentpunkte (Sparpotenzial durch Verhandlungen) und erhöhen den Privatumsatz um 5 % durch gezielte Angebote — der Gewinn kann deutlich steigen.
12‑Monate‑Maßnahmenplan (konkret)
- Monat 1–2: Kennzahlen erheben (Umsatz nach Leistungsgruppen, Kostenblöcke, Auslastung). KPIs definieren.
- Monat 3–4: Quick‑Wins umsetzen: Recall‑Automatisierung, Materiallieferanten prüfen, Öffnungszeiten anpassen.
- Monat 5–7: Leistungsangebot schärfen: gezielte Promotion für profitable Leistungen, Teamschulungen.
- Monat 8–10: Prozessoptimierung: SOPs etablieren, digitale Abrechnung, Zeitstudien für Behandlungsabläufe.
- Monat 11–12: Ergebnisanalyse, Anpassung der Preise/Leistungspakete und Planung für Investitionen (z. B. digitale Technik zur Effizienzsteigerung).
Controlling: Messen, steuern, anpassen
Regelmäßiges Controlling ist entscheidend. Monatliche Reports sollten enthalten:
- Umsatz nach Leistung & Arzt
- Deckungsbeiträge
- Personalkostenquote
- Terminauslastung und No‑Show‑Rate
- Behandlungsannahmequote
So erkennen Sie, welche Maßnahmen Wirkung zeigen und wo nachgesteuert werden muss.
Fazit
Mehr Gewinn in der Zahnarztpraxis ist das Ergebnis systematischer Arbeit: klare Kennzahlen, gezielte Umsatzhebel, Kostenmanagement und eine effiziente Praxisorganisation. Beginnend mit einer sauberen Bestandsaufnahme können Sie innerhalb eines Jahres spürbare Verbesserungen erzielen. Für tiefere Analysen lohnt sich ein Vergleich mit Branchenkennzahlen (z. B. KZBV‑Berichte) oder die Zusammenarbeit mit spezialisierten Beratern (ZWP).
Wenn Sie möchten, erstelle ich Ihnen einen individuellen Kennzahlen‑Check (Vorlage + Aktionsplan) auf Basis Ihrer Praxisdaten.
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