Was ist Komposit? Der umfassende Ratgeber zu zahnfarbenen Füllungen
Kurz, verständlich und praxisnah: Erfahren Sie, was Komposit ist, woraus dieses zahnfarbene Füllmaterial besteht, wann es eingesetzt wird und welche Vor- und Nachteile Sie kennen sollten.
Kurzdefinition
Komposit ist ein in der Zahnmedizin verwendetes, zahnfarbenes Füllungsmaterial. Es besteht aus einer organischen Kunststoffmatrix, in die feine Füllstoffteilchen (z. B. Glas-, Keramik- oder Quarzpartikel) eingebettet sind. Durch diese Kombination werden gute mechanische Eigenschaften, Farbanpassung und Haftung an der Zahnsubstanz erreicht.
Woraus besteht Komposit?
- Kunststoffmatrix: Meist auf Methacrylat-Basis (z. B. Bis-GMA, UDMA). Verantwortlich für Formbarkeit und Polymerisation.
- Füllstoffe: Sehr feine Glaskeramik- oder Quarzpartikel (ca. 60–80 % nach Volumen). Sie verbessern Festigkeit, Abriebfestigkeit und reduzieren die Polymerisationsschrumpfung.
- Bindemittel/Adhäsive: Haftvermittler, die für eine stabile Verbindung zwischen Komposit und Zahn sorgen.
- Initiatoren/Additive: Licht- oder chemisch aktivierte Katalysatoren, Farbstoffe und ggf. Fluorid- oder antibakterielle Zusätze.
Wofür wird Komposit eingesetzt?
Komposite werden vielseitig verwendet:
- Direkte Füllungen nach Kariesentfernung (vor allem im Seiten- und Frontzahnbereich)
- Veneer‑ und Ästhetik‑Rekonstruktionen
- Rekonstruktion abgebrochener Zähne
- Verschluss von Fissuren oder kleinere Zahnformkorrekturen
- Als Unterfüllung oder Reparaturmaterial für Keramikfüllungen und Provisorien
Unterschiede: Komposit vs. andere Materialien
Im Vergleich zu Amalgam oder Gold punktet Komposit mit besserer Ästhetik und konservativer Präparation (weniger gesunde Zahnsubstanz muss entfernt werden). Im Gegensatz zu Inlays oder Onlays aus Keramik ist Komposit direkt im Mund verarbeitbar und kostengünstiger, hat aber oft eine geringere Langzeitstabilität.
Vorteile von Komposit
- Zahnfarbene Anpassung – sehr natürliches Aussehen
- Adhäsive Haftung an Zahn – ermöglicht minimalinvasive Präparation
- Schnelle Behandlung direkt in der Praxis
- Reparaturfähig – defekte Stellen lassen sich oft ohne Austausch ausbessern
- Kein Quecksilber (im Gegensatz zu Amalgam)
Nachteile und Risiken
- Polymerisationsschrumpfung kann Randspalten oder Mikroinfiltration verursachen, wenn nicht korrekt gearbeitet wird
- Empfindlich gegenüber Feuchtigkeit während der Verarbeitung – erfordert gutes Trockenlegen
- Kann bei hoher Belastung (große Seitenzahnfüllungen) schneller verschleißen oder brechen als keramische Restaurationen
- Langzeitverfärbungen möglich (z. B. durch Kaffee, Tee, Nikotin)
Behandlungsablauf: Wie erhält man eine Kompositfüllung?
- Untersuchung und Röntgenaufnahmen bei Bedarf.
- Kariesentfernung und Präparation der Kavität unter Kofferdam oder sorgfältigem Trockenhalten.
- Aufbringen eines Adhäsivs (Bonding) nach Ätzen der Schmelz‑/Dentinoberfläche.
- Schichtweiser Einbau des Komposits (in dünnen Lagen) und Aushärtung mit einer Polymerisationslampe.
- Finieren und Polieren der Füllung, Funktionskontrolle (Okklusion).
Die Schichttechnik reduziert innere Spannungen und verbessert die Festigkeit sowie Ästhetik.
Haltbarkeit und Pflege
Die Lebensdauer einer Kompositfüllung hängt von Größe, Lage, Belastung, Mundhygiene und handwerklicher Ausführung ab. Kleine bis mittelgroße Füllungen halten bei guter Pflege oft 5–10 Jahre oder länger. Regelmäßige Kontrollen (z. B. halbjährlich) und gute Mundhygiene verlängern die Lebensdauer. Verfärbungen können durch professionelle Zahnreinigung gemildert werden.
Kosten
Die Kosten variieren je nach Umfang, Zahnarzt und Region. In Deutschland werden kleine Kompositfüllungen häufig teilweise von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen (z. B. als Regelleistung), größere oder besonders ästhetische Arbeiten können als Privatleistung abgerechnet werden. Ein Kostenvergleich und eine Behandlungsplanung durch den Zahnarzt sind empfehlenswert.
Alternativen zu Komposit
- Keramik-Inlays/Onlays: Höhere Festigkeit und bessere Abriebfestigkeit, besonders bei größeren Defekten; im Labor gefertigt.
- Goldinlays: Sehr langlebig, aber ästhetisch weniger ansprechend.
- Amalgam: Hohe Haltbarkeit, wird jedoch wegen Quecksilbergehalt und schlechterer Optik seltener eingesetzt.
Wann ist Komposit nicht geeignet?
Bei sehr großen Defekten oder wenn die Kaukräfte extrem hoch sind (z. B. stark abgenutzte Seitenzähne) sind Keramikrestaurationen oder Kronen oft die bessere Wahl. Auch bei schlechter Mundhygiene oder unzureichender Mitarbeit des Patienten kann die Haltbarkeit eingeschränkt sein.
Weiterführende Informationen
- DocCheck Flexikon: Komposit – DocCheck
- Wikipedia: Komposit (Zahnmedizin) – Wikipedia
Häufige Fragen (FAQ)
Ist Komposit gesundheitsschädlich?
Moderne Kompositmaterialien sind für den Einsatz im Mund zugelassen und gelten als sicher. Bei sehr seltenen Allergien gegen Inhaltsstoffe sollte der Zahnarzt informiert werden. Geringe Anzahl an monomeren Reststoffen kann nach der Aushärtung vorhanden sein, stellt aber normalerweise kein Gesundheitsrisiko dar.
Tut eine Kompositfüllung weh?
Die Behandlung erfolgt in der Regel schmerzfrei mit lokaler Betäubung, wenn nötig. Nach der Behandlung können kurzzeitig leichte Empfindlichkeiten auftreten.
Wie erkenne ich, ob eine Kompositfüllung erneuert werden muss?
Anzeichen sind Randschäden, wiederkehrende Karies, spürbare Rauheiten, Verfärbungen oder Schmerzen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
Fazit
Komposit ist ein vielseitiges, ästhetisches Füllmaterial, das in vielen zahnärztlichen Situationen eine schonende und natürliche Lösung bietet. Für kleine bis mittelgroße Defekte ist es oft erste Wahl. Die richtige Indikationsstellung, sorgfältige Verarbeitung und regelmäßige Kontrollen sind entscheidend für eine lange Haltbarkeit.