Sanft und effektiv: Karies entfernen ohne Bohren – Methoden, Ablauf und was wirklich hilft
Karies entfernen ohne Bohren ist für viele Patienten eine attraktive Alternative zur klassischen Füllung. In diesem Artikel erkläre ich, welche mikroinvasiven Verfahren es gibt, wann sie sinnvoll sind, wie die Behandlung abläuft, welche Vor- und Nachteile bestehen und wie Sie Karies langfristig vermeiden können.
Warum „Karies entfernen ohne Bohren“ überhaupt möglich ist
Karies ist ein schleichender Prozess: Zuerst entmineralisiert die Säure aus Plaque den Zahnschmelz, später breitet sich der Defekt tiefer aus. Bei sehr frühen Veränderungen (White spots, initiale Dentinkaries) ist der Zahnschmelz meist porös, aber die Oberfläche noch intakt oder nur minimal beschädigt. Genau hier setzen schonende, nicht-invasive oder mikroinvasive Verfahren an: Sie stoppen den Fortschritt der Karies, remineralisieren oder infiltrieren die Läsion, ohne großflächig Zahnsubstanz zu entfernen.
Die wichtigsten Methoden im Überblick
- Kariesinfiltration (z. B. ICON®): Ein flüssiges, hochpenetrantes Kunststoffharz dringt in die poröse Anfangskaries ein, verfestigt sie und verhindert weiteres Fortschreiten. Besonders geeignet bei initialer Schmelzkaries und weißen Flecken.
- Remineralisation (Fluorid, Calcium-Phosphat-Präparate, professionelle Fluoridbehandlungen): Ziel ist die Wiederaufnahme von Mineralstoffen in den geschädigten Schmelz. Gut bei sehr oberflächlicher Karies.
- Silver Diamine Fluoride (SDF): Fluorid- und Silberlösung, die Karies remineralisieren und stoppen kann — hinterlässt jedoch dunkle Verfärbungen.
- Laserbehandlung: Bestimmte Laser können kariesaktive Bakterien reduzieren und kleinste Läsionen behandeln, oft in Kombination mit anderen Therapien.
- Ozontherapie: Ozon kann Bakterien in der Läsion reduzieren; Studien sind gemischt, häufig kombiniert mit remineralisierenden Maßnahmen.
- Versiegelungen und mikroabrasive Verfahren: Schützen die Oberfläche und entfernen oberflächliche Verfärbungen, sind aber keine Ersatzbehandlung bei tieferen Läsionen.
Wie läuft eine Kariesinfiltration (ICON) typischerweise ab?
- Untersuchung und Röntgen: Feststellen, ob die Läsion wirklich initial und nicht kavitiert ist.
- Reinigung und mögliche Vorbehandlung (z. B. Natriumhypochlorit).
- Ätzen mit einer Säurelösung (meist Phosphor- oder Salzsäure), um die oberflächliche Schicht zu öffnen.
- Trocknung (z. B. mit Ethanol-Gel), um Feuchtigkeit aus der Läsion zu entfernen.
- Auftragen des flüssigen Infiltrats, Eindringen in die poröse Struktur und Aushärtung mit Licht.
- Polieren und abschließende Kontrolle. Meist ist keine Anästhesie nötig.
Für welche Fälle eignet sich die Behandlung — und wann nicht?
Geeignet:
- Initialkaries im Schmelz (DIN-Besonderheit: White spot lesions)
- Keine oder nur sehr kleine Kavitäten
- Frühe Läsionen zwischen Zähnen (approximale Karies) oder auf der Kaufläche
Nicht geeignet:
- Große, kavitäre Karies mit Zerstörung der Zahnhartsubstanz
- Schmerzhaft entzündete Zähne oder tiefreichende Dentinkaries
- Wenn bereits Füllmaterial oder Kronen beteiligt sind
Vorteile und Grenzen
- Vorteile: schmerzarm bis schmerzfrei, keine oder seltene Betäubung, substanzschonend, oft kostengünstiger als größere Restaurationen, ästhetisch bei Vermeidung von dunklen Füllungen.
- Grenzen: Nur bei frühen Läsionen effektiv; bei fortgeschrittener Karies ist eine klassische Füllung oder evtl. eine Wurzelbehandlung notwendig. Manche Methoden (z. B. SDF) hinterlassen Verfärbungen.
Kosten und Erstattung
Die Kosten variieren je nach Verfahren, Praxis und Aufwand. Kariesinfiltration (ICON) liegt meist zwischen 80 und 200 Euro pro Zahn, Laser- oder Ozonbehandlungen sind ähnlich oder teurer. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen in der Regel nicht die vollen Kosten für viele mikroinvasive Spezialverfahren; Zusatzversicherungen oder private Kassen können anteilig zahlen. Fragen Sie vorab in der Praxis nach einem Kostenplan und Erstattungsoptionen.
Nachsorge und Erfolgskontrolle
- Regelmäßige Kontrollen (Visuelle Untersuchung, ggf. Röntgen) um sicherzustellen, dass die Läsion nicht fortschreitet.
- Professionelle Zahnreinigung und konsequente häusliche Mundhygiene (Fluorid-Zahnpasta, Interdentalreinigung).
- Bei ästhetischen Problemen anfangs ggf. Nachbehandlungen möglich.
Praktische Tipps zur Vorbeugung
- Tägliche Fluorid-Zahnpasta (mind. 1000–1500 ppm), bei Risiko höher dosierte Produkte nach Absprache.
- Interdentalreinigung (Zahnseide, Interdentalbürsten).
- Zuckerarme Ernährung und seltener Konsum zuckerhaltiger Getränke/Snacks.
- Regelmäßige Kontrolltermine und professionelle Zahnreinigung.
Quellen und weiterführende Links
- Informationen zur Kariesinfiltration: Deutsche Familienversicherung
- Allgemeine Übersicht zu Kariesbehandlungen: Stiftung Gesundheitswissen
- Patientenflyer ICON® (Universität Tübingen): ICON Patienteninfo (PDF)
Fazit
Karies entfernen ohne Bohren ist kein Wundermittel, aber eine wertvolle Ergänzung der zahnmedizinischen Möglichkeiten. Bei frühen Läsionen bieten Methoden wie Kariesinfiltration, gezielte Remineralisation oder bestimmte Laserbehandlungen substanzschonende, schmerzarme Alternativen zur klassischen Füllung. Entscheidend ist die richtige Diagnostik: Nur wenn die Läsion nicht kavitiert und noch nicht tief ist, sind diese Verfahren sinnvoll. Sprechen Sie mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt über individuelle Optionen, Erfolgsaussichten und Kosten.