Kaugummi gegen Karies: Wie sinnvoll ist das Kauen wirklich — und worauf Sie achten sollten
Zuckerfreie Kaugummis sind in aller Munde — doch schützen sie wirklich vor Karies? Dieser Artikel erklärt, wie Kaugummi wirkt, welche Inhaltsstoffe sinnvoll sind, was die Wissenschaft sagt und wie Sie Kaugummi richtig in Ihre Mundhygiene einbauen können.
Wie Kaugummi Karies beeinflussen kann — die Mechanismen
Kaugummikauen kann mehrere positive Effekte auf die Mundgesundheit haben:
- Erhöhung des Speichelflusses: Kauen regt die Speicheldrüsen an. Mehr Speichel verdünnt und neutralisiert säurebildende Substanzen, die von kariesverursachenden Bakterien produziert werden.
- Neutralisierung von Säuren: Der pH-Wert im Mund steigt durch gesteigerten Speichel, wodurch Demineralisierung des Zahnschmelzes (ein erster Schritt der Kariesbildung) eingeschränkt wird.
- Remineralisation: Speichel liefert Calcium und Phosphat, wichtige Bausteine für die Reparatur von kleinen Schmelzschäden. Einige spezielle Kaugummis enthalten zusätzlich Fluorid oder Mineralien zur Unterstützung dieses Prozesses.
- Weniger zuckerbedingte Plaque-Fütterung: Zuckerfreie Kaugummis enthalten keine fermentierbaren Zucker, die Bakterien als Energiequelle nutzen.
Welche Kaugummis sind sinnvoll?
Wichtig: Nur zuckerfreie Kaugummis können bei der Kariesvorbeugung helfen. Reine Zuckerprodukte fördern Karies. Bei zuckerfreien Varianten sind folgende Inhaltsstoffe besonders relevant:
- Xylitol: Ein Zuckeralkohol, der von vielen Studien untersucht wurde. Xylitol kann das Wachstum bestimmter kariogener Bakterien (z. B. Streptococcus mutans) hemmen und das orale Mikrobiom positiv beeinflussen. Verbraucherinformationen und Hersteller wie ApaCare diskutieren diese Effekte (z. B. ApaCare).
- Fluorid- oder Calcium/Phosphat-angereicherte Kaugummis: Einige Produkte werben damit, Mineralsalze zu liefern, die die Remineralisierung unterstützen. Evidenz zur zusätzlichen Wirkung gegenüber normalen zuckerfreien Kaugummis ist noch nicht abschließend, kann aber sinnvoll sein, wenn Zahnbürsten/Fluoridanwendung nicht möglich sind.
Was sagt die Forschung?
Mehrere Übersichtsarbeiten und populärwissenschaftliche Berichte fassen die Befunde zusammen: Regelmäßiges Kauen zuckerfreier Kaugummis, vor allem mit Xylitol, kann die Säurelast im Mund senken und in einigen Studien die Kariesrate reduzieren. Eine von MDR zitierte Meta‑Analyse zeigt beispielsweise eine moderate Schutzwirkung (MDR). Verbraucherinformationen wie die Verbraucherzentrale bieten kritische Einordnungen zu Xylit und Wirkversprechen (Verbraucherzentrale).
Wichtig dabei: Kaugummi ist keine Alternative zur täglichen Zahnpflege (Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta, Zahnseide/interdentalbürsten) und kein Ersatz für regelmäßige zahnärztliche Kontrollen. Studien zeigen besten Nutzen, wenn Kaugummi ergänzend angewendet wird, insbesondere wenn nach Mahlzeiten nicht sofort geputzt werden kann.
Praktische Empfehlungen: Wie, wann und wie oft?
- Wählen Sie ausschließlich zuckerfreie Kaugummis; bevorzugt mit Xylitol oder mit Fluorid/mineralischen Zusatzstoffen, wenn verfügbar.
- Kauen Sie idealerweise unmittelbar nach den Mahlzeiten 10–20 Minuten. Studien zeigen, dass diese Dauer den Speichelfluss ausreichend erhöht, um Säuren zu puffern.
- Häufigkeit: 2–3 mal täglich nach den Hauptmahlzeiten ist ein gängiger Vorschlag — als Ergänzung, nicht als Ersatz für das Zähneputzen.
- Beachten Sie Dosierungshinweise bei Xylitol (bei Kindern und Kleinkindern besonders): Xylitol ist für Haustiere (z. B. Hunde) giftig und für kleine Kinder als Kaugummi ungeeignet (Erstickungsgefahr).
Grenzen und Risiken
Kaugummi hat auch Nachteile und Limitationen:
- Kein Ersatz für Zahnpflege: Kaugummi entfernt keinen Plaque wie mechanisches Putzen.
- Kieferprobleme: Übermäßiges Kauen kann Kiefermuskulatur und Kiefergelenke belasten und bei anfälligen Personen Schmerzen oder Knacken verursachen.
- Süße Missverständnisse: Kaugummis mit Zucker erhöhen das Kariesrisiko deutlich.
- Begrenzte Evidenz für spezielle Zusätze: Produkte mit Fluorid oder speziellen Mineralien sind vielversprechend, aber die zusätzliche klinische Wirksamkeit gegenüber normalen zuckerfreien Kaugummis ist teilweise noch nicht endgültig geklärt.
Für wen ist Kaugummi besonders sinnvoll — und für wen nicht?
Besonders sinnvoll:
- Menschen, die nach Mahlzeiten nicht sofort Zähne putzen können (z. B. unterwegs).
- Patienten mit hohem Kariesrisiko, sofern der Zahnarzt dies empfiehlt und zuckerfreie Produkte verwendet werden.
Weniger geeignet:
- Kleinkinder (Erstickungsgefahr) und Haustierbesitzer, die Xylitol-haltige Produkte offen lagern sollten.
- Menschen mit Kiefergelenksbeschwerden, bei denen Kauen Symptome verschlimmern kann.
Fazit — wie Sie Kaugummi geschickt nutzen
Zuckerfreier Kaugummi kann eine sinnvolle, evidenzgestützte Ergänzung zur Kariesprävention sein, vor allem wenn er Xylitol oder remineralisierende Inhaltsstoffe enthält und nach Mahlzeiten gekaut wird. Er ersetzt jedoch nicht tägliches Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta oder die zahnärztliche Betreuung. Achten Sie auf Zutaten, kauen Sie moderat (10–20 Minuten, 2–3×/Tag) und sprechen Sie bei hohem Kariesrisiko oder speziellen Fragen mit Ihrer Zahnärztin/Ihrem Zahnarzt.
Weiterführende Links
- ApaCare: Anti-Karies Kaugummi
- MDR: Faktencheck Kaugummi und Karies
- Verbraucherzentrale: Schützen Kaugummis mit Xylit vor Karies?
Bei Unsicherheit oder bei besonderen Risiken (Kinder, Zahnersatz, kieferorthopädische Geräte, Zahnfleischerkrankungen) fragen Sie am besten Ihre Zahnärztin oder Ihren Zahnarzt — sie können eine individuelle Empfehlung geben.
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