Gaumenspreizer: Wann er sinnvoll ist, wie er wirkt und was Eltern/Erwachsene wissen sollten
Ein Gaumenspreizer (auch Gaumenexpander, GNE oder RPE genannt) weitet den Oberkiefer gezielt in der Breite. Dieser Artikel erklärt verständlich Funktionsweise, Arten, Ablauf, Alltagstipps und Risiken — damit Sie gut vorbereitet in die Beratung gehen.
Was ist ein Gaumenspreizer?
Ein Gaumenspreizer ist ein kieferorthopädisches Gerät zur Verbreiterung des Oberkiefers. Durch eine Schraube in der Mitte wird die Gaumennaht (Sutura palatina) gedehnt, sodass Platz im Oberkiefer geschaffen wird. Fachbegriffe sind Gaumenexpander, Gaumennahterweiterung (GNE), Rapid Palatal Expander (RPE) oder bei Erwachsenen MARPE/SARPE.
Wann ist ein Gaumenspreizer sinnvoll?
- Bei einem zu schmalen Oberkiefer (querverzahnung, Kreuzbiss).
- Wenn Zähne auf Engstand stehen und kein Platz für bleibende Zähne vorhanden ist.
- Bei Atemproblemen durch verengete Nasenwege (kann unterstützend sein).
- Als Vorbereitung für nachfolgende kieferorthopädische Behandlungen.
Besonders wirksam ist die Behandlung im Kindes- und Jugendalter (vor dem vollständigen Verknöchern der Gaumennaht). Bei Erwachsenen ist oft eine kombinierte chirurgische Methode (SARPE) oder ein mini-implantatgestützter Expander (MARPE) nötig.
Welche Typen von Gaumenspreizern gibt es?
- Abnehmbare Expander – eher bei leichten Diskrepanzen oder sehr jungen Kindern.
- Festsitzende Expander (z. B. Hyrax, Haas) – am häufigsten: am Zahnbogen befestigt, sehr kontrollierbar.
- MARPE (mini-implant-supported) – Verankerung an mini-Implantaten, reduziert Zahnbewegung, kann bei jungen Erwachsenen ohne OP wirken.
- SARPE (surgically assisted) – chirurgisch unterstützte Gaumenerweiterung für Erwachsene mit geschlossener Naht.
Ablauf der Behandlung — Schritt für Schritt
- Beratung & Diagnostik: Klinische Untersuchung, Röntgen, Modelle oder 3D-Scan.
- Planung: Auswahl des passenden Expandertyps.
- Einsetzen: Der festsitzende Expander wird auf die Backenzähne zementiert.
- Aktivierungsphase: Die zentrale Schraube wird laut Plan (z. B. 0,25 mm pro Schraubendrehung, 1–2× täglich) verstellt, bis die gewünschte Breite erreicht ist. Oft entsteht eine sichtbare Lücke zwischen den oberen Frontzähnen (Diastema) — das ist normal.
- Retentionsphase: Nach Erreichen der Weite bleibt der Expander üblicherweise 3–6 Monate zur Knochenstabilisierung.
- Abnahme und Nachbehandlung: Entfernung des Geräts, ggf. weitere kieferorthopädische Maßnahmen (Brackets, Retainer).
Was spürt man? Schmerzen, Sprache, Essen
- Schmerzen: Zu Beginn und nach Aktivierung kann Druck oder Ziehen im Gaumen, Kopf oder Zähnen auftreten. Meist sind leichte Schmerzmittel und weiche Kost ausreichend.
- Sprache: Die Aussprache kann in den ersten Tagen beeinträchtigt sein. Mit etwas Übung verschwinden die Probleme schnell.
- Ernährung: Weiche und kühle Speisen (Joghurt, Suppen) helfen das erste Wochenende. Hartes Kauen wird kurzfristig unangenehm sein.
Hygiene und Alltagstipps
- Gründliche Reinigung rund um den Expander: spezieller Interdentalbürstchen und fluoridhaltige Zahnpasta verwenden.
- Nach jeder Mahlzeit irrigieren oder spülen, um Speisereste zu entfernen.
- Bei festsitzenden Geräten auf klebrige und sehr harte Speisen verzichten (Karamell, Nüsse, harte Bonbons).
- Übungsblätter für die Aussprache (z. B. Zischlaute) helfen Kindern, die Sprachstörung schneller zu überwinden.
- Bei unsicherer Schraubendrehung: Nur nach Einweisung selbst aktivieren; Eltern können anfangs zusammen mit dem Kind üben.
Risiken und Nebenwirkungen
- Vorübergehende Zahnsensibilität oder Druckschmerz.
- Diastema (Lücke zwischen Frontzähnen) während der Aktivierung; meist reversibel.
- Relapse: Ohne Retention kann ein Teil der Weitung zurückgehen.
- Mögliche Zahnwurzelresorption oder Gingivareizungen (selten).
- Bei unzureichender Hygiene Karies oder Entzündungen.
Erwachsene und Alternativen (MARPE, SARPE)
Bei erwachsenen Patienten ist die Gaumennaht meistens stärker verknöchert — alleinige kieferorthopädische Expansion ist oft schwieriger. Hier kommen in Frage:
- MARPE: Expander mit mini-Implantaten zur direkten Verankerung im Gaumen, reduziert die Notwendigkeit einer OP.
- SARPE: Chirurgisch unterstützte Gaumenerweiterung, wenn knöcherne Widerstände zu groß sind.
Die Entscheidung hängt von Alter, Befund und den Zielen der Behandlung ab — eine ausführliche Abklärung durch Kieferorthopäden (und gegebenenfalls Kieferchirurgen) ist wichtig.
Kosten und Dauer
Die Kosten variieren stark je nach Gerät, Befund und notwendiger OP bzw. Implantaten. In Deutschland sind die Kosten daher sehr unterschiedlich — von mehreren hundert Euro bei einfachen abnehmbaren Geräten bis zu mehreren tausend Euro bei komplexen OP-gestützten Verfahren. Die genaue Kostenaufstellung erhalten Sie nach der Befundaufnahme und Behandlungsplanung. Erkundigen Sie sich auch, ob die gesetzliche Krankenkasse (bei Kindern/bei medizinischer Indikation) einen Teil übernimmt.
Häufige Fragen (Kurz beantwortet)
- Wie lange trägt man einen Gaumenspreizer? Aktivphase: meist wenige Wochen bis Monate; Retentionsphase: zusätzliche Monate (insgesamt oft 3–9 Monate oder länger je nach Plan).
- Ist die Erweiterung dauerhaft? Mit korrekter Retention und Anschlussbehandlung ist das Ergebnis stabil, dennoch ist das Risiko einer Teilrückbildung ohne Retention vorhanden.
- Ist eine OP immer nötig? Nein — bei Kindern oft nicht. Bei Erwachsenen kann sie nötig sein, je nach Befund.
Fazit
Ein Gaumenspreizer ist ein effektives Mittel, um den Oberkiefer gezielt zu verbreitern — besonders gut bei Kindern und Jugendlichen. Wichtig sind sorgfältige Diagnostik, verständliche Anleitung zur Aktivierung und gute Hygiene. Bei Erwachsenen sollten MARPE oder chirurgische Optionen erwogen werden. Vereinbaren Sie eine Beratung beim Kieferorthopäden, um individuell geeignete Methoden, Risiken und Kosten zu besprechen.
Weiterführende Informationen: DR. HOLZBERGER – GNE-Apparatur, Dental One – Gaumennahterweiterung, Wikipedia: Gaumenexpander.