Früh erkannt: Fissurenkaries im Anfangsstadium – Symptome, Diagnose und Vorbeugung
Fissurenkaries beginnt meist unauffällig in den engen Rillen der Kauflächen. Wer das Anfangsstadium erkennt und richtig behandelt, kann oft Bohrungen verhindern. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie frühe Veränderungen erkennen, welche Diagnostik sinnvoll ist und welche schonenden Maßnahmen am besten wirken.
Was ist Fissurenkaries?
Fissurenkaries entsteht bevorzugt in den feinen Vertiefungen (Fissuren) und Grübchen der Backen- und Mahlzähne. Dort sammeln sich Speisereste und Bakterien, die Säuren produzieren und den Zahnschmelz angreifen. Im Anfangsstadium ist der Schmelz oft nur entkalkt (Initialkaries) — noch kein Loch, aber eine Stelle, an der Karies fortschreiten kann, wenn nichts unternommen wird.
Warum ist das Anfangsstadium wichtig?
Weil Initialkaries reversibel sein kann: Mit gezielter Maßnahmen lässt sich der Mineralverlust stoppen oder sogar rückgängig machen. Wird die Läsion jedoch übersehen oder unbehandelt gelassen, dringt die Karies tiefer ins Dentin vor und erfordert später eine Füllung.
Typische Zeichen im Anfangsstadium
- Weiße, kreidige Flecken in den Fissuren (zu Beginn oft matt und undurchsichtig)
- Später bräunliche Verfärbungen, die nicht zwingend Schmerzen verursachen
- Empfindlichkeit bei Süßem oder Kalt (nicht immer vorhanden)
- Ansammlung von Plaque in tiefen Fissuren trotz regelmäßigen Putzens
Wie stellt der Zahnarzt Fissurenkaries im Anfangsstadium fest?
Die frühe Diagnose erfordert eine Kombination aus Blickdiagnose und Hilfsmitteln:
- Visuelle Inspektion mit Lupenbrille und Trocknung der Zähne — demineralisierte Stellen erscheinen weiß.
- Fühlprobe mit vorsichtigem Sondieren (keine aggressive Erkundung mehr, um Schäden zu vermeiden).
- Bissflügelaufnahmen (Röntgen) sind für Fissurenkaries oft nur eingeschränkt aussagefähig, können aber begleitende Approximal-Karies zeigen.
- Laserfluoreszenzgeräte (z. B. DIAGNOdent) oder transilluminierende Verfahren können frühe Läsionen besser sichtbar machen.
- Weiterführende Infos zur Diagnostik finden sich auf zahnärztlichen Informationsseiten.
Behandlungsoptionen im Anfangsstadium
Ziel ist das Stoppen der Demineralisation ohne unnötiges Bohren:
- Remineralisation — Anwendung von hochdosierten Fluoriden (Varnish/Fluoridlack, fluoridhaltige Zahnpasta, Gelapplikationen) zur Wiederaufnahme von Mineralien in den Schmelz.
- Verbesserte Mundhygiene und Ernährungsberatung — Reduktion zuckerhaltiger Zwischenmahlzeiten, richtige Putztechnik, Interdentalreinigung.
- Fissurenversiegelung — Kunststoffversiegelungen verschließen tiefe Rillen und verhindern das Eindringen von Bakterien. Besonders empfohlen bei Kindern und Jugendlichen.
- Infiltration (resin infiltration) — Mikroinvasive Methode (z. B. ICON), bei der ein niedrigviskoses Harz die demineralisierte Schicht durchdringt und stabilisiert.
- Monitoring — Nach konservativen Maßnahmen wird die Stelle regelmäßig kontrolliert; bei Stabilität sind weitere Eingriffe nicht nötig.
Wann ist eine Füllung nötig?
Wenn Karies in das Dentin eingedrungen ist oder deutlich fortschreitet (Schmerzen, Kavitation, Ausbreitung) wird eine restaurative Versorgung notwendig. Ziel ist dann möglichst minimalinvasives Vorgehen: selektives Entfernen kariöser Substanz und adhäsive Füllungen.
Risiko‑ und Schutzfaktoren
- Erhöhtes Risiko: tiefe, unregelmäßige Fissuren; Kinder und Jugendliche; häufige Zuckeraufnahme; ungenügende Fluoridversorgung; reduzierte Speichelproduktion.
- Schutzfaktoren: regelmäßige Fluoridanwendung, professionelle Prophylaxe, Fissurenversiegelungen, gute Putzgewohnheiten, zuckerarme Ernährung.
Praktische Tipps für den Alltag
- Zweimal täglich fluoridhaltig putzen (bei Kindern altersgerechte Fluoridkonzentration beachten).
- Einmal täglich mit Zahnseide oder Interdentalbürsten reinigen.
- Zwischenmahlzeiten reduzieren und zuckerhaltige Getränke meiden.
- Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt — besonders nach dem Durchbruch der Backenzähne.
- Bei auffälligen Verfärbungen oder Gefühl von rauer Oberfläche zeitnah die Praxis aufsuchen.
Wie schnell kann Fissurenkaries fortschreiten?
Das Tempo variiert stark: Bei hoher Zuckerzufuhr und schlechter Hygiene kann Karies innerhalb von Monaten voranschreiten, meist jedoch über Jahre. Das Anfangsstadium bietet daher ein wertvolles Zeitfenster für konservative Maßnahmen.
Wann sollten Sie den Zahnarzt aufsuchen?
- Bei sichtbaren weißen oder bräunlichen Flecken auf Kauflächen
- Bei zunehmender Empfindlichkeit oder Schmerzen
- Wenn trotz gründlichem Putzen Plaque immer wieder in den Fissuren hängen bleibt
Weiterführende Links und Quellen
- Was ist Fissurenkaries? – DentiCa International
- Karies: Backenzahn mit Fissuren – Philips
- Karies-Symptome – NetDoktor
Fazit
Im Anfangsstadium ist Fissurenkaries oft gut behandelbar: gezielte Remineralisation, verbesserte Hygiene und Fissurenversiegelung können das Fortschreiten stoppen und Bohrungen vermeiden. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt und eine zuckerbewusste Lebensweise sind die besten vorbeugenden Maßnahmen.
Bei Unsicherheit oder sichtbaren Veränderungen sollten Sie einen Termin vereinbaren — je früher eine Läsion entdeckt wird, desto größer sind die Chancen, die Zahnsubstanz zu erhalten.
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