Effizient und sicher arbeiten: Praxisleitfaden zur Küretten-Anwendung
Kurz, präzise, praxisnah: Dieser Artikel erklärt, wie Küretten zielgerichtet eingesetzt werden — von der Instrumentenauswahl über korrekte Technik bis zu Fehlern, die vermieden werden sollten. Ideal für Zahnärzte, Prophylaxeassistentinnen und Studierende, die ihre subgingivale Therapie verbessern wollen.
Was sind Küretten und wofür werden sie eingesetzt?
Küretten sind manuelle dentalchirurgische Instrumente zur subgingivalen Konkrement- und Biofilmentfernung sowie zur Feindepuration der Wurzeloberfläche. Sie kommen vor allem in der Parodontitisbehandlung, bei der Wurzelglättung und bei chirurgischer bzw. nicht-chirurgischer Kürettage zum Einsatz. Neben der Zahnmedizin werden Küretten auch in anderen medizinischen Bereichen (z. B. Dermatologie, Gynäkologie) eingesetzt, der Fokus dieses Beitrags liegt jedoch auf zahnärztlichen Anwendungen.
Arten von Küretten: Eine kurze Übersicht
- Gracey-Küretten: Gebietsspezifische Instrumente mit asymmetrisch geschliffener Schneide — z. B. 11/12 für mesiale Flächen, 13/14 für distale Flächen; ideal für präzises Arbeiten an definierten Wurzelbereichen. (Weiteres zur Anwendungslogik: Gracey 15/16 Video und Gracey 5/6 Video.)
- Universal-Küretten: Beidseitig geschliffen und für viele Flächen geeignet — gut für Generalisten und beim Wechsel zwischen Arealen.
- Spezialküretten: Lange Schäfte für tiefe Taschen, F-Line oder Superlight-Varianten für besseren Tastsinn und geringere Ermüdung.
Grundprinzipien der Technik
Die richtige Technik entscheidet über Therapieerfolg und Schonung des Zahn- bzw. Weichgewebes. Wichtige Punkte:
- Sitz und Griff: Ergonomischer Sitz, stabiler Fingerring- oder Pen-Griff, Einlage des 3. Fingers als Führungsfinger.
- Ansatzwinkel: Inzisionswinkel von ca. 60–80° zwischen Instrumentenkante und Wurzeloberfläche. Flacherer Winkel (45°) für Subgingivalreinigung vermeiden, da Konkremente nicht sicher gelöst werden.
- Adaptation: Eng anliegende Schneidebasis mit kontinuierlicher Kontaktfläche; kleine horizontale Züge mit kontrolliertem seitlichem Druck.
- Strokes: Längs- und Schabzüge gezielt einsetzen; kurze, kontrollierte Bewegungen ermöglichen bessere Konkremententfernung mit weniger Gewebetrauma.
Gebietsspezifische Anwendung (Gracey-Beispiele)
Gracey-Instrumente sind so gestaltet, dass sie bestimmte Flächen optimal erreichen:
- Anterior (z. B. 1/2, 3/4): Flache Züge, da Wurzeloberflächen schmaler sind.
- Posterior mesial (11/12): Zugang zwischen Zahnkontakt und Wurzelkrümmung beachten.
- Posterior distal (13/14): Drehtechnik am Handgelenk nötig, um die korrekte Adaptation zur distalen Wurzeloberfläche zu erzielen.
- Grossflächen und tiefe Taschen: Lange Schäfte oder Extended Shank-Versionen verwenden.
Eine übersichtliche Darstellung der Einsatzgebiete finden Sie in Herstellerinformationen und Posters, z. B. Einsatzgebiete Gracey (PDF).
Besondere Hinweise bei Implantaten
Metallische Standard-Küretten können die Implantatoberfläche beschädigen. Verwenden Sie dafür spezielle, titan-kompatible Instrumente oder Kunststoff-/nylonbeschichtete Alternativen. Eine gute Einführung bietet die HuFriedy Knowledgebase: Anwendung bei Implantatreinigung.
Sterilisation, Pflege und Schärfen
- Sterilisation: Alle Küretten müssen nach Gebrauch gereinigt und autoklaviert werden. Beachten Sie die Herstellerangaben.
- Schärfen: Regelmäßiges Nachschleifen erhält die Effizienz. Schärfsteine sollten fachgerecht geführt werden, um Form und Schneidewinkel zu erhalten.
- Inspektion: Vor jedem Einsatz auf Beschädigungen prüfen; verbeulte oder stumpfe Instrumente ersetzen.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
- Zu starker Anpressdruck → führt zu Wurzelrauhigkeit und Gewebeschäden. Tipp: Kontrollierter, moderater Druck und kurze Züge.
- Falscher Winkel → ineffiziente Konkremententfernung. Tipp: Ständig auf Winkel achten und ggf. Dexterität mit Modellen trainieren.
- Unzureichende Instrumentenauswahl → Zeitverlust und schlechter Zugang. Tipp: Vorbehandlungsplanung und passende Shanks bereitlegen.
Nachsorge und Patienteninformation
Erklären Sie dem Patienten mögliche kurzfristige Symptome wie erhöhte Sensibilität, leichtes Zahnfleischbluten oder Druckschmerz. Postoperative Anleitungen sollten Mundhygiene, eventuell antiseptische Spülungen und Schmerzmanagement umfassen.
Weiterbildung und Praxistipps
Regelmäßiges Training (z. B. Video-Tutorials, Hands-on-Kurse) verbessert Technik und Effizienz. YouTube-Übungen zu spezifischen Gracey-Instrumenten sind praxisnah: Beispiele sind Demonstrationen zur 15/16 und 5/6 Gracey-Kürette (siehe oben). Gutes Instrumentenmanagement (ergonomische Griffe, abwechselnde Arbeitshaltung) reduziert physische Belastung.
Fazit
Richtig angewendet sind Küretten unverzichtbar für die erfolgreiche Parodontaltherapie. Entscheidend sind die passende Instrumentenauswahl, korrekte Winkel- und Adaptationstechnik sowie regelmäßige Wartung und Schulung. Achten Sie besonders auf Implantatbereiche und wählen Sie dort schonende, implantatfreundliche Instrumente. Für detaillierte Anleitungen empfehlen sich Herstellerinformationen und zertifizierte Fortbildungen.
Weiterführende Quellen und praktische Videos: Gracey 15/16 - Anwendung, Gracey 5/6 - Anwendung, HuFriedy: Implantatreinigung, Thieme: Küretten zur subgingivalen Feindepuration.
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