Warum sich nach einer Zahnentfernung krank fühlen? Ursachen, Dauer und schnelle Hilfe
Nach einer Zahnextraktion fühlen sich manche Patientinnen und Patienten schwach, fiebrig oder einfach „krank“. In diesem Artikel erklären wir, warum ein solches Krankheitsgefühl auftreten kann, wie lange es normal ist und wann Sie besser den Zahnarzt oder Arzt aufsuchen sollten.
Was versteht man unter einem Krankheitsgefühl nach dem Zahnziehen?
Ein Krankheitsgefühl nach zahn ziehen beschreibt allgemeine Beschwerden wie Abgeschlagenheit, leichtes Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit oder Gliederschmerzen, die kurz nach einer Zahnextraktion auftreten können. Es handelt sich dabei nicht immer um eine Infektion – häufig sind es normale Reaktionen des Körpers auf einen operativen Eingriff.
Weshalb tritt dieses Gefühl auf? (Ursachen)
- Entzündungsreaktion: Jede Wunde setzt Botenstoffe (Zytokine) frei, die das Immunsystem aktivieren. Das kann zu Müdigkeit, leichtem Fieber oder Unwohlsein führen.
- Vorübergehende Bakteriämie: Beim Zahnziehen können harmlose Mundbakterien kurzzeitig in die Blutbahn gelangen. Bei gesunden Menschen ist das meist unproblematisch, kann aber ein allgemeines Krankheitsgefühl auslösen. (Relevante Risikogruppen weiter unten.)
- Schmerzen und Schlafmangel: Starke Schmerzen stören den Schlaf und verstärken das Gefühl von Schwäche und Müdigkeit.
- Medikamente: Schmerzmittel oder Antibiotika können Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel oder Schwäche verursachen.
- Blutverlust: Bei größeren Eingriffen oder schnellen Blutungen kann ein leichter Kreislaufkollaps oder Schwächegefühl auftreten.
- Infektion/Alveolitis (trockene Wunde): Eine echte Wundinfektion oder eine Alveolitis sicca (»dry socket«) verursacht oft starke Schmerzen und kann mit Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl einhergehen.
Wie lange ist das normal?
Leichte allgemeine Beschwerden sind in den ersten 24–72 Stunden nach der Extraktion üblich. In den meisten Fällen bessern sich Müdigkeit und leichtes Fieber innerhalb von zwei bis drei Tagen. Schmerzen nehmen ebenfalls üblicherweise kontinuierlich ab.
Warnzeichen sind anhaltende oder sich verschlimmernde Symptome nach 3–5 Tagen, zunehmende Schwellung, hohes Fieber (>38 °C) oder eitriger Ausfluss – dann sollte dringend eine fachärztliche Untersuchung erfolgen.
Symptome, bei denen Sie sofort handeln sollten
- Fieber über 38 °C oder Schüttelfrost
- Zunehmende, sich ausbreitende Schwellung im Gesicht/Hals
- Starke, mit Medikamenten nicht kontrollierbare Schmerzen
- Eiter oder anhaltende starke Blutung aus dem Wundbereich
- Atem- oder Schluckbeschwerden
- Allgemeiner Zustand verschlechtert sich (Schwindel, Ohnmachtsgefühl)
Was können Sie selbst tun? (Sofortmaßnahmen)
- Ruhe und Schonung: Gönnen Sie sich Bettruhe und vermeiden Sie körperliche Anstrengung in den ersten 24–48 Stunden.
- Kühlen: Äußeres Kühlen (kein direkter Eis-Kontakt auf der Haut) kann Schwellung und Schmerzen mindern.
- Schmerzmittel: Paracetamol oder Ibuprofen nach Packungsangabe bzw. nach Anweisung des Zahnarztes einnehmen. Kombinationen sollten nur nach Rücksprache erfolgen.
- Flüssigkeit und leichte Kost: Viel trinken und weiche, nicht heiße Speisen wählen. Keine Strohhalme verwenden, da Saugen den Blutpfropf lösen kann.
- Kein Rauchen: Rauchen hemmt die Wundheilung und erhöht das Risiko einer Alveolitis.
- Mundhygiene: Sanftes Ausspülen mit Wasser oder einer milden, vom Zahnarzt empfohlenen Lösung (z. B. Chlorhexidin) ab 24 Stunden nach dem Eingriff, wenn angeordnet.
Wann sind Antibiotika oder weitere Behandlungen nötig?
Antibiotika sind nicht routinemäßig nach jeder Zahnentfernung erforderlich. Ihr Zahnarzt verschreibt Antibiotika, wenn Anzeichen einer bakteriellen Infektion vorliegen (Fieber, Eiter, starke Schwellung) oder wenn bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für systemische Komplikationen besteht (z. B. Immunsuppression, bestimmte Herzklappenfehler, Organtransplantationen). Bei einer Alveolitis wird der Zahnarzt die Alveole reinigen und lokal behandeln; manchmal werden schmerzstillende Einlagen verwendet.
Besondere Risikogruppen
- Patienten mit künstlichen Herzklappen, früherer Endokarditis oder bestimmten angeborenen Herzfehlern können ein höheres Risiko für gefährliche Komplikationen haben; hier gelten spezielle Prophylaxe-Regeln – besprechen Sie das vor dem Eingriff mit Ihrem Zahnarzt oder Kardiologen.
- Menschen mit Diabetes, Immunsuppression (z. B. aufgrund von Medikamenten oder Erkrankungen) oder starken Raucherinnen/Rauchern haben ein erhöhtes Risiko für verzögerte Wundheilung und Infektion.
Vorbeugung
- Gute Mundhygiene vor dem Eingriff reduziert die Keimbelastung.
- Vorbehandlung mit antiseptischen Mundspülungen kann empfohlen werden.
- Informieren Sie den Behandler über alle Medikamente, Vorerkrankungen und Implantate/Herzprothesen.
- Rauchen vermeiden, besonders in den ersten Tagen nach der Extraktion.
Weiterführende Informationen
Verlässliche Informationen zur Wundheilung, Komplikationen und Nachsorge finden Sie bei etablierten Fachquellen, z. B. MSD Manuals (Komplikationen nach einer Zahnbehandlung) oder Colgate Deutschland (Heilungsdauer bei Zahnextraktionen).
Fazit
Ein vorübergehendes Krankheitsgefühl nach einer Zahnextraktion ist häufig und meistens harmlos. Ruhe, Schmerzmanagement und sorgfältige Nachsorge helfen, die Beschwerden zu lindern. Suchen Sie aber sofort zahnärztliche oder ärztliche Hilfe bei Fieber, starkem oder länger anhaltendem Unwohlsein, zunehmender Schwellung oder eitrigem Ausfluss — dann sind weiterführende Maßnahmen nötig.
Weitere Beiträge
Betäubung nach dem Zahnarzt schneller loswerden: sichere Tipps, Ursachen und wann Sie zum Arzt sollten
vor 1 Monat
Zahn gezogen: Nach 4 Tagen immer noch Schmerzen — Ursachen, Sofortmaßnahmen und wann zum Zahnarzt
vor 1 Monat