Tut eine professionelle Zahnreinigung weh? Was Sie wirklich erwarten sollten
Viele Menschen zögern vor einer Professionellen Zahnreinigung (PZR), weil sie befürchten, Schmerzen zu erleben. In diesem Artikel erkläre ich, wann Beschwerden vorkommen können, wie stark sie sind und wie Sie sich vorbereiten können — verständlich, praxisnah und auf den Punkt.
Was passiert bei einer Professionellen Zahnreinigung (PZR)?
Eine PZR ist eine gründliche, meist schmerzfreie Reinigung von Zähnen und Zahnfleisch durch eine zahnmedizinische Fachkraft. Ziel ist die Entfernung von weichem Belag (Plaque), Verfärbungen und Zahnstein sowie die Vorbeugung von Karies und Parodontitis. Übliche Arbeitsschritte sind:
- Untersuchung von Zähnen und Zahnfleisch
- Entfernung von grobem Belag und Verfärbungen (Airflow / Pulverstrahlgerät)
- Entfernung von Zahnstein mit Handinstrumenten und/oder Ultraschall
- Politur und Fluoridierung zur Remineralisation
- Hinweise zur häuslichen Mundhygiene
Tut eine PZR weh? Die kurze Antwort
In den allermeisten Fällen: Nein, eine professionelle Zahnreinigung tut nicht weh. Die Behandlung ist so konzipiert, dass sie schonend abläuft. Leichte Unannehmlichkeiten wie Druckgefühl, Vibrationen oder kurzzeitige Überempfindlichkeiten treten aber gelegentlich auf — besonders bei empfindlichen Zahnhälsen, freiliegenden Wurzeln oder entzündetem Zahnfleisch.
Warum können Beschwerden auftreten?
Schmerzen oder Empfindlichkeiten bei oder nach einer PZR haben meistens harmlose Ursachen:
- Empfindliche Zahnhälse: Freiliegendes Dentin reagiert stärker auf Reize (kalt, heiß, süß). Beim Entfernen von Belägen kann kurzfristig eine erhöhte Sensibilität auftreten.
- Entzündetes Zahnfleisch (Gingivitis): Bei gerötetem, blutendem Zahnfleisch fühlt sich das Gebiet oft sensibler an. Die Reinigung kann dann als unangenehm empfunden werden.
- Tiefere Zahnfleischtaschen / Parodontitis: Subgingivale Reinigung (in den Taschen) kann stärkeres Ziehen oder Druck verursachen; hier ist manchmal eine lokale Betäubung sinnvoll.
- Mechanische Reize: Vibrationen vom Ultraschallgerät, der Druck beim Entfernen von Belägen oder intensive Politur können kurzzeitig stören.
Wann sind Schmerzen stärker und was hilft?
Stärkere Schmerzen sind selten. Ursachen für stärkere Beschwerden sind unbehandelte Entzündungen, tiefe Zahnfleischtaschen oder sehr empfindliche Wurzeloberflächen. Maßnahmen zur Linderung:
- Vorab informieren: Sagen Sie der Fachkraft, wenn Sie empfindliche Zähne oder Angst haben — viele arbeiten dann extra behutsam.
- Topische Betäubung: Gels oder Cremes zur lokalen Betäubung können vorübergehend aufgetragen werden.
- Lokale Betäubung: Bei tiefergehenden, subgingivalen Behandlungen ist eine Spritzenbetäubung möglich.
- Nachsorge: Desensibilisierende Zahnpasten, Fluoridbehandlungen oder das Auftragen von remineralisierenden Lacken reduzieren Empfindlichkeit.
- Schmerzmittel: Bei Bedarf helfen Paracetamol oder Ibuprofen kurzfristig (nach Packungsangabe).
Wie lange halten Empfindlichkeiten an?
Leichte Empfindlichkeiten nach einer PZR sind meist vorübergehend und klingen innerhalb weniger Stunden bis Tage ab. Hält die Schmerzempfindlichkeit länger an (mehr als eine Woche), oder treten starke Schmerzen und Schwellungen auf, sollten Sie die Praxis kontaktieren — das kann auf eine Entzündung oder andere Probleme hinweisen, die weiter abgeklärt werden müssen.
Tipps, um eine PZR möglichst schmerzfrei zu erleben
- Informieren Sie die Therapeutin / den Therapeuten über Ihre Empfindlichkeiten und Ängste.
- Kurz vorher eine desensibilisierende Zahnpasta verwenden (in Absprache mit der Praxis).
- Entspannungstechniken: tiefe Atemzüge, Musik hören oder eine Begleitperson.
- Ausreichend trinken und auf nüchternen Magen erscheinen, wenn Sie zu Kreislaufbeschwerden neigen.
- Regelmäßige PZR: Wer halbjährlich zur Reinigung kommt, hat meist weniger verhärtete Beläge und damit weniger intensive Behandlungsschritte.
Unterscheidung: PZR vs. Parodontale Therapie
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer routinemäßigen PZR (Prophylaxe) und einer speziellen Parodontitisbehandlung. Bei Parodontalerkrankungen sind Behandlungsschritte intensiver — tiefergehende Reinigung der Taschen kann schmerzhafter sein und häufiger eine Betäubung erfordern. Fragen Sie Ihre Praxis nach dem Behandlungsplan, wenn Zahnfleischtaschen diagnostiziert werden.
Wann sollten Sie sofort den Zahnarzt kontaktieren?
- Starke Schmerzen, die mit üblichen Maßnahmen (Schonung, Schmerzmittel) nicht besser werden
- Deutliche Schwellung im Gesicht oder im Mundraum
- Fieber oder starke Rötung rund um die Zähne
- Blutungsneigung, die nicht stoppt
Quellen und weiterführende Informationen
Verlässliche Informationen finden Sie z. B. bei der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) oder der Bundeszahnärztekammer:
DGZMK | Bundeszahnärztekammer
Fazit
Eine professionelle Zahnreinigung ist in der Regel schmerzfrei. Leichte Empfindlichkeiten sind möglich, vor allem bei empfindlichen Zahnhälsen oder entzündetem Zahnfleisch, verschwinden aber meist schnell wieder. Bei ausgeprägteren Beschwerden sprechen Sie rechtzeitig mit Ihrer Zahnarztpraxis — oft lassen sich Schmerz und Angst durch einfache Maßnahmen deutlich reduzieren.
Wenn Sie möchten, können Sie einen kurzen Anruf in Ihrer Praxis vereinbaren, um individuelle Ängste oder Empfindlichkeiten vorab zu besprechen. So wird die PZR entspannter und effektiver.
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